Mutig: Lenja Buxel aus Werther macht ein Austauschjahr in Island

Anja Hanneforth

Da geht’s hin: Lenja Buxel fliegt morgen für einen zehnmonatigen Austausch nach Island. Der hohe Norden hat es ihr angetan. Angst vor einem langen Winter und vor kalten Temperaturen hat sie keine. Im Gegenteil. - © Foto: Anja Hanneforth
Da geht’s hin: Lenja Buxel fliegt morgen für einen zehnmonatigen Austausch nach Island. Der hohe Norden hat es ihr angetan. Angst vor einem langen Winter und vor kalten Temperaturen hat sie keine. Im Gegenteil. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther. Den wichtigsten Satz kennt sie schon. „Ég tala bara pínulitla íslensku." Wie er sich ausspricht, weiß Lenja Buxel zwar nur dank Internet-Sprachführer. Helfen wird er ihr trotzdem. „Ich spreche nur ein bisschen isländisch" heißt er und überbrückt auf charmante Weise alle Sprachbarrieren. Lange wird ihn die 16-Jährige vermutlich ohnehin nicht brauchen. Wer auf Island zur Schule geht, in einer isländischen Gastfamilie wohnt und zwei isländische Gastgeschwister hat, wird anfängliche Sprachprobleme schnell überwinden. Angst hat die mutige junge Frau ohnehin nicht. Morgen geht es los mit dem großen Abenteuer Island.

Lenja Buxel hat gerade die zehnte Klasse der Gesamtschule abgeschlossen, ab nächsten Herbst wird sie das Oberstufenkolleg besuchen. Dazwischen wollte sie unbedingt einen Austausch machen, das stand früh für sie fest. Auch darum, weil es ihre beiden Geschwister vorgemacht haben und sie nur Gutes berichten konnten. Wie Lenja hat es sie in Länder weitab der klassischen Austauschziele USA oder Neuseeland geführt. „Mein Bruder war in Norwegen, meine Schwester in Thailand", erzählt die 16-Jährige. Beide würden die Sprachen fließend sprechen, beide hätten tolle Gastfamilien gehabt, beide seien um einen riesigen Erfahrungsschatz reicher geworden. „Das will ich auch."

„Ich finde das Land einfach faszinierend"

Und warum Island? „Ich finde das Land einfach faszinierend", erzählt die Wertheranerin. Die Natur, die Landschaft, die Vulkane, die Wasserfälle – „davon möchte ich gerne etwas sehen". Und einmal auf den berühmten Ponys reiten, das wäre ein Traum von Lenja Buxel.

Beeindruckend: Auf Naturschauspiele wie den Thjófafoss (unser Bild), aber auch auf Vulkane und Geysire freut sich Lenja Buxel besonders. - © Verwendung weltweit
Beeindruckend: Auf Naturschauspiele wie den Thjófafoss (unser Bild), aber auch auf Vulkane und Geysire freut sich Lenja Buxel besonders. (© Verwendung weltweit)

Jetzt kommt sie ihrem Ziel ein gutes Stück näher. Um 14 Uhr geht der Flieger ab Frankfurt, bei zwei Stunden Zeitverschiebung und nach gut dreieinhalb Stunden Flug wird sie am Samstag gegen 15.30 Uhr in Reykjavik landen. Von dort geht es allerdings nicht gleich zu ihren Gasteltern, sondern erst einmal zu einem Einführungscamp, veranstaltet von der Organisation, mit der sie den Austausch realisiert.

„Die machen das super, ich habe mich von Anfang an gut aufgehoben gefühlt", kann Lenja Buxel bislang nur Gutes berichten. Auch in Deutschland hat es bereits einige Vorbereitungsseminare gegeben.

Anfang nächster Woche kommt dann der große Moment, wenn Lenja Buxel zum ersten Mal ihre Gastfamilie trifft: Vater Einar, Mutter Iris und die Kinder Irena und Georg. Längst hat sie Kontakt mit ihnen übers Internet, „die sind total nett, ich freue mich sehr, dass ich das Jahr bei ihnen verbringen darf".

Wohnen wird sie in der 3000-Einwohner-Gemeinde Álftanes unweit von Reykjavik, zur Schule geht sie im Nachbarort Garöabær. Eine Herausforderung für jemanden, der die Sprache nicht spricht. „Das haben Freunde von mir auch gesagt", erzählt Lenja Buxel, bleibt selbst aber erstaunlich gelassen. „Andere haben das auch hinbekommen. Und in Fächern wie Sport, Kunst oder Englisch gibt es das Problem ja nicht."

Und der lange Winter? Die eisigen Temperaturen, der Regen, der Wind? Überhaupt nicht abschreckend für Lenja Buxel. Im Gegenteil: „Ich finde eher unsere Sommer anstrengend." Kühles Wetter dagegen mag sie gern, den Herbst findet sie toll, Schnee auch, Regen findet sie okay. Beste Voraussetzungen also für einen Island-Austausch.

„Ich war noch nie so lange von zu Hause weg"

Aber wie packt man für ein ganzes Jahr? „Keine Ahnung", lacht die 16-Jährige. Ihre Schwester habe es mit Thailand leicht gehabt, ein paar Shorts und T-Shirts, fertig. Für einen nahenden Winter auf Island wohl etwas wenig. Da müssen schon Winterschuhe, dicke Jacken, Pullis, Rollis, Mützen und Schals mit in den Koffer.

Ein Traum könnte wahr werden: Einmal auf Island auf einem echten Islandpony reiten – das wünscht sich Lenja Buxel. Reiten kann sie jedenfalls. - © Verwendung weltweit
Ein Traum könnte wahr werden: Einmal auf Island auf einem echten Islandpony reiten – das wünscht sich Lenja Buxel. Reiten kann sie jedenfalls. (© Verwendung weltweit)

Ob sie Heimweh bekommen wird im langen isländischen Winter? „Ich hoffe nicht. Ich war noch nie so lange von zu Hause weg, ich weiß es also nicht." Aber dann habe sie ja ihre Gastfamilie und hoffentlich neue Freunde, die sie trösten würden. Oder vielleicht mit ihr einen Ausflug in die Großstadt Reykjavik unternehmen. „Na ja, Großstadt", relativiert die Wertheranerin augenzwinkernd. Ganz Island habe ja gerade einmal so viele Einwohner wie Bielefeld?...

Jetzt freut sie sich erst einmal, dass es nach der langen Zeit des Wartens und der Vorbereitung – nicht umsonst hat sie in den letzten Wochen im Rewe-Markt gejobbt, um sich den Austausch finanziell leisten zu können – endlich losgeht. Die isländische Tastatur hat sie auf ihr Handy geladen, die Nummern ihrer Gasteltern und Gastgeschwister sind fest eingespeichert, das Flugticket liegt bereit. Lenja Buxel verabschiedet sich bis zum 10. Juni 2018 von Werther. „Sjámst", sagt sie: „Bis bald."

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