Die Kosten für den Bauhof steigen

Tasja Klusmeyer

Zeit der Baufahrzeuge und Handwerker: Die technischen Gewerke haben ihre Arbeit in der neuen Werkstatthalle mit vorgelagertem Verwaltungstrakt aufgenommen. - © Tasja Klusmeyer, HK
Zeit der Baufahrzeuge und Handwerker: Die technischen Gewerke haben ihre Arbeit in der neuen Werkstatthalle mit vorgelagertem Verwaltungstrakt aufgenommen. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Es ist der Horror eines jeden Bauherren: Die Kosten steigen, der Baufortschritt stockt. Und so ist es verständlich, dass die Gesichter im Sitzungssaal am Dienstagabend nicht wirklich glücklich aussahen, als Architekt Mirko Moch im Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss zur Großbaustelle Bauhof informierte. In einer langen, für den Laien zunächst etwas unübersichtlichen Kostenaufstellung stach eine schwarze Zahl ins Auge: 2,77 Millionen Euro. Diese Summe wird der Neubau nach aktuellem Stand kosten. Damit ist das Budget inzwischen um fast 400 000 Euro überschritten. Zeitlich läuft es ebenso anders als geplant.

Ursprünglich hatte die Stadt mit 2,4 Millionen Euro gerechnet; Inbetriebnahme der Werkstatthalle (Bauabschnitt eins) war für Ende 2017 angestrebt worden. Schon im frühen Verlauf war klar, dass beide Ziele so nicht zu erreichen sein würden. Steigende Preise und volle Auftragsbücher sowie Unwägbarkeiten wie belasteter Boden oder die schwierige Entwässerung des Geländes führten dazu, dass Kosten- und Zeitrahmen bereits im Herbst etwas aus den Fugen gerieten. Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt. Zuletzt spielte dann auch das Wetter nicht mit.

Aktueller Stand ist, dass die neue Werkstatthalle Ende März in Teilen benutzt werden kann. Die vollständige Inbetriebnahme ist für Mai/Juni geplant. Im Bauabschnitt zwei entsteht dann im Industriegelände eine neue Fahrzeughalle, die im Herbst gebaut sein soll. Damit wäre das Großprojekt nach etwa 16 Monaten vollendet.

„Die Kernbotschaft ist die, dass wir deutlich über dem Budget liegen", stellte CDU-Fraktionsvorsitzender Ulrich Wesolowski nach Blick auf die Zahlen am Dienstagabend ernüchtert fest, um dann die entscheidende Frage zu stellen:. „Wird’s denn dabei bleiben?" Architekt Mirko Moch konnte die Ausschussmitglieder immerhin besänftigen. Der Großteil der Gewerke mit einem Volumen von 2,3 Millionen Euro sei inzwischen vergeben. Für die noch ausstehenden Aufträge erwarte er „keine großen Schwankungen".

Zusätzlicher Unterstand

Eine Garantie aber gibt es nicht. Ebenso nicht dafür, ob in Abschnitt zwei nicht noch irgendwelche Überraschungen im Boden oder sonst wo lauern. Insgesamt sei es zurzeit in der Branche schwierig, so Moch. „Der Markt ist voll, die Preise sind entsprechend." Von zehn bis 15 angeschriebenen Betrieben pro Gewerk bekäme man „mit Glück" drei oder vier Angebote zurück. Und die lägen dann eben oft höher als die solide kalkulierten Preise. Die zeitliche Verfügbarkeit ist ebenso nicht immer gegeben. Damit geht es der Stadt nicht anders als vielen privaten Bauherren in einem schwierigen Marktumfeld.

Die Stadt wird also mehr Geld als geplant für den Bauhof-Neubau berappen müssen. Ihre Liquidität lässt das zurzeit zu. Und so stand der Haupt- und Finanzausschuss auch dem Rückbau einer weiteren, kleineren Halle auf dem Gelände und der Errichtung eines neuen Fahrzeugunterstandes an der Stelle positiv gegenüber. Die Entscheidung darüber hatte man aus Kostengründen bisher zurückgestellt. Nun soll sie im Stadtrat am 1. März getroffen werden. 40 000 Euro würde das in etwa zusätzlich kosten, die Betriebsabläufe aber optimieren.

„Wir geben 2,7 Millionen Euro aus, da sollte dort kein Störkörper stehen", so Ulrich Wesolowski. Auch Wolfgang Beuge von den Grünen forderte, Farbe zu bekennen, und das „Herumeiere" zu beenden. Für eine Entscheidung im Sinne der Arbeitsbedingungen plädierte auch der parteilose Ratsherr Horst Hardiek. „Wir bauen schließlich nicht alle zehn Jahre einen neuen Bauhof."

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