Rossmann statt Tankstelle - Drogeriemarkt eröffnet am Samstag

Anja Hanneforth

Nur glückliche Gesichter: Dass auf dem Grundstück an der Nordstraße jetzt keine Tankstelle steht, sondern ein Rossmann, darüber freuen sich nicht nur die Anlieger, sondern auch Grundeigentümer Bekir Irmak (Fünfter von rechts) und das Team des neuen Drogeriemarktes. Als Willkommensgeschenk übergab Gisela Wölke (Sechste von rechts) jetzt Blumen an den neuen Marktleiter Sebastian Rehse (Dritter von links) und seine Stellvertreterin Nadja Seibel (Vierte von links). - © Foto: Anja Hanneforth
Nur glückliche Gesichter: Dass auf dem Grundstück an der Nordstraße jetzt keine Tankstelle steht, sondern ein Rossmann, darüber freuen sich nicht nur die Anlieger, sondern auch Grundeigentümer Bekir Irmak (Fünfter von rechts) und das Team des neuen Drogeriemarktes. Als Willkommensgeschenk übergab Gisela Wölke (Sechste von rechts) jetzt Blumen an den neuen Marktleiter Sebastian Rehse (Dritter von links) und seine Stellvertreterin Nadja Seibel (Vierte von links). (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther. Ihnen steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Wir sind so froh", spricht Gisela Wölke im Namen der gesamten Anwohner. „Hier könnte jetzt eine Tankstelle stehen. Eine schlimme Vorstellung." Viel Aufregung, Ärger und auch Geld haben die Mitglieder der Bürgerinitiative in den Monaten, nachdem die Tamoil-Pläne bekannt wurden, gelassen. Ihrem Protest ist es zu verdanken, dass statt einer Tankstelle nun ein Rossmann auf das Grundstück gezogen ist.

Es ist jetzt zwei Jahre her, als im August 2015 im Rathaus die Pläne für den Bau einer Tankstelle auf dem bis dahin leeren Grundstück an der Engerstraße/Ecke Nordstraße offengelegt wurden. Woraufhin sich eine Protestwelle ungeahnten Ausmaßes über Politik und Verwaltung Bahn brach. Zwei Dinge machte die Anlieger besonders wütend: dass sie nicht über das Vorhaben informiert worden waren und nun befürchten mussten, nicht mehr gegensteuern zu können; und dass die Verwaltung, obwohl ebenfalls gegen die Pläne, kaum eine Chance sah, ihrerseits die Tankstelle zu verhindern.

Und die Ängste der Anlieger waren groß: vor Lärm- und Lichtemissionen, langen Öffnungszeiten, nächtlichen Anlieferungen von Kraftstoff und Produkten für den Shop, Vermüllung durch weggeworfene Verpackungen, Gefahren durch den Verkehr an der ohnehin schon schwierigen Kreuzung.

„Wir haben unglaublich viel Unterstützung von den Wertheranern bekommen", blickt Gisela Wölke zurück. Das habe die Mitglieder der Initiative auch bewogen, sich nicht entmutigen zu lassen und ihren Protest fortzuführen. Der am Ende bekanntlich zum Erfolg führte – nicht zuletzt dank des Grundeigentümers Bekir Irmak, dem Verhandlungsgeschick der Verwaltung und sogar der Tamoil selbst, die bereit war, aus dem Vertrag mit dem Grundstücksbesitzer zurückzutreten und auf eine städtische Fläche auszuweichen.

„Mit einer Tankstelle hätten wir nicht gut leben können"

„Toll, dass es schließlich die Lösung mit Rossmann gegeben hat und die Tankstelle ins Gewerbegebiet zieht", sagt Gisela Wölke. Mit einer Drogerie vor ihrer Haustür können die Anlieger der Nordstraße gut leben. Angst vor dem Kundenverkehr haben sie nicht. „Dies ist nun einmal ein Gewerbegrundstück", weiß Hanna Schülpke.

Beim Bau des neuen Rossmann konnten die Anwohner erleben, wie es gewesen wäre, neben einer Tankstelle zu wohnen. „Der Baustellenverkehr wurde genau so abgewickelt, wie die Zu- und Abfahrten für die Tankstelle geplant waren", beschreibt Kornelia Schülpke. „Ziemlich unangenehm." Und getankt worden wäre ja nicht nur werktags, sondern auch abends sowie an Sonn- und Feiertagen. Gisela Wölke bringt es auf den Punkt: „Mit einer Tankstelle hätten wir nicht gut leben können. Das wäre für uns alle wirklich Mist gewesen."

Im vergangenen Herbst kamen die Aktiven der Bürgerinitiative zu einem letzten Treffen zusammen. „Das war schön", erzählt Annette Böhm. Denn bei allen negativen Begleiterscheinungen habe der Protest die Nachbarschaft noch einmal ganz neu zusammengeschweißt.

Als letzte Tat übergaben sie gestern eine riesige Chrysantheme als Willkommensgruß an die Rossmann-Mitarbeiter. Marktleiter Sebastian Rehse und seine Stellvertreterin Nadja Seibel freuten sich sehr, waren allerdings wie ihre neun Kollegen schwer im Stress, da bis zur Eröffnung am Samstag nicht mehr viel Zeit bleibt. Mit dabei war gestern auch Bekir Irmak, der ebenfalls froh über das gefundene Endergebnis ist: „Das war ein langer, steiniger Weg", blickt er zurück. Aber mit Geschick und Diplomatie sei es gelungen, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten sehr zufrieden sein könnten.

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