Studentin enthüllt Strategien der Salafisten

Rita Sprick

Spannendes Thema: Die Studentin der Orientwissenschaften, Lisa Brameier, hält einen Vortrag über die deutschsprachige salafistische Propaganda im Internet. - © Foto: Rita Sprick
Spannendes Thema: Die Studentin der Orientwissenschaften, Lisa Brameier, hält einen Vortrag über die deutschsprachige salafistische Propaganda im Internet. (© Foto: Rita Sprick)

Versmold. „Ich war sicher schon im Visier vom Verfassungsschutz. Und ich habe meine Mutter schon vor einer Hausdurchsuchung gewarnt. Aber ich denke, bei meinen unterschiedlichen Nachforschungen im Internet haben die Bundesbeamten bestimmt schnell aufgegeben", sagt Lisa Brameier mit einem Augenzwinkern. Dabei könnten die Verfassungsschützer die Nachforschungen der jungen Versmolderin anfangs absolut als brisant eingestuft haben. Die 26-Jährige war nämlich für ihre Bachelorarbeit »Das Prinzip Purifizierung und Erziehung: Deutschsprachige salafistische Propaganda im Internet« häufig im Netz auf entsprechenden Seiten unterwegs.

Über ihre Nachforschungen informiert sie heute von 19 Uhr an im Gemeindehaus neben der Petri-Kirche. Die Veranstalter vom DRK-Ortsverein und vom ökumenischen Unterstützerkreis Asyl laden zu dem Vortrag alle Interessierten ein.

Orientwissenschaften in Marburg studiert und Arabisch gelernt

Politisches Engagement und Meinungsbildung wurden Lisa Brameier schon bei der Geburt im September 1991 in die Wiege gelegt. Schließlich ist ihre Großmutter Magret Brameier eine überzeugte Sozialdemokratin, und auch im Elternhaus war Politik immer ein Gesprächsthema. Lisa Bramaier besuchte den Kindergarten Gartenstraße, wurde in die Grundschule »Bunte Schule« eingeschult, wechselte zur CJD-Realschule und danach zur Gesamtschule in Borgholzhausen. Dort machte sie im Jahr 2011 schließlich auch ihr Abitur.

„Der Besuch der Leipziger Buchmesse war ein einschneidendes Ereignis für meinen weiteren Lebensweg", erinnert sich die 26-Jährige. Dort entdeckte sie die Autobiografie von Jehan Sadat, der Ehefrau des einstigen, 1981 ermordeten Präsidenten von Ägypten Anwar El Sadat.

„Eigentlich wollte ich Dolmetscherin für Deutsch/Arabisch werden", sagt Lisa Brameier. Aber inspiriert vom Leben der emanzipierten Mohammedanerin Sadat und beeindruckt von der Revolution, dem   Arabischen Frühling, beschloss sie, Orientwissenschaften an der Philipp-Universität in Marburg zu studieren mit dem Schwerpunkt Politik- und Islamwissenschaft. Zwischendurch arbeitete sie, um Geld zu verdienen. Zudem lernte sie die arabische Sprache in Wort und Schrift.

Missionierung im Netz erreicht vor allem junge Leute

„Als es um die Bachelorarbeit ging, bin ich beim Extremismus hängengeblieben", sagt die gebürtige Versmolderin, die besonders die Denkweise von Extremisten sowie Salafisten verstehen wollte und sich für die Radikalisierung von deutschen Jugendlichen interessierte. „Der Schriftsteller Ahmed Mansour meint, dass die Salafisten Flüchtlinge besser betreuen als Sozialarbeiter", zitiert Lisa Brameier aus einem Buch des Psychologen, und  sie fügt hinzu: „Die Salafisten holen  Jugendliche da ab, wo sie stehen. Die jungen Leute werden wertgeschätzt und ihnen wird eingeredet, dass sie zur Elite gehören können."

Wie Salafisten im Netz missionieren, wie sie mit ihrer Propaganda besonders Jugendliche für die konservative Ausprägung des Islam gewinnen und welche Rolle Frauen spielen, auch darauf wird die Referentin in ihrem Vortrag eingehen. Sie wird außerdem verschiedene Strömungen des Salafismus beleuchten. Lisa Brameier, die nun das Masterstudium in Orientwissenschaft anstrebt, hat außerdem ein offenes Ohr für Fragen der Besucher.

Copyright © Haller Kreisblatt 2017
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

2 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

captcha