IGEV-Chef Jürgen Kleine: „Das Stadtfestival fällt nicht vom Himmel“

Kerstin Spieker

Gute Stimmung beim Stadtfestival in Versmold in diesem Jahr. - © Tasja Klusmeyer, HK
Gute Stimmung beim Stadtfestival in Versmold in diesem Jahr. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. IGEV-Chef Jürgen Kleine spricht über seine kritischen Worte anlässlich der Eröffnung des 30. Stadtfestivals. Er nimmt sie nicht zurück, erklärt aber, wie er sie gemeint hat und an wen sie gerichtet sind.

Herr Kleine, nach dem Stand der Planung wird es ein 31. Stadtfestival im August 2018 geben. Sie haben in Ihrer Eröffnungsansprache für das 30. Stadtfest vor knapp drei Wochen deutlich gemacht, dass das durchaus nicht selbstverständlich ist. Thema ihrer kritischen Worte war das Sponsorenverhalten. Wie viel Geld haben Sie denn gegenwärtig für die Organisation des nächsten Stadtfestivals in Händen?

Jürgen Kleine: Noch gar nichts. Das ist aber normal. Ein Teil des Programms für das kommende Jahr steht jetzt bereits. Man muss Künstler ja teilweise lange im Vorfeld buchen. Wie hoch unser Budget aber tatsächlich ist, wissen wir erst, wenn im April und Mai die Sponsorengelder nach und nach eingehen.

Und das ist in jedem Jahr so?

IGEV-Vorsitzender Jürgen Kleine im Interview um Stadtfestsponsoring. - © Kerstin Spieker, HK
IGEV-Vorsitzender Jürgen Kleine im Interview um Stadtfestsponsoring. (© Kerstin Spieker, HK)

Kleine: Ja, das ist völlig normal. In diesem Jahr haben wir allerdings die Schwierigkeit, dass wir als IGEV neben dem Stadtfestival auch federführend an der Installation der mobilen Eisbahn während der Adventszeit auf dem Rasenplatz vor der Petri-Kirche beteiligt sind. Wir mussten also im Prinzip zeitgleich um Sponsoren für zwei schwergewichtige Veranstaltungen werben. Die meisten Firmen haben aber nur eine bestimmte Menge Geld, die sie für die Unterstützung solcher Projekte ausgeben. Und diesen Betrag können sie nur einmal ausgeben. Das machte unsere Situation hinsichtlich der Finanzierung nicht leichter.

Gut, das kann man aber den Geldgebern ja nun nicht vorwerfen. Worauf zielte also Ihre Kritik?

Kleine: Die Hauptlast der Kosten für das Stadtfestival tragen sechs oder sieben große Geldgeber. Ich würde mir wünschen, dass sich auch mehr kleine Gewerbetreibende, Dienstleister und auch der Handel einbringen. Denn letztlich machen wir die Veranstaltung in erster Linie für sie, für den Standort Versmold, für die Belebung der Innenstadt.

Vielleicht können viele kleinere Gewerbetreibende sich die Unterstützung gar nicht leisten?

Kleine: Wir freuen uns auch über kleine Beträge. Wenn 100 Betriebe jeweils 50 Euro geben, dann kommt auch etwas zusammen.

Warum, glauben Sie, fehlt es an dieser Art der Unterstützung?

Kleine: Weil viele vermutlich annehmen, dass das Stadtfestival eine Veranstaltung der Stadt Versmold ist. Natürlich leistet die Stadt ihren Beitrag und ist uns ein zuverlässiger Partner. Aber die Verantwortung trägt die IGEV als Veranstalter. Das wissen viele gar nicht.

Was bedeutet das?

Kleine: Die IGEV, das ist die Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden in Versmold, ist ein eingetragener Verein. Wir, die wir darin ein Amt übernommen haben, arbeiten ehrenamtlich. Ganz abgesehen von der rechtlichen Verantwortung, die natürlich beim Vorstand liegt. Wenn wir unsere langjährigen treuen Unterstützer in der Versmolder Wirtschaft nicht hätten, könnten wir gar nichts machen. Dann gäbe es das Stadtfestival nicht mehr.

Ihre im Rahmen der Eröffnung geäußerten kritischen Töne waren also eine Art Warnschuss?

Kleine: Ich wollte deutlich machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, ein solches Festival in einer Stadt von der Größe Versmolds feiern zu können. Ohne die Kontakte, die Stadtfestorganisator Reiner Stodieck zu den Künstlern und ihren Managements unterhält, wäre das vermutlich überhaupt nicht möglich. Wir wissen natürlich, dass wir nicht den Geschmack von 99,9 Prozent aller Besucher treffen können. Aber wir sind uns sicher, qualitativ gut aufgestellt zu sein. 1800 Künstler haben sich allein für 2017 darum beworben, hier auftreten zu dürfen. Wir haben einen guten Ruf.

Es gab Kritik an Ihren offenen Worten über die Probleme im Sponsoring. Würden Sie sich noch einmal so äußern, wie Sie es getan haben?

Kleine: Ich bin ein Mann der offenen und deutlichen Worte. Allerdings habe ich damit offensichtlich gerade die Menschen verunsichert, die ohnehin einen guten Job machen und die ich gar nicht meinte. Das war so nicht von mir beabsichtigt. Vielleicht würde ich, wenn ich noch einmal entscheiden könnte, einen anderen Rahmen wählen. Aber grundsätzlich gesagt werden musste mal, dass ein Stadtfestival, wie es in Versmold Jahr für Jahr über die Bühne geht, nicht vom Himmel fällt.

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