Sommer in OWL: Mit dem Fahrrad zu den Flugzeugen

Ulf Hanke

Zu schmal: Auf dem Weserradweg in Bad Oeynhausen ist wenig Platz. Michael, Ramona und die Drillinge Lino, Levi und Luis Petersmeyer passen kaum nebeneinander. - © Ulf Hanke
Zu schmal: Auf dem Weserradweg in Bad Oeynhausen ist wenig Platz. Michael, Ramona und die Drillinge Lino, Levi und Luis Petersmeyer passen kaum nebeneinander. (© Ulf Hanke)

Bad Oeynhausen. Das weitgehend schnörkellose Ostwestfalen hat oben rechts einen wirklich tollen Schnörkel, den Großen Weserbogen. An Wochenenden balgen sich auf dem viel zu schmalen Weg Fußgänger, Rollatorschieber, Rollschuhfahrer und Radfahrer in beide Richtungen. Das Beste ist also, quer zum Verkehr zu radeln. Eine kurze Radtour mit verhältnismäßig wenig Gegenverkehr, aber vielen Sehenswürdigkeiten, ist der Weg von Bad Oeynhausen über die Weser zum Flughafen Vennebeck.

Für Familie Petersmeyer ist das eine Premiere. Ramona (39), Michael (40) und ihre Drillinge Lino, Levi und Luis (fast 2 Jahre) radeln zum ersten Mal gemeinsam über die Weser. Wobei: Geradelt wird hier eigentlich nur von zwei Menschen, nämlich Vater und Mutter. Lino, Levi und Luis genießen den Fahrtwind ohne Anstrengung auf Mamas Lastenfahrrad mit Elektroantrieb.

Startpunkt: Rehme

Los geht’s im ältesten Bad Oeynhausener Stadtteil Rehme. Luftlinie sind es etwa 500 Meter vom Zuhause der Petersmeyers bis zur Weser. Der schnellste Weg führt durch einen Tunnel unterm Autobahnzubringer durch. „Wir nehmen den Schöneren", beschließt Michael Petersmeyer und radelt vorweg, vorbei am städtischen Klärwerk zur Werre und der Baustelle der A?30-Nordumgehung. Für Nachahmer aus der Ferne: Der Bahnhof Bad Oeynhausen ist etwa vier Kilometer von Rehme entfernt. Eine hübsche Radfahrstrecke führt entlang der Werre ebenfalls zur Weser und damit zum Zwischenziel, dem Rehmer Schiffsanleger.

Sommer in OWL

Petersmeyers parken im Schatten und warten auf den Fährmann. Seit 1989 pendelt ein Schiff namens „Amanda" zwischen Bad Oeynhausen und Porta Westfalica. Für besonders Eilige gibt es eine goldene Schifferglocke in Rehme. Das Läuten hört der Fährmann auch am anderen Ufer. Schneller kommt er deswegen aber nicht.

Weserfähre Amanda

Aussteigen: Michael Petersmeyer schiebt das Bäckerfahrrad mit seinen Drillingen Lino, Levi und Luis zurück zum Rehmer Weserufer. - © Ulf Hanke
Aussteigen: Michael Petersmeyer schiebt das Bäckerfahrrad mit seinen Drillingen Lino, Levi und Luis zurück zum Rehmer Weserufer. (© Ulf Hanke)

Kapitän Peter Nikolaus Wartenberg hat alle Hände voll zu tun. Im Minutentakt verschifft der Fährmann Radler von einem ans andere Weserufer. „Drillinge hatte ich noch nie an Bord", sagt Wartenberg und fasst mit an, das schwere Lastenfahrrad samt Akku, Ladegerät, Proviant und Kindern an Bord zu hieven. „Alleine hätte ich mir das nicht zugetraut", sagt Ramona Petersmeyer. Sechs Euro nimmt der Fährmann im Familientarif für die Hin- und Rückfahrt. Ein Bonbon ist das Ticket. Für die Drillinge gibt’s einen Euro Rabatt. Ramona Petersmeyer steckt die Süßigkeiten ein und verteilt stattdessen Rosinenbrötchen.

