Politiker verteidigen Kosten fürs Böckstiegel-Museum

Anja Hanneforth,Marc Uthmann

Künftig ein Ensemble: Vom neuen Museum aus werden die Besucher direkt einen Blick auf das Geburtshaus Peter August Böckstiegels (hinten links) haben. Diese Symbiose soll Teil eines attraktiven sein, dessen Herzstück natürlich die Ausstellungen im Neubau bilden. - © Anja Hanneforth, HK
Künftig ein Ensemble: Vom neuen Museum aus werden die Besucher direkt einen Blick auf das Geburtshaus Peter August Böckstiegels (hinten links) haben. Diese Symbiose soll Teil eines attraktiven sein, dessen Herzstück natürlich die Ausstellungen im Neubau bilden. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther/Kreis Gütersloh. Wer ein Erbe antritt, muss sich auch angemessen darum kümmern. Allemal dann, wenn es wie bei Böckstiegel aus einem kompletten Haus und mehr als 1300 Werken besteht. Der Kreis Gütersloh hat das Erbe angenommen, es 2008 in eine Stiftung überführt – und setzt nun mit dem Museumsbau das Ausrufezeichen hinter einen langwierigen, schwierigen, von zahlreichen Debatten begleiteten, am Ende einstimmig beschiedenen Entscheidungsprozess. Dass sich nun im Wirtschaftsplan 2018 eine Finanzierungslücke von 140.000 Euro und ein Defizit von 95.000 Euro auftun, halten die Vertreter der vier großen Kreistagsfraktionen für durchweg hinnehmbar. Sie heben im Gegenteil noch einmal die Bedeutung des Museums für die gesamte Region hervor.

Dr. Heinz-Josef Sökeland (CDU)

„Dieses Museum und seine Finanzierung sind ein Erfolgsmodell, wie wir es uns noch vor wenigen Jahren nicht hätten träumen lassen“, lässt der CDU-Fraktionschef keinen Zweifel an seiner Einstellung gegenüber dem Bau. Bei einem Vier-Millionen-Projekt und einem Kreiszuschuss von zwei Millionen Euro fast auf den Punkt hinzukommen, sei eine Top-Leistung aller Beteiligten. Natürlich sei der eigentliche Plan gewesen, den Großteil vor allem der laufenden Kosten aus den Zinsen des Stiftungskapitals zu finanzieren. Bei einer Null-Zins-Politik sei das nun nicht möglich. Die CDU habe beim Museumsbau schließlich die Idee gehabt, einen Teil des Kapitalstocks zur Finanzierung heranzuziehen – „Die einzige Chance, das Museum überhaupt zu realisieren.“ Dieser Kapitalstock werde nun durch Sponsoren wieder aufgefüllt. Und natürlich werde man seitens des Kreises die Folgekosten tragen, solange dies nötig sei. „Aber das ist es uns wert. Wir bekommen hier ein Haus mit großer Qualität. Das wird eine Erfolgsgeschichte für Werther und ein Highlight für den ganzen Kreis.“

Liane Fülling (SPD)

Auch die SPD-Kreistagsfraktion befasste sich gestern – unter anderem – mit dem Thema Museumsbau. Sprecherin Liane Fülling war im Vorfeld hörbar bemüht, das Thema etwas runterzukochen: „Ich sehe derzeit keine dramatische Lage. Sonst hätte es sicher schon entsprechende Sitzungen gegeben“, sagt die Versmolder Sozialdemokratin dem HK. Grundsätzlich gehe die Geschäftsführung der Böckstiegel-Stiftung mit dem Projekt verantwortungsvoll um und die Akteure handelten „kompetent und umsichtig“, betonte die SPD-Fraktionsvorsitzende. „Dass es angesichts der aktuellen Marktlage zu Kostensteigerungen kommt, ist doch nicht ungewöhnlich.“ Natürlich sei das Museum ein ambitioniertes Projekt – und das nicht nur finanziell: „Aber wenn wir uns politisch darauf verständigt haben, hier einen Leuchtturm zu errichten, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass er strahlt.“

Helga Lange (Grüne)

„Natürlich werden wir uns die Zahlen im Detail anschauen und dann entscheiden müssen, mit welchen Maßnahmen wir die Finanzierung dauerhaft in den Griff bekommen. Klar ist, dass ein zusätzliches Stockwerk Geld kostet. Der Mehrwert jedoch, den das Kellergeschoss bietet, ist unglaublich – und wir hätten ihn nachträglich niemals einbauen können.“ Aber selbstverständlich müsse das Haus für die Zukunft auf gesicherte Beine gestellt werden. Helga Lange hofft, eine Lösung im Schulterschluss mit den übrigen Fraktionen zu finden. „Denn dies ist ausdrücklich kein Thema für politischen Streit.“ Die Grünen jedenfalls stünden auch weiterhin voll hinter dem Museum, „das ist eine ganz wichtige Einrichtung für Werther und darüber hinaus. Abgesehen davon, dass wir natürlich auch eine hohe Verantwortung gegenüber dem Erbe Böckstiegels haben.“

Johannes Sieweke (FWG/UWG)

Die FWG/UWG-Fraktion steht ebenfalls hinter dem Projekt. „Anfangs haben wir das Böckstiegel-Museum kritisch gesehen“, sagt Sprecher Johannes Sieweke. „Aber die Pläne der Architekten und auch der Baukörper haben uns letztlich positiv gestimmt.“ Davon rücke man auch jetzt nicht ab. „Wenn es nachvollziehbare Gründe für die Kostensteigerungen gibt, werden wir diese mittragen.“ Der Kreis könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen. „Wir haben durch die Annahme der Schenkung des Böckstiegel-Nachlasses eine Verpflichtung übernommen. Und der müssen wir nun gerecht werden.“

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