Baugebiet Blotenberg: Das sagen die Wertheraner Ratsfraktionen

Kerstin Spieker

Was wird aus dem Blotenberg?: Unabhängig von seiner möglichen Bebauung stehen Alternativen im Raum. - © Stadt Werther
Was wird aus dem Blotenberg?: Unabhängig von seiner möglichen Bebauung stehen Alternativen im Raum. (© Stadt Werther)

Werther. Einmal mehr ist das Thema Baugebiet Blotenberg ins Stocken geraten. Dieses Mal ist es die Menge der Einwendungen, die Planer und Bauamt viel Zeit kostet und dafür gesorgt hat, dass der von der Verwaltung selbst gesetzte Zeitrahmen gesprengt wurde (das HK berichtete). Eine Entwicklung, die angesichts der angespannten Wohnungsmarktsituation und der Planungen in Werthers Nachbarschaft überrascht. Das HK befragte die Wertheraner Ratsfraktionen.

Die Fragen

  1. Wie sehen Sie Werther hinsichtlich seiner Wohnbauentwicklung aufgestellt?
  2. Sind Sie mit der Situation zufrieden?
  3. Wie steht Ihre Fraktion zum Thema Blotenberg?
  4. Sehen Sie Bedarf, über den Blotenberg hinaus Baugebiete auszuweisen?
  5. Hat Ihre Fraktion Vorschläge zum Standort?

Reiner Schütz (SPD)

1. Werther ist seit Jahren im Bereich Wohnbauentwicklung schlecht aufgestellt. Werther ist eine attraktive Wohnstadt und kann leider der hohen Nachfrage von Interessenten, die in Werther wohnen möchten, nicht nachkommen.

2. Die SPD-Fraktion ist nicht mit der Situation zufrieden und arbeitet an Lösungsmöglichkeiten. Wir erwarten von allen Fraktionen im Stadtrat eine Kooperation zur Verbesserung der Wohnbauentwicklung in Werther.

3. Die SPD-Fraktion stand, steht und wird weiterhin unterstützend zum Thema Blotenberg stehen, bis das Gebiet bebaut ist.

4. Ja.

5. Wir sind in der Findungsphase und im Gespräch mit den anderen Fraktionen. Als Vorsitzender des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt werde ich das Thema im nächsten Jahr mit auf die Agenda nehmen.

Birgit Ernst (CDU)

1. In Werther ist nach unserer Auffassung ein erhebliches Defizit an Wohnungsbaumöglichkeiten zu beklagen. Es gibt kaum verfügbare Flächen für den privaten Wohnungsbau. Noch schlechter sehen wir die Situation im sozialen Wohnungsbau.

2. Mit der Situation in Werther sind wir natürlich nicht zufrieden. Auch vor dem Hintergrund, dass alle umliegenden Kommunen hier schneller und aktiver agieren, ist es Zeit, dass sich in Werther etwas bewegt. Wir haben bereits vor einigen Monaten die Aufstellung eines Baulückenkatasters eingefordert, aber die Verwaltung ist bis heute eine Antwort schuldig.

3. Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass der Blotenberg keine geeignete Fläche ist. Aber wir haben in den vergangenen Monaten auch deutlich gemacht, dass wir die politischen Mehrheitsverhältnisse akzeptieren und uns, wenn es denn zu einer Bebauung des Blotenbergs kommt, aktiv einbringen wollen. Von daher waren wir mehr als verwundert, dass der zuletzt vorgelegte Plan für die Bebauung so gravierend von der ehemals vorgeschlagenen Planung abweicht. Warum jetzt nur noch ein Drittel der ursprünglichen Fläche bebaut werden soll, erschließt sich uns nicht.

4. Mit der Planung für die Bebauung des Blotenbergs liegt die Verwaltung massiv im Verzug. Auch die seit Monaten angeführten mehr als 200 Einwendungen rechtfertigen unseres Erachtens nicht, dass mit der Planung nichts vorangeht. Selbst wenn jetzt weitergemacht wird, kommt es vor 2019 zu keinem Spatenstich. Allein deshalb müssen dringend Alternativen her.

5. Wir sprechen uns nach wie vor für die Bebauung des Süthfelds aus. Darüber hinaus sind mit der Vereinfachung der Erschließung kleinerer Wohngebiete in unmittelbarem Anschluss an bereits erschlossene Baugebiete, Möglichkeiten eröffnet worden, die wir nutzen sollten.

