Virtuell mittendrin - Ben Wadewitz schafft digitale Räume

Carolin Hlawatsch

3D-Scan: Ansicht der Wertheraner Gaststätte Sedan. - © Scan: Spacemakers360
3D-Scan: Ansicht der Wertheraner Gaststätte Sedan. (© Scan: Spacemakers360)

Werther. An Mut, Abenteuerlust und Unternehmergeist fehlt es dem Wertheraner Ben Wadewitz (37) keinesfalls. Inzwischen zumeist in Hamburg, aber eigentlich an vielen Orten der Welt zuhause, zieht es ihn nun mit seinem neuen Projekt »Spacemakers 360« zurück in die Heimat.

Hervorgerufen durch einen seiner Gitarrenschüler in Hamburg hatte Ben Wadewitz den Geistesblitz: „Der Vater des Schülers ist Makler und zeigte mir eine Kamera-Technik, die er aus den USA mitgebracht hatte. Mit dieser 3D-Scan-Kamera fotografierte er Räume die er vermakeln will", berichtet Ben Wadewitz.

Wie Google Streetview, nur für den Blick ins Innere

Frühzeitig erkannte er das Potenzial, das in dieser Technik steckt und gründete vor einem halben Jahr das Unternehmen »Spacemakers 360«. Als einer der ersten am Markt erstellt er nun virtuelle Rundgänge durch verschiedenste Räumlichkeiten. „Das was Google Streetview für außen anbietet, erstellen wir für Innenbereiche, allerdings mit noch brillanteren Bildern.

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So geht's

Dreidimensionale Scans werden mit einer speziellen Kamera erstellt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Techniken, bei denen fotografisch einfach nur Helligkeits-, beziehungsweise Farbinformationen gespeichert werden, misst sie auch die Tiefe. Deswegen sind mit dem 3 D-Scan ein vollständiges Erfassen eines Objekts und somit das Erstellen eines räumlichen Abbilds möglich.

Weitere Ansichten gibt es auf der Internetseite von Ben Wadewitz.

www.spacemakers360.de

Das Ergebnis sind nicht nur 360-Grad-Touren, sondern die Objekte sind zusätzlich auch von oben zu sehen und lassen sich nach Belieben drehen und wenden", erklärt Wadewitz, und die Begeisterung dafür ist deutlich herauszuhören. Auf Smartphone, Tablet oder Computer könne sich der Betrachter interaktiv durch die Räume bewegen, dabei auch Gegenstände anklicken und dazu mögliche Detailinfos erhalten.

Mit Indoor-Kartbahn-Chef Alexander Boldirew aus und Abram Adrian, Inhaber der Gaststätte Sedan stand Ben Wadewitz am Dienstag in Werther zusammen vor dem Computer-Bildschirm. Für beide Wertheraner Institutionen hat er 3?D-Scans erstellt. „Die virtuelle Ansicht unseres Restaurants ist ab jetzt auf unserer Sedan-Website zu sehen. So können Kunden schon vor dem eigentlichen Besuch quasi durch’s Restaurant laufen und sich den schönsten Platz aussuchen", verrät Abram Adrian.

Ende September bekommt das Sedan eine neue Küche. „Die wird dann noch in den virtuellen Rundgang eingebaut." Auch für Kartbahn-Besitzer Alexander Boldirew und vor allem für die Kartfahrer selbst bedeutet die 3?D-Aufnahme eine Bereicherung: „Von nun an lässt sich die Strecke mit ihren Herausforderungen vor oder nach der Fahrt viel besser analysieren", sagt der Betreiber.

300 Scans mit der Spezialkamera hat Ben Wadewitz von der 4000 Quadratmeter großen Indoor-Kartbahn gemacht. Zusammengesetzt und nachbearbeitet ergeben sie dann das virtuelle Objekt. Sein nächster Plan: „Eventuell scanne ich demnächst das Böckstiegel-Museum".

Während der Schulzeit selbstständig gemacht

Der Unternehmer freut sich darüber, die Innovation in seine Heimatstadt zu bringen. „So schließt sich ein Kreis". Der gebürtige Wertheraner hatte sich schon mit 17 Jahren, während seiner Schulzeit am Evangelischen Gymnasium Werther, selbstständig gemacht. Er reparierte und verkaufte Computer unter anderem für und an seine Lehrer. Nach dem Abitur studierte er Media-Design in Bielefeld und erstellte Webseiten für Banken, Unternehmen und Vereine. Doch einen Arbeitsplatz in der Internet- oder Werbebranche konnte er sich, trotz Design- und Informatik-Affinität zu dem Zeitpunkt noch nicht vorstellen.

Neue Ansichten: Abram Adrian, Inhaber des Sedan, Ben Wadewitz, Spacemakers360 und Alexander Boldirew, Betreiber der Indoorkartbahn Werther (von links) sind fasziniert von virtuellen Rundgängen durch ihre Räumlichkeiten. - © Foto: Carolin Hlawatsch
Neue Ansichten: Abram Adrian, Inhaber des Sedan, Ben Wadewitz, Spacemakers360 und Alexander Boldirew, Betreiber der Indoorkartbahn Werther (von links) sind fasziniert von virtuellen Rundgängen durch ihre Räumlichkeiten. (© Foto: Carolin Hlawatsch)

Ben Wadewitz wollte erstmal raus aus der Region. 2005 engagierte er sich in einem kenianischen Waisenhaus und gründete mit afrikanischen Journalisten einen Verein für freie Medien in Ostafrika. Später absolvierte er in Hamburg eine Ausbildung zum professionellen Musiker im Bereich Popularmusik und arbeitete in in den Alsterdorf Kliniken musiktherapeutisch mit Drogenabhängigen. Kontakte in der Musik-Szene brachten ihn Silvester 2006 bis ins Hauptquartier der Bundeswehr nach Masar-e Sharif in Afghanistan, wo er mit Band für die Soldaten spielte.

Auf seinen Auslandsaufenthalten lernte er Menschen in unterschiedlichsten Lebensbedingungen kennen. „Durch all diese Erfahrungen reflektiert man mehr und sieht Probleme aus einem anderen Blickwinkel", erklärt Ben Wadewitz, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Coaching auseinander setzte und Anfang 2015 eine weitere Ausbildung, die zum Heilpraktiker für Psychotherapie, abschloss.

Er selbst sei stets dahin gegangen, wo es Potenziale gab. Noch im letzten Jahr managte er ein Yoga- und Meditations-Zentrum in Kambodscha. „Nachdem ich so viele Jahre meinem Herz gefolgt bin und alles gemacht habe was mich interessiert, erwacht nun wieder der Unternehmergeist in mir", sagt Wadewitz. Kontakte und Freundschaften von früher zögen ihn nun zurück in die Heimat. „Ich bin eben doch ein Werthers Echter."

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