67-jähriger Student aus Werther erhält Preise für Kurzfilm "Eyelove"

Knut Weltlich studiert im dritten Semester Medienwissenschaften an der Uni Bielefeld. Für seinen Kurzfilm erhält er bei einem Wettbewerbs-Kinoabend sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis

Anja Hanneforth

Film Eyelove mit Knut Weltlich - © Foto: Patrick Jung
Film Eyelove mit Knut Weltlich (© Foto: Patrick Jung)
Film Eyelove mit Knut Weltlich


Toller Moment: Die Filmcrew mit - von links: Anna, Claudia, Emma, Knut Weltlich, Senat. Drei aus dem Team fehlen, Insgesamt acht Studierende der Uni bielefeld, Wintersemester 2017/2018: Vorsicht Dreharbeiten - © HK
Film Eyelove mit Knut Weltlich

Toller Moment: Die Filmcrew mit - von links: Anna, Claudia, Emma, Knut Weltlich, Senat. Drei aus dem Team fehlen, Insgesamt acht Studierende der Uni bielefeld, Wintersemester 2017/2018: Vorsicht Dreharbeiten (© HK)

Werther. Ein Mann sucht eine Frau. In einer Bar, einer Disco, im Internet hat es nicht geklappt. Jetzt soll »Eyelove« helfen. Augenliebe, eine ganz neue Erfindung, die Liebesbedürftigen mittels einer Brille auf die Sprünge hilft. Vor ihrem virtuellen Auge werden mögliche Partner fürs Leben sichtbar. Mit kleinen Einschränkungen: Die Technik ist noch nicht ausgereift, und so birgt das neue Liebesglück manche Überraschung ... – So die Geschichte des 90-Sekunden-Films, den Knut Weltlich mit sieben Kommilitonen gedreht hat. Bei der Premiere vor mehreren hundert Zuschauern im Bielefelder Cinemaxx räumte er jetzt gegen 18 Konkurrenzfilme ab, gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis. „Ein Kracher", strahlt Weltlich.

Vor eineinhalb Jahren hat sich der Wertheraner an der Uni Bielefeld eingeschrieben. Im dritten Semester studiert der 67-Jährige Medienwissenschaften. Nicht einfach nur zum Spaß („Obwohl es großen Spaß macht"), sondern mit der festen Absicht, seinen Abschluss zu machen. Neu ist die Branche für ihn nicht: Bis zu seiner Pensionierung war der gelernte Tonmeister beim Medienriesen Bertelsmann beschäftigt und hat in seiner Funktion als Schwerbehindertenbeauftragter sogar Beiträge über die Paralympics verfasst.

„Entweder ich raffe den Stoff oder nicht"

Dennoch war der Gang an die Uni für ihn ein großer Schritt. „Ich bin als ganz normaler Student eingeschrieben und muss mich täglich gegen die jungen Leute beweisen. Ich habe keinen Sonderstatus. Entweder ich raffe den Stoff oder nicht." Natürlich sei er nicht auf gute Noten und den Abschluss angewiesen. Das mache die Herausforderung für ihn aber nicht kleiner.

Entsprechend ehrgeizig ging er die Semesterarbeit im Seminar »Vorsicht Dreharbeiten« an. Eine Gruppenarbeit, an dessen Ende ein 90 Sekunden langer Kurzfilm stehen sollte. „Und jeder weiß: Je kürzer ein Film, desto schwerer wird es." Das Oberthema »Identität« war vorgegeben, das Unterthema »Komödie« zugelost worden.

Die acht Studenten machten sich ans Werk. Sie entwickelten eine Idee, erstellten Drehbuch und Ablaufplan, organisierten den Drehort, führten die Kamera, sorgten für Ton, Lichttechnik, Montage, Musikbearbeitung. Die Darsteller waren sie selbst, auch Knut Weltlich bekam eine Rolle.

 Eigentlich sogar die Hauptrolle, denn erst durch ihn („als Senior der Truppe") zündete die Pointe zum Schluss. Statt einer hübschen jungen Frau, wie von »Eyelove« versprochen, fand der liebesbedürftige Mann Knut Weltlich vor sich. Extrem lustige Dreharbeiten, allerdings schwerer als gedacht: „Manche Szene mussten wir zehn, 15 Mal drehen, bevor sie im Kasten war."

„Der Film hat mich zehn Jahre jünger gemacht!"

19 Kurzfilme der Universitäten Bielefeld und Köln waren für den Filmwettbewerb im Cinemaxx ausgewählt worden, und die Gruppe um Knut Weltlich ließ am Ende alle hinter sich. Sie gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis – „wir waren unglaublich happy", beschreibt Weltlich. Aufgeregt hätten sie im Kinosaal gesessen und auf ihren Beitrag gewartet. Als die ersten Lacher kamen und Beifall aufbrandete, sei das ein tolles Gefühl gewesen. Überhaupt nennt er das Filmprojekt einen „Knaller. Der Film hat mich zehn Jahre jünger gemacht!"

Sein Rat an alle Senioren: „Wenn Sie über ein Studium an der Uni nachdenken: Machen Sie es – Sie werden dadurch nicht dümmer!"

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