Innovationen sind gefragt

Poppe + Potthoff setzen auf Innovationen

Detlef Hans Serowy

Gute Laune: Über die Zukunftsaussichten des Unternehmens Poppe + Potthoff angesichts der digitalen industriellen Revolution freuen sich – von links: Konrad Fischer (Kaufmännischer Geschäftsführer), Bengt-Henning Mass (Technischer Geschäftsführer) und Dr. Christian Potthoff-Sewing (Geschäftsführer und Hauptgesellschafter). Die Autofrettage-Maschine im Hintergrund ist ein Eigenbau. Mit bis zu 1?000 Bar Druck behandelt sie verformte Stahlrohre, um ihnen Dauerfestigkeit zu verleihen. Das Unternehmen arbeitet daran, möglichst allen analogen Maschinen einen digitalen Überbau zu verschaffen. - © Foto: Detlef Hans Serowy
Gute Laune: Über die Zukunftsaussichten des Unternehmens Poppe + Potthoff angesichts der digitalen industriellen Revolution freuen sich – von links: Konrad Fischer (Kaufmännischer Geschäftsführer), Bengt-Henning Mass (Technischer Geschäftsführer) und Dr. Christian Potthoff-Sewing (Geschäftsführer und Hauptgesellschafter). Die Autofrettage-Maschine im Hintergrund ist ein Eigenbau. Mit bis zu 1?000 Bar Druck behandelt sie verformte Stahlrohre, um ihnen Dauerfestigkeit zu verleihen. Das Unternehmen arbeitet daran, möglichst allen analogen Maschinen einen digitalen Überbau zu verschaffen. (© Foto: Detlef Hans Serowy)

Werther. „Deutsche machen alte Technologien immer besser, Amerikaner verlieren die Lust daran und entwickeln etwas völlig Neues", erklärt Dr. Christian Potthoff-Sewing und lächelt. Die Philosophie seiner Firma zeigt, welche Methode er für richtig hält. Attraktive Nischen besetzen und behaupten – mit diesem Konzept ist die Poppe+Potthoff-Präzisionsstahlrohre GmbH aus Werther erfolgreich.

Damit das so bleibt, setzen der Geschäftsführer und Hauptgesellschafter und sein Team auf permanente Innovation. „Wir verwenden viele ältere Maschinen, weil sich am Prinzip der Rohrherstellung seit 50 bis 60 Jahren nichts geändert hat“, erklärt Bengt-Henning Mass. Bislang werden die Maschinen für jeden Auftrag grob voreingestellt und anschließend per Hand nachjustiert, so der technische Geschäftsführer. „Wir schneiden ein Stück fertiges Rohr ab und messen nach, ob die Werte stimmen“, erklärt Christian Potthoff-Sewing den Ablauf.

Das könnte bald anders sein, denn Poppe+Potthoff führt gerade in Werther mit der Fraunhofer Gesellschaft ein Pilotprojekt durch. „Wir nehmen eine analoge Maschine und setzen einen digitalen Überbau darauf“, fasst der kaufmännische Geschäftsführer Konrad Fischer das anspruchsvolle Vor- haben zusammen.

"Wir werden schneller, flexibler und produktiver"

Läuft alles nach Plan, dann verfügt die Maschine künftig über eine digitale Messtechnik und ist ständig mit einem Computer vernetzt. „Bei laufender Fertigung die Eigenschaften des Rohrs messen und die Maschine nachstellen können“, beschreibt Christian Potthoff-Sewing das Projektziel.

Für P+P würde damit die »Rohrfertigung 4.0« beginnen. „Wir werden schneller, flexibler und produktiver, der Ausschuss wird verringert“, sagt Bengt-Hennig Mass. Sein Chef blickt in die Zukunft: „Schritt für Schritt würden wir dann alle unsere Maschinen digital aufrüsten.“

Für einen Nischenhersteller, der auch mal nur 500 bis 1000 Meter Spezialrohr liefert, sind Rüstzeiten an den Maschinen ein wichtiger Kostenfaktor. „Unsere Leute machen das aus ihrer Erfahrung heraus“, beschreibt Christian Potthoff-Sewing den aktuellen Stand.

Diese Erfahrungen sollen in den Computer wandern, denn bald könnte die Voreinstellung aus einer Datenbank gesteuert werden. Die Präzision darf dabei nicht leiden, denn der Kundenanspruch ist hoch. „Unsere Fertigungstoleranz liegt bei unter 0,5 Millimetern auf 1000 Millimetern Rohrlänge“, so Bengt-Hennig Maas.

Die Knochenjobs fallen durch Automatisierung bald weg

„Das präzise Fertigen von Rohren wird es ohne Mitarbeiter nicht geben“, stellt Christian Potthoff-Sewing klar. Künftig werde es aber immer weniger einfache Tätigkeiten wie beim Verziehen der angelieferten Rohre geben. Eine erste Maschine für das »Vereinzeln« der angelieferten Rohrbündel ist bereits bestellt.

„Wir setzen auf Qualitätsaufgaben, die Knochenjobs falle durch Automatisierung weg“, erläutert der Chef des Familienunternehmens in vierter Generation die künftige Beschäftigungslage. Für die Arbeitsplätze der Zukunft beschafft P+P aktuell eine zweite „spannende Großanlage“.

„Wir bekommen eine vollautomatische Rohrsäge, die Rohrenden mit ausgeklügelter Technik von Metallspänen und scharfen Kanten befreit“, so Bengt-Henning Maas. 99 Prozent der Späne wären anschließend abgesaugt und abgebürstet, der Rest verschwindet in einem zweiten Schritt.

„Es war sehr komplex, das Lastenheft zur Bestellung dieser Maschine zu schreiben“, so Maas. Neue Wege geht P+P auch bei den Produkten. „Wir sind Spezialist für nahtlose Rohre und liefern jetzt auch geschweißte und nachgezogene Rohre“, erklärt Konrad Fischer das Konzept.

Permanente Innovation kann auch bedeuten, bewährte Produkte für eine neue Anwendung zu nutzen. P+P-Rohre für Common-Rail-Dieselmotore erwiesen sich als bestens geeignet für die Treibstoffe Biogas und Erdgas und Wasserstoff. „Wir haben als neues Projekt ein Druckleitungssystem für Wasserstoff-Brennstoffzellen“, erklärt Christian Potthoff-Sewing. Wasserstoff als Energieträger ist altbekannt. Er könnte mit der Brennstoffzelle aber groß rauskommen und passt zur P+P-Philosophie: alte Technologien immer besser machen.

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