Versicherungsstreit um Arbeitsunfähigkeit eskaliert

Kerstin Spieker

Gibt nicht auf: Ex-Abteilungsleiter Johannes Diekriede - © Foto: Kerstin Spieker
Gibt nicht auf: Ex-Abteilungsleiter Johannes Diekriede (© Foto: Kerstin Spieker)

Versmold. Die letzte Chance auf einen Vergleich zwischen der Athene Lebensversicherung und dem Versmolder Johannes Diekriede ist verstrichen. „Jetzt muss das Gericht entscheiden“, sagte Johannes Diekriede dem HK. Damit habe er eigentlich nie gerechnet.

Dabei schien für Johannes Diekriede die Rechtslage klar: Im Alter von 59 Jahren erkrankt er im Oktober 2014 an einer schweren Depression. Bis dahin war er Leiter der Rohwurstabteilung beim Fleischwarenhersteller Wiltmann. Diekriede macht eine Reha. Im Abschlussbericht stuft das behandelnde Spezialistenteam ihn als dauerhaft arbeitsunfähig ein. Empfiehlt, von weiteren Wiedereingliederungsmaßnahmen in das Berufsleben Abstand zu nehmen. Die Bundesversicherungsanstalt folgt der Empfehlung. Johannes Diekriede wird Frührentner.

Anders sieht sein privater Arbeitsunfähigkeitsversicherer die Sache. Per Gesetz ist er nicht an das Gutachten der Reha-Einrichtung gebunden. Schon vor der Maßnahme hatte er einen eigenen Gutachter eingeschaltet. Und der kommt zu dem Ergebnis, dass Johannes Diekriede bis zu fünf Stunden Arbeit am Tag durchaus zuzumuten wären. Auf dieses Untersuchungsergebnis beruft sich die Athene Lebensversicherung bis heute. Im Dezember 2016 kommt es zu einem ersten Termin vor dem Bielefelder Landgericht. Der Versuch, zu einem Vergleich zu kommen, scheitert. Bei einer tatsächlichen Versicherungssumme in Höhe von 116?000 bietet die Athene 50 000 Euro an. Nach Abzug aller bereits angefallenen Kosten und Steuern bliebe Johannes Diekriede noch rund die Hälfte. Er lehnt ab.

Auch der zweite Gerichtstermin endet ohne Ergebnis

Mindestens 71?000 Euro fordert Diekriede über seine Anwältin. Und das im Grunde widerwillig. „Eigentlich ist nicht einzusehen, dass die Versicherung nicht in vollem Umfang zahlt. Aus meiner Sicht ist doch die Rechtslage eindeutig“, so der Versmolder. Ein zweiter Gerichtstermin am 9. Juni verläuft in Bielefeld ebenfalls ergebnislos. Der Richter setzt eine Frist bis zum 30. Juni, binnen derer die Prozessgegner sich noch einigen können.

Zweimal erreicht Diekriedes Anwältin nichts beim Versuch, mit der gegnerischen Kanzlei Kontakt aufzunehmen. „Das kann ich mir gesundheitlich einfach nicht mehr zumuten“, sagte Johannes Diekriede dem Haller Kreisblatt. Nach seinem Dafürhalten sei das Vorgehen der Athene darauf ausgerichtet, ihn „fertig zu machen“. Jetzt müsse eben das Gericht entscheiden. Dass das dauern kann, weiß der Versmolder.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen um einen Vergleich, wird das Gericht demnächst einen Gutachter bestellen. Der hat dann drei Monate Zeit, bis er einen Bericht über den gesundheitlichen Zustand Diekriedes vorlegen muss. Auf dessen Grundlage wird das Gericht ein Urteil fällen. Dass das in diesem Jahr sein wird, damit rechnet keiner der Prozessbeteiligten. Und ob die unterlegene Seite das Urteil dann anerkennen wird, steht in den Sternen.

Seine Anwältin allerdings wird das Ende des komplizierten Prozesses zweifelsfrei nicht mehr an Johannes Diekriedes Seite erleben. Sie verlässt die von ihm beauftragte Kanzlei zum 1. September. Anfallende Anwaltskosten muss der Versmolder allein tragen. Eine Rechtschutzversicherung hat er nämlich nicht. „Bisher hatte ich noch nie eine gerichtliche Auseinandersetzung mit jemandem. Ich dachte, ich brauche keine“, sagt er.

Nie habe er geglaubt, dass ein solcher Verlauf der Angelegenheit überhaupt möglich sei. „Ich muss sagen, dass ich starke Zweifel habe an einem Rechtsstaat, der einem Versicherer die Möglichkeit an die Hand gibt, einen Versicherten so zu behandeln.“ Die Athene Lebensversicherung hatte bereits bei einer ersten Anfrage des Haller Kreisblattes erklärt, sich zu laufenden Rechtsstreitigkeiten grundsätzlich nicht zu äußern.

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