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Etwas Glanz geht verloren

Heimischer Handel im Wandel?

Jan Herrmann

Wird die Räumlichkeiten verlassen: Marion Flethe schließt ihr Schmuckatelier in der Ravensberger Straße und wird sich aus der Innenstadt zurückziehen. Fünf Jahre war sie mit einem Geschäft vor Ort. - © Foto: Jan Herrmann
Wird die Räumlichkeiten verlassen: Marion Flethe schließt ihr Schmuckatelier in der Ravensberger Straße und wird sich aus der Innenstadt zurückziehen. Fünf Jahre war sie mit einem Geschäft vor Ort. (© Foto: Jan Herrmann)

Versmold. Roland Bredow möchte diese Entwicklung nicht überinterpretieren. Für den Schatzmeister der Interessengemeinschaft Einkaufsstadt Versmold (IGEV) ist das alles im Bereich der normalen Marktentwicklung. „Natürlich ist es nicht schön, wenn Geschäfte schließen“, sagt Bredow. „Einen besorgniserregenden Trend kann ich da aber nicht erkennen.“ Aus den punktuellen Schließungen lässt sich für ihn keine Negativentwicklung ableiten, zumal Städte ähnlicher Größenordnung nicht selten in ganz anderer Art und Weise von Leerständen betroffen sind.

Der Anblick häuft sich: In der Innenstadt stehen mehr Läden leer als noch vor einem halben Jahr. Die Parfümerie Schein gehört dazu. - © Foto: Jan Herrmann
Der Anblick häuft sich: In der Innenstadt stehen mehr Läden leer als noch vor einem halben Jahr. Die Parfümerie Schein gehört dazu. (© Foto: Jan Herrmann)

Möglicherweise falle die leichte Häufung gerade etwas mehr ins Auge, weil sich manches um den Jahreswechsel herum vollzieht. Von einer negativen Stimmung innerhalb der Kaufmannschaft kann Bredow nicht berichten, auch wenn das Weihnachtsgeschäft wie berichtet zuletzt längst nicht zur Zufriedenheit aller Geschäfte ausgefallen ist.

Über das Weihnachtsgeschäft kann sich Marion Flethe nicht beklagen. Dennoch schließt die Oesterwegerin ihr Schmuckatelier nach fünf Jahren an der Ravensberger Straße – und folgt damit der Parfümerie Schein und dem Imbiss am Brunnen, wo vor Weihnachten die Lichter ausgegangen waren. „Ich muss die Reißleine ziehen", sagt die 49-Jährige. Trotz durchaus regelmäßiger Kundschaft und einem treuen Stammpublikum gibt sie ihr Geschäft auf – es mangelte einfach an der Masse der Kunden, die nötig gewesen wäre, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten.

Schuhhaus Nollmann macht mittags Pause

„Ich wäre gerne geblieben, aber der Umsatz ist einfach zu gering", sagt die Goldschmiedin offen. Irgendwann habe sie der Realität aber ins Auge sehen müssen. Flethe verkauft handgefertigten Schmuck. Ketten, Ringe, Ohrringe oder Armbänder zieren die Auslage. Häufig übernimmt sie auch Reparaturarbeiten oder verleiht alten Familienerbstücken modernen Glanz. Warum die notwendige Kundenfrequenz nicht erreicht wurde, dafür hat die dreifache Mutter verschiedene Erklärungsansätze.

Flethe hat beobachtet, dass mehr Geschäfte als früher Modeschmuck im Sortiment haben. Außerdem geht der Trend der Kunden offenbar dahin, mehrere günstige Schmuckstücke als wenige hochwertige anzuschaffen. „Vielleicht steht Handarbeit nicht mehr so hoch im Kurs." Ihren Kunden bleibt sie trotzdem treu, da sie ihre Werkstatt wieder – wie früher – ins Oesterweger Wohnhaus verlagert.

Noch an anderen Stellen sind vereinzelte Veränderungen der heimischen Einzelhandelslandschaft zu beobachten: So hat beispielsweise das Schuhhaus Nollmann seit Anfang Januar in der Mittagszeit geschlossen. Wer zwischen 13 und 14.30 Uhr Schuhe kaufen möchte, muss sich etwas gedulden und das Vorhaben verschieben. „Die Verkaufszahlen waren in dieser Zeit nicht die allerhöchsten", sagt Verkäuferin Andrea Serowy. Weil der Großteil der umliegenden