So arbeitet die Stadt Versmold für den Klimaschutz

Tasja Klusmeyer

Ein noch seltenes Bild: E-Fahrzeuge, die an einer Ladesäule wie hier am Rathaus aufgetankt werden, sieht man in Versmold nicht besonders oft. Die Stadtwerke bauen das Netz der Stromtankstellen demnächst aus und hoffen auf steigenden Verbrauch. - © Stadtwerke Versmold
Ein noch seltenes Bild: E-Fahrzeuge, die an einer Ladesäule wie hier am Rathaus aufgetankt werden, sieht man in Versmold nicht besonders oft. Die Stadtwerke bauen das Netz der Stromtankstellen demnächst aus und hoffen auf steigenden Verbrauch. (© Stadtwerke Versmold)

Versmold. Norbert Wichmann, Umweltberater im Versmolder Rathaus, und Jörg Kogelheide, Geschäftsführer der heimischen Stadtwerke GmbH (SWV), berichteten im Ausschuss für Energie, Klima und Umwelt über verschiedene Aspekte des kommunalen Klimaschutzes. Dabei wurde deutlich, dass jeder seinen kleinen Teil zum großen Ganzen beitragen kann und dass das Konzept keinesfalls nach seiner Erstellung in einer Schublade irgendwo im Rathaus verschwunden ist. Hier ein Überblick über Maßnahmen aus der Vergangenheit, aktuelle Projekte und Ideen für die Zukunft. Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen.

Elektromobilität/Erdgas

Drei Elektroautos und ein E-Bike gehören zurzeit zum städtischen Fuhrpark. Bei den Stadtwerken kommt mehr als die Hälfte der Fahrzeuge ohne herkömmlichen Sprit aus. 52 Prozent des Fuhrparks sind auf Erdgas und Strom umgerüstet. Nachgefüllt wird an der betriebseigenen Erdgastankstelle an der Nordfeldstraße beziehungsweise an einer der vier von den SWV betriebenen öffentlichen Ladesäulen. In diesem Bereich wird noch deutlich aufgestockt. Versmold profitiert von einem Förderprogramm des Bundes und wird weitere zwölf Stationen auf Stadtgebiet installieren. Der Zuwendungsbescheid über 84?000 Euro liegt bereits vor. Etwa 120?000 Euro investiert der Energieversorger aus eigenen Mitteln.

Übrigens: Wer ein Elektroauto anschafft, wird von den SWV mit 300 Euro unterstützt. Den Strom gibt es (noch) kostenlos an den Ladesäulen. „Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir Geld verlangen werden“, sagt Jörg Kogelheide und geht – je nach Entwicklung der Verbrauchsmengen – von drei bis vier Jahren aus. Zurzeit ist der Absatz noch überschaubar. Am Rathaus wurden im vergangenen Jahr 627 kWh gezapft. Der Jahresverbrauch an der Nordfeldstraße lag bei 160 kWh.

Energetisches Bauen

Mit der Klimaschutzsiedlung in Bockhorst – der ersten dieser Form auf Versmolder Boden – dokumentiert die Stadt schon im Namen das erklärte Ziel. Häuser können im geplanten Neubaugebiet nur nach strengen energetischen Vorschriften entstehen.

Auch bei den eigenen Neubauten hat die Stadt in der Vergangenheit „energetisch hohe Standards“ umgesetzt. Als Beispiel nennt Norbert Wichmann den OGS-Trakt an der Sonnenschule und die Sparkassenarena. Stehen Gebäudesanierungen an, erfolgen sie unter energetischen Gesichtspunkten. Pelletheizungen, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Photovoltaikanlagen, Fassadenvollwärmeschutz oder LED-Beleuchtung gehören dazu.

Erneuerbare Energien

Seit 2010 ist der gesamte Haushaltsstrom, den die SWV verkaufen, grün. „Und das ohne Mehrkosten für unsere Kunden“, sagt Jörg Kogelheide. In der Industrie kommen die Stadtwerke nicht ohne konventionellen Strom aus. Durch verschiedene Beteiligungen unterstützt der heimische Versorger aber den Bereich erneuerbare Energien, 20 Prozent halten die SWV am Windpark Gollmitz in Brandenburg. Die fünf Windenergieanlagen produzieren jährlich bis zu 27 Millionen kWh Strom. Bezogen auf den Versmolder Anteil, könnten damit zwischen 1300 und 1500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Jörg Kogelheide ist mit dieser Bilanz zufrieden.

„Deutlich hinter den Erwartungen zurück“ liegt hingegen die noch jüngere Beteiligung (25 Prozent) am bayerischen Windpark Laubersreuth. Die beiden Anlagen dort produzieren etwa zehn Millionen kWh jährlich.

Darüber hinaus gehören die SWV zwei Gesellschaften an, die in erneuerbare Energien unterschiedlicher Bereiche investierten, unter anderem auf regionaler Ebene.

Beratung/Förderung

Teil des Klima- und Umweltschutzmanagements der Stadtwerke ist ein breit angelegtes Förderprogramm. „Klimaschutz ist nicht allein staatliche Aufgabe und benötigt auch viele regionale Akteure“, so die SWV. Als Beitrag zur Nachhaltigkeit unterstützt der Versorger seine Kunden auf vielfältige Weise bei der Minimierung von CO2-Emmissionen. Bezuschusst werden beispielsweise die Umrüstung auf LED oder elektrische Umwälzpumpen, die Anschaffung von thermischen Solaranlagen oder die Umstellung auf Erdgasheizungen. Über einen Onlineshop können zudem energieeffiziente Haushaltsgeräte kostengünstig gekauft werden. Energieberatungen, Gebäudethermographie und die Erstellung von Energieausweisen werden ebenso angeboten.

Auch die Stadt will ihr Dienstleistungsangebot in diesem Bereich ausweiten, unter anderem durch monatliche Termine im Rathaus mit einem unabhängigen Energieberater.

Aktionen

Um eine möglichst breite Öffentlichkeit herzustellen, sind verschiedene Aktionen und Veranstaltungen geplant. Beim Wurstträgermarkt wird die städtische Wirtschaftsförderung die Kampagne »Regional kaufen – Klima schützen« starten. Außerdem plant die Stadt die Teilnahme an der Aktion Stadtradeln, bei der die fahrradfreundlichste Kommune Deutschlands gesucht wird. Dialoge mit der heimischen Wirtschaft sind genauso wichtig wie Umweltbildung in den Schulen und Kindergärten. Im Herbst wird es beispielsweise ein Lerntheater zum Thema für Grundschüler geben.

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