Ein Prunkstück trägt ihre Handschrift

Dr. Ortrud Westheider ist Direktorin vom Museum Barberini

Jan Herrmann

Beeindruckende Bauwerke: In Sichtweite des Potsdamer Doms wurde das Palais Barberini (vorne) originalgetreu wiederaufgebaut. Das Museum wird ein Leuchtturm der deutschen Kunstszene sein. Fotos: Helge Mundt - © Foto: Helge Mundt
Beeindruckende Bauwerke: In Sichtweite des Potsdamer Doms wurde das Palais Barberini (vorne) originalgetreu wiederaufgebaut. Das Museum wird ein Leuchtturm der deutschen Kunstszene sein. Fotos: Helge Mundt (© Foto: Helge Mundt)

Versmold/Potsdam. Ortrud Westheider ist eine gefragte Frau. In diesen Tagen mehr denn je. Kein Wunder: Schließlich ist die gebürtige Versmolderin Direktorin eines Museums, das in einer Woche bereits 24 500 Besucher anzog, obwohl noch kein einziges Bild an den Wänden des prächtigen Barockbaus hängt. Die promovierte Kunsthistorikern ist die Leiterin des Potsdamer Museums Barberini. Sie verantwortet ein Projekt,
das als Leuchtturm in der deutschlandweiten Kunstszene gilt und von Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer, Software-Milliardär und Kunstmäzen, finanziert wird. Wenn es um den Kulturstandort Deutschland geht, haben nicht wenige in diesen Tagen Elbphilharmonie und Museum Barberini in einem Atemzug genannt.

Dr Ortrud Westheider, Direktorin Museum Barberini in Potsdam - © Foto: Helge Mundt
Dr Ortrud Westheider, Direktorin Museum Barberini in Potsdam (© Foto: Helge Mundt)

Zur feierlichen Eröffnung am 20. Januar wird neben Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. Entsprechend engmaschig ist das Sicherheitsnetz, das über der Landeshauptstadt ausgeworfen wird. „Die ganze Nachbarschaft ist abgeriegelt, alles wurde auf Bomben untersucht", sagt Westheider.

Vor der hochkarätig besetzten Eröffnung durchkämmen Spurhunde jeden Winkel des Gebäudes auf der Suche nach Sprengstoff. Aber nicht nur Angela Merkel, auch andere Gäste haben eigene Bodyguards dabei. „Selbst am Abend wird jeder Kellner, bevor das Essen für das Buffet nach oben bringt, freundlich aber bestimmt von ihnen untersucht", so die Kunstexpertin.

Das Gebäude ist ein Nachbau vom gleichnamigen Palais Barberini, den Friedrich II. vor mehr als 250 Jahren erbauen ließ und das am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden ist. Nach der Wiedererrichtung als Museum knüpft das Palais an seine frühere Bestimmung als kulturelles Zentrum an. Plattner hat den Neubau finanziert und wird dem Publikum seine private Kunstsammlung zugänglich machen. Als Direktorin hat er sich die gebürtige Versmolderin an seine Seite geholt.

Ortrud Westheider trat die Stelle im vergangenen Jahr an, nachdem die Leiterin des Hamburger Bucerius-Kunst-Forums an die Havel wechselte. Nun scheint sie am Ziel ihrer beruflichen Träume angekommen zu sein. In der Szene gilt die 52-Jährige als absolute Expertin, wenn es darum geht, ein Museum neu aufzubauen. Die Chemie zwischen ihr und dem Milliardär stimmte von Anfang an.

Zurzeit hat Westheider alle Hände voll zu tun: Neben der Eröffnung werden Marketingkampagnen und weitere Ausstellungen geplant. Dafür ist die Kunstliebhaberin mit Leihgebern auf der ganzen Welt in Kontakt. So hat sie für die Eröffnungsausstellungen »Die Landschaft des Impressionismus« und »Klassiker der Moderne« nicht nur auf die Privatsammlung Plattners zurückgegriffen, sondern auch auf Werke der Eremitage in St. Petersburg, des Rodin-Museums in Paris oder der National Gallery in Washington.

Trotz der internationalen Ausrichtung sind ihr die heimatlichen Wurzeln immer präsent: So wurde die Leidenschaft für die Kunst damals am CJD-Gymnasium von Lehrer und Künstler Johannes Schepp entfacht. Außerdem kehrt ihr Bruder Rolf Westheider, Leiter des Gütersloher Stadtmuseums, wie berichtet als Archivar und Stadthistoriker nach Versmold zurück. „Versmold ist eine wunderbare Heimat", sagt sie.

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