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„Niemand hat hier ein Windrad vermisst“

Verein Lebensraum Häger informiert

Detlef Hans Serowy

So entstehen Kolosse: Die Menschen in Häger fürchten sich vor einem gewaltigen Windrad, wie es im Sommer in Rotenhagen errichtet wurde. Hier ist die Montage der Rotorblätter zu sehen. - © Foto: Anja Hanneforth
So entstehen Kolosse: Die Menschen in Häger fürchten sich vor einem gewaltigen Windrad, wie es im Sommer in Rotenhagen errichtet wurde. Hier ist die Montage der Rotorblätter zu sehen. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther-Häger. Ein Windrad unter 200 Meter Höhe und mit weniger als drei Megawatt Leistung lohnt sich wirtschaftlich nicht und 2017 sinken die Einspeisevergütungen für neue Windräder deutlich. Der Investor für ein zweites Windrad in Häger will deshalb wohl noch in diesem Jahr eine Baugenehmigung durchsetzen und viele Einwohner von Häger lehnen weitere Windräder in ihrem Ortsteil kategorisch ab.

Diese Eckpunkte waren am Dienstagabend beim Infoabend des Vereins Lebensraum Häger e. V. schnell zusammengetragen. Die anschließende Diskussion drehte sich darum, ob und wie sich das neue Windrad verhindern lässt. Einfach wird das nicht, wurde nach den Ausführungen von Rainer Schütz (SPD) deutlich.

Der Vorsitzende des Planungsausschusses entwarf vor rund 50 Interessierten in der Gaststätte Weinhorst ein komplexes Szenario. „Wir treffen uns am kommenden Dienstag zu einer Sondersitzung des Planungs- und Bauausschusses. Dort könnten wir beschließen, beim Kreis Gütersloh die Rückstellung des Bauantrages für das neue Windrad zu beantragen."

Kommentar

Zweites Windrad in Häger - Gewagtes Spiel

• Auf Verhinderungsplanungen reagieren Verwaltungsgerichte erfahrungsgemäß allergisch. Wenn Verwaltungen und Stadträte auf einen ungeliebten Bauantrag mit hektischen Veränderungen am Bebauungsplan reagieren, dann steht die Möglichkeit einer Verhinderungsplanung im Raum.
• Beim geplanten Windrad in Häger liegt der Fall klar auf der Hand. Verwaltung und Rat wollen auf Zeit spielen, den alten Bebauungsplan aufheben und einen neuen aufstellen. Der würde Höhenbeschränkungen für neue Windräder vorsehen, die den Standort Häger unwirtschaftlich machten.
Bebauungspläne sind ihrem Sinn nach keine Abwehrinstrumente gegen missliebige Vorhaben. Sie werden aber immer wieder mit Erfolg so eingesetzt. Wenn sich ein finanziell potenter Investor durch die Planung um seinen möglichen Gewinn gebracht sieht, dann könnte er mit Aussicht auf Erfolg klagen. Ein gewagtes Spiel für die Stadt.

So lasse sich das Vorhaben bis zu zwölf Monate aufschieben, führte Schütz in die Feinheiten des Planungsrechts ein. „Damit würde das Ziel des Investors, bis zum 31. Dezember eine Baugenehmigung zu erhalten, in weite Ferne rücken. Verhindert wäre das Windrad damit noch lange nicht.

Verwaltung und Rat müssten die Zeit nutzen, den aktuellen Bebauungsplan aufzuheben und einen neuen Bebauungsplan mit größerer Fläche aufzustellen, so Rainer Schütz. In diesem Plan könnte dann für den neuen Standort eine Höhenbeschränkung festgesetzt werden. „Diese Beschränkung macht das Vorhaben womöglich wirtschaftlich uninteressant."

Aufhebung der Vorrangfläche macht das erst möglich

Dieser komplizierte Plan mit ungewissem Ausgang löste unter den Windradkritikern keine Begeisterung aus. In den Wortbeiträgen machte sich stattdessen viel Frust und Ärger Luft. „Der Rat hat die Vorrangfläche für Windräder aufgehoben und damit das Surmann-Windrad und die neue Planung erst möglich gemacht", kritisierte Stephan Ellersiek, der als Anlieger gegen das Surmann-Windrad klagt.

„Wofür brauchen wir überhaupt Windräder, in Bielefeld und bei Surmann steht das Rad doch ganz oft", warf eine empörte Bürgerin ein. „Es ist laut, es stört", klagte eine Anliegerin des Surmann-Windrades. Das bestätigte auch Stephan Ellersiek, der eine Lautstärke von 45 Dezibel ermittelt hatte.

Für eine sachliche und faire Diskussion warb immer wieder Peter Althoff. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft", betonte der Vorsitzende des Vereins Lebensraum Häger e. V. Es müsse am geplanten Standort aber eine deutliche Höhenbegrenzung geben. Althoff verwies auf Bayern, wo der Mindestabstand zur Bebauung beim Zehnfachen der Gesamthöhe des Windrades liege.

Uwe Gehring (UWG) kritisierte die Aufhebung der Vorrangfläche ebenfalls und sagte: „Niemand hat hier vorher ein Windrad vermisst." Er sei auf den Ausgang der Sitzung am kommenden Dienstag sehr gespannt. „Rudern die Mehrheiten jetzt zurück?", fragte Gehring.

Am Dienstagabend hatte es den Anschein. Sowohl Rainer Schütz als auch Andreas Fillers (CDU) signalisierten Zustimmung für den Beschlussvorschlag von Bürgermeisterin Marion Weike. Damit könnte der Druck aus der Angelegenheit genommen werden. „Wir gewinnen Zeit, das Planungsrecht ordentlich anzuwenden", so Rainer Schütz.

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