Geld verdienen mit eigenem Youtube-Kanal

Lukas Steinlein vom SV Häger präsentiert Testvideos

SVEN HAUHART

Lukas Steinlein - © Sven Hauhart, HK, HK
Lukas Steinlein (© Sven Hauhart, HK, HK)

Häger. Immer ein Paar frische Bolzer im Schrank. Für die meisten Amateurkicker ist das ein Traum. Für Lukas Steinlein ist es die Wirklichkeit. Der 20-Jährige, der für A-Ligist SV Häger im offensiven Mittelfeld auf Torejagd geht, hat vor jeder Partie die Qual der Wahl. Denn er bekommt regelmäßig die aktuellen Modelle zugeschickt. Entweder von seinem Sponsor oder direkt von Herstellern wie Adidas, Nike und Puma. Steinlein testet die Schuhe und bewertet sie auf seinem Youtube-Kanal »LukasFootball7«.

Angefangen hat er wie jeder fußballbegeisterte Junge, der seinen Vorbildern nacheifert. „Als ich 13 Jahre alt war, habe ich die Joga-bonito-Videos mit Cristiano Ronaldo und Ronaldinho gesehen“, erzählt Steinlein. Joga bonito ist portugiesisch und heißt übersetzt: spiel schön! In diesen Kurzwerbeclips von Nike zeigten die beiden damaligen Jungstars ihr Können an der Murmel. „Das habe ich versucht nachzumachen und viel geübt“, sagt Steinlein. Recht schnell ging er dazu über, seine Versuche mit einer Videokamera aufzuzeichnen und via Youtube ins Netz zu stellen.

Torwandschießen gegen van Gaal im Aktuellen Sportstudio

Der Ball ist sein Freund: Lukas Steinlein verdient mit Kunstschüssen auf Youtube Geld - © Foto: Sven Hauhart
Der Ball ist sein Freund: Lukas Steinlein verdient mit Kunstschüssen auf Youtube Geld (© Foto: Sven Hauhart)

Mit einem dieser Clips bewarb sich der damals 15-Jährige beim Aktuellen Sportstudio des ZDF für das Torwandschießen – und wurde genommen. „Das war ein tolles Erlebnis“, erinnert sich Steinlein gern an seinen 1:0-Sieg über den damaligen FC-Bayern-Trainer Louis van Gaal.

Seinen eigenen Kanal betreibt Steinlein seit gut zweieinhalb Jahren. Dieser hat mittlerweile knapp über 25?000 Abonnenten und eine Gesamtzahl von fast 2,7 Millionen Klicks. Sein erfolgreichstes Video – die Beerdigung seiner kaputt gegangenen Lieblingsschuhe auf dem Feld hinter dem Hägeraner Sportplatz – wurde bislang mehr als 400?000-mal aufgerufen. Damit wird Steinlein zwar nicht reich, aber die Klickzahlen bescheren dem Studenten immerhin einen guten Nebenverdienst.

Info

Lukas Steinlein

Steinlein wurde am 4. Mai 1995 in Würzburg geboren. Seit seinem zweiten Lebensjahr lebt er in Bielefeld. Seine Fußballjugend verbrachte Steinlein beim TuS Jöllenbeck und beim VfR Wellensiek, von wo er im vergangenen Winter zum SV Häger wechselte. Seit Anfang Oktober studiert er an der Universität in Osnabrück Wirtschaftswissenschaften.

Youtuber werden an den Werbeeinnahmen beteiligt, die Eigentümer Google mit vorgeschalteten Werbeclips in ihren Videos verdient. Je höher die Klickzahlen der Videos, desto höher die Einnahmen – so lautet die simple Rechnung. Laut einem Bericht der Internetseite onlinemarketingrockstars erhalten Youtuber etwa einen Euro pro 1000 Klicks. Um die Abonnenten bei Laune zu halten, muss ständig neues und möglichst abwechslungsreiches Material produziert werden. Zwischen vier und acht Videos dreht Steinlein pro Monat. Unterstützt wird er dabei unter anderem von seinen Hägeraner Mannschaftskameraden Alexander Romnov und Nils Pistorius.

Im ersten Jahr konzentrierte sich Steinlein inhaltlich auf die Demonstration der so genannten Knuckleball-Freistoßtechnik seines großen Vorbildes Cristiano Ronaldo. Bei diesem Schuss, den der Portugiese mit der Rückennummer sieben perfekt beherrscht, bringt der Schütze den Ball zum Flattern. Dadurch wird er für den Torwart unkalkulierbar. „Das passiert, wenn der Ball in der Luft keine Rotation hat“, erklärt Steinlein. Neben Bewegungsablauf, Treffpunkt und Härte sei es „das Wichtigste, das Bein nicht durchzuschwingen, damit nur ein möglichst kurzer Ballkontakt erfolgt“. Videos mit Freistößen und Ballakrobatik produziert Steinlein zwar immer noch. Doch seitdem er mit einem Online-Sportartikelversand einen privaten Werbepartner gefunden hat, rücken mehr und mehr Testvideos in den Mittelpunkt. In diesen probiert Steinlein die aktuellen Schuhmodelle gängiger Hersteller aus und bewertet diese. Außerdem wird er beispielsweise von Adidas direkt zu Produktpräsentationen eingeladen, um auf seinem Youtube-Kanal und in sozialen Netzwerken darüber zu berichten.

Sein Ziel sind 100.000 Abonnenten bei Youtube

Youtube-Kanal: Von dieser Startseite gelangt der Besucher zu allen Videos von Lukas Steinlein. - © Screenshot: Philipp Kreutzer
Youtube-Kanal: Von dieser Startseite gelangt der Besucher zu allen Videos von Lukas Steinlein. (© Screenshot: Philipp Kreutzer)

Ob Steinlein irgendwann von seinem Kanal leben kann, weiß er nicht. »freekickerz«, der größte vergleichbare Fußballkanal auf Youtube, bringt es auf drei Millionen Abonnenten und fast 680 Millionen Gesamtklicks. Zahlen, von denen Steinlein noch weit entfernt ist. Mit der erreichten Abonnentenzahl ist er jedenfalls erst mal zufrieden. „Der Sprung von 1000 auf 10?000 ist schwierig, und mit 25.000 hebt man sich schon von der Masse ab“, sagt Steinlein. Sein Ziel sind 100.000 Abonnenten. Und immer ein Paar frische Bolzer im Schrank.

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