Erster Poetry Slam in der Versmolder Stadtbibliothek

Auftakt des Versmolder Lesefrühlings: Die rund 50 Besucher erlebten in der Stadtbibliothek ein Feuerwerk der Worte und Emotionen: witzig, nachdenklich, zu Tränen berührend

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Sieger des Abends: Kolja Fach zeigte sich klug und einfallsreich. Ein wahrer Sprachakrobat. - © Marion Bulla
Sieger des Abends: Kolja Fach zeigte sich klug und einfallsreich. Ein wahrer Sprachakrobat. (© Marion Bulla)

Versmold (mari). Einer großen Bühne bedarf es nicht zwingend, um in den Genuss eines Poetry Slams zu kommen. Die Stadtbibliothek Versmold bietet zur Premiere genau den richtigen Rahmen für die sieben Slammer Kolja Fach, Celine Wegert, dem Vater-Sohn-Duo Michel und Gabriel Pauwels als »Team Rex«, David Neite, Sophie Malecha und Emily Lüpken.

Selbst geschriebene Texte, keine Hilfsmittel, in einer bestimmten Zeit vorgetragen – das sind die Vorgaben an die Slammer. Eine zufällig ausgewählte Publikumsjury entscheidet anschließend über das Weiterkommen in die nächste Runde. Mit viel Witz, Spontaneität und jeder Menge Entertainerqualitäten führen die beiden Moderatoren Niko Sioulis und Jonas Helmich von der »Slam GT on Tour« durch den Abend.

Den Auftakt macht Slam-Poet und Blogger David Neite. Das junge Sprachgenie beschreibt überaus witzig seine Erfahrungen in der Berufsschule und schwört dabei, alles sei wahr, was er erzähle. Witzig und kurzweilig befinden die Zuschauer.

Begabte Slamer: Kolja Fach (von links), Celine Wegert, Jonas Helmich, Michel und Gabriel Pauwels, David Neite, Sophie Malecha, Niko Sioulos, Emily Lüpken begeisterten beim Poetry-Slam mit einem Feuerwerk der Worte und Emotionen. - © Marion Bulla
Begabte Slamer: Kolja Fach (von links), Celine Wegert, Jonas Helmich, Michel und Gabriel Pauwels, David Neite, Sophie Malecha, Niko Sioulos, Emily Lüpken begeisterten beim Poetry-Slam mit einem Feuerwerk der Worte und Emotionen. (© Marion Bulla)

Nicht in die zweite Runde gekommen ist Celine Wegert. Ihr Text lautet »Dunkelbraune Augen«. Mit leisen Worte berichtet sie von ihrer Oma, die an Alzheimer erkrankt ist. Es ist ein ganz besonders persönlicher Vortrag, der die Besucher zu Tränen rührt.

Sophie Malechas Thema ist die Kunst. „Kunst ist die Muse selbst und zeigt ihr wahres Gesicht auch in düsteren Stunden", sagt sie. Es sind nachdenkliche Texte, die von der brotlosen Kunst und der Frage »Ist auch Kuchen genug für mich dabei?« erzählen. Ausreichend fürs Weiterkommen ist ihre Darbietung an dem Abend aber nicht.

Das Vater-Sohn-Duo Michel und Gabriel Pauwels harmoniert in besonderer Weise miteinander und zeigt, wie das Slammen richtig funktioniert. Es liefert sich ein schnelles, urkomisches Wortgefecht. Das sprachbegabte Duo avanciert neben Kolja Fach zum absoluten Publikumsliebling.

Emily Lüpken nutzt die Gelegenheit, sich als Versmolder Gastdichterin auf der Bühne zu beweisen und schafft es mit ihren Texten bei den Zuschauern in die zweite Runde. Die CJD-Gymnasiastin hält eine liebevolle Hommage an ihre Mutter. Die ist an diesem Abend anwesend und völlig überrascht von den ihr bis dato unbekannten Texten. Ein bewegender und mutiger Auftritt.

Im Finale stehen am Ende das »Team Rex« und Kolja Fach. Schließlich überzeugt Fach mit seiner Beschreibung über eine außergewöhnliche E-Mail. Es geht um einen Kumpel, einen Lehrer, der nach einem Elternabend aus dem Fenster springt, weil er die Eltern nicht mehr ertragen kann. Jetzt ist er im Sabbatical und berichtet über erste kühne Erfahrungen im Fitnessstudio sowie die Begegnung mit dem sächselnden Personaltrainer Rüdiger. Auch der wahnwitzige Verlauf der Betreuung eines ihm anvertrauten Chihuahua-Weibchens namens Trixi amüsiert die Zuhörer bestens. Das Publikum ist begeistert ebenso wie die Jury, die Kolja Fach zum Sieger des Abends kürt.

„Ich fand es amüsant und lustig. Es waren interessante Themen, über die man nachdenken kann", lobt Besucher André Simon das Konzept. Dem kann sich Hanna Stickan nur anschließen. „Es war gut, nachdenklich, melancholisch, aber auch lustig", so das Fazit der Versmolderin.

Der Auftakt in den Lesefrühling war einmal anders, keine klassische Lesung – aber gut. Die Veranstalter sind zufrieden und kündigen eine Fortsetzung mit den wortgewaltigen Slammern bei einer ihrer nächsten Programmreihen an.

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