Kaum hat die Fähre abgelegt, weht eine steife Brise auf dem Wasser. Die Luft schmeckt nach Verheißung, Möwen kreischen. Vom Fluss aus betrachtet ist die Weser erstaunlich breit und reißend. An Bord der „Amanda" ist irgendwie die Zeit stehengeblieben. Der Diesel tuckert gemächlich, aber mächtig gegen die Strömung. Der Kapitän dreht das Schiff und vertäut die Fähre sicher am Anleger auf der Portaner Weserseite.

Schildermangel

Der Weg vom Ufer zum Radweg ist steil. Hier heißt es erst mal schieben. Weiter geht’s durch Mais- und Kornfelder Richtung Flughafen. Der Radweg in Porta ist großzügig bemessen. Was fehlt, sind Schilder: Wo bitte geht’s zum Flughafen-Restaurant?

Info
Fotowettbewerb

Mit der Serie „Sommer in OWL" wollen wir Sie durch die Sommerferien begleiten. In den nächsten Wochen veröffentlichen wir jeden Freitag eine Seite mit regionalen Ausflugstipps. Gleichzeitig suchen wir die schönsten Sommerfotos aus OWL, die Carolinen mit Whitewall-Gutscheinen im Wert von 1.000 Euro (1. Platz), 500 Euro (2. Platz), 300 Euro (3. Platz) und je 50 Euro (4. bis 10. Platz) prämieren wird. Ihre Fotos, pro Fotograf bitte nur ein Bild, schicken Sie bitte bis zum 21. August an redaktion@
zeitungsaktion-owl.de mit folgenden Angaben: Name, Adresse, Geburtsdatum und Aufnahmeort.

Die Antwort steckt zum Glück in jedem modernen Telefon (rechts, links, zweite links). Die vielen Ausflügler wissen das leider nicht, viele kommen vom nahen Campingplatz Großer Weserbogen, wo man im Südlichen See auch baden kann. Wenn es ein paar Grad wärmer gewesen wäre, hätte Familie Petersmeyer auch Badekleidung einpacken und einen Abstecher machen können. „Nächstes Mal vielleicht", sagt Michael Petersmeyer.

Gut durchgeschüttelt (die Pflasterung ist holprig) kommt die Familie nach etwas weniger als einer Stunde sehr gemächlicher Fahrt am Flughafen-Restaurant „Hangar 17" an. Das Lokal hat einen eingezäunten Spielplatz mit großem Sandkasten und Klettergerüst. Das ist nichts Außergewöhnliches, aber für Lino, Levi und Luis ist das erst mal genügend Raum zum Spielen.

Die Eltern entspannen bei Apfelschorle und Milchkaffee und schauen den Flugzeugen auf der Start- und Landebahn zu. Das Flughafen-Restaurant hat nur wenige Steckdosen, für den Fahrradakku findet sich aber noch ein Plätzchen.

Sonntags fliegen viele

Staunen: Familie Petersmeyer schaut den Flugzeugen beim Starten und Landen zu. Luis auf Mamas Arm hat gerade anderes im Kopf. - © Ulf Hanke
Staunen: Familie Petersmeyer schaut den Flugzeugen beim Starten und Landen zu. Luis auf Mamas Arm hat gerade anderes im Kopf. (© Ulf Hanke)

Der Flughafen Vennebeck wurde einst von den britischen Besatzungstruppen angelegt, um schneller zum damaligen Hauptquartier in Bad Oeynhausen zu gelangen. Vor allem am Wochenende ist hier viel Flugbetrieb, wenn die Segelflieger aus Bad Oeynhausen, Löhne, Porta Westfalica, Vlotho und Minden vorbeikommen, um zu fliegen.

Es gibt viel zu sehen und auf dem kleinen Aussichtstreppchen stören auch die vielen Autos nicht, die ansonsten den Blick aufs Flugfeld versperren. Nach einer Stunde Flugplatz brechen Petersmeyers wieder auf, zurück nach Bad Oeynhausen. Der Fährmann wartet schon. Kapitän Wartenberg macht diesen Sonntag eine Stunde früher Schluss. Die Drillinge hat er nicht vergessen: „Das schreibe ich in mein Tagebuch."

Nächstes Mal: Eine Kletterrunde im Kreis Gütersloh

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