Walter Arnold (Grüne)

Die Bebauung des Blotenbergs vornehmlich mit freistehenden, absehbar teuren Eigenheimen beseitigt nicht die aktuellen und künftigen Engpässe der Wohnungsnachfrage. Allerdings fehlt es in Werther prinzipiell an einer aktiven, vorausschauenden Wohnungsbaupolitik vonseiten der Verwaltung. Belastbare Daten liegen weder für die Nachfrage noch für das (künftige) Angebot von Wohnungen und Häusern vor. Die Verwaltung betreibt Kaffeesatzleserei.

Im Umfeld von Großstädten werden künftig mehr Miet- und bezahlbare Eigentumswohnungen, mehr mit den Biografien wechselbare Wohnoptionen gebraucht denn unflexible, teure Eigenheime. Vorausschauende, aktive Wohnungsbaupolitik würde einerseits die schon jetzt verfügbaren Baulücken in der Innenstadt und am Stadtrand registrieren, mit den Eigentümern über möglichen Verkauf sprechen und ebenso eine aktuelle, belastbare Datenbank über Nachfragende nach Wohnungen und Häusern betreiben. Baulücken finden sich etwa an der Weststraße, auch oberhalb des Gebäudes der Gesamtschule, an der Egge, im Speckfeld und viele mehr.

Uwe Gehring (UWG)

1. In Werther gibt es für Wohngebäude kein einziges Grundstück, das von der Stadt Interessenten angeboten werden kann. Die nächstmöglichen Grundstücke wären die auf dem ehemaligen Overbeck-Grundstück. Obwohl seit 2009 in der Entwicklung: Keiner weiß, wann die baureif sein werden.

2. Nein, der Missbrauch demokratischer Mittel schadet dem Gemeinwohl der Stadt Werther inzwischen gravierend. Den Leuten, die ohne erkennbares konstruktives Ziel das Verfahren torpedieren, sollte man den Schaden in Rechnung stellen können.

3. Unsere Fraktion findet, dass der Blotenberg ein attraktives Naherholungsgebiet in Werther ist und auch bleiben wird, wenn ein kleine, ehemalig intensiv genutzte Ackerfläche des Hofes Overbeck bebaut wird.

4. Ja. Es ist nicht absehbar, wann keine neue Wohnbaufläche mehr gebraucht werden wird. Werthers attraktive Lage zieht Bauwillige aus Bielefeld an und viele Wertheraner suchen hier selbst Baugrund.

5. Neue Standorte müssen auf der Grundlage aktueller Rahmenbedingungen mit allen Fraktionen, die konstruktiv mitarbeiten wollen, erarbeitet und festgelegt werden. In so einen Prozess würde die UWG ihre Vorstellungen weiterer Flächen in angemessener (geringer) Größe einbringen.

Andreas Honsel (FDP)

1. Werther ist hinsichtlich der Wohnbauentwicklung schlecht aufgestellt. Während alle Nachbargemeinden Bauwilligen Grundstücke anbieten können, hat Werther seit Jahren nahezu kein Angebot. Im letzten Jahr wurden auf Antrag der FDP für die Stadtverwaltung zwei neue Stellen durch den Rat bewilligt, um die Kapazitäten in der Bauverwaltung zu erhöhen.

2. Wir sind sehr unzufrieden, da Werther seine außerordentlich guten Potenziale nicht nutzt und Gefahr läuft, im Vergleich zu den anderen Kommunen den Anschluss zu verlieren. Seitens der Politik ist gegenüber der Verwaltung immer wieder sig-nalisiert worden, notwendige Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Da hiervon kein Gebrauch gemacht wurde, gehen wir davon aus, dass ausreichend Kapazitäten vorhanden sind.

3. Die FDP unterstützt das geplante Bebauungsgebiet weiterhin und mit Nachdruck. Bei der letzten Kommunalwahl haben die Parteien, die sich dafür ausgesprochen haben, eindeutig die Mehrheit erzielt. Leider haben wir in Werther die Situation, dass die Bürgerinitiative Blotenberg diese Entscheidung nicht akzeptiert und das Projekt weiterhin massiv attackiert. Das führt zu erheblichen Kosten und Aufwänden, wird aber das Baugebiet nicht verhindern.

4. Ja, eine Kommune muss sich weiterentwickeln können. Dazu gehört neben Miet- und Eigentumswohnungen auch das Angebot von Grundstücken.

5. Die FDP-Fraktion hat hierzu noch keine abschließende Entscheidung getroffen. In jedem Fall sind wir gegenüber weiterführenden Gesprächen sehr aufgeschlossen.

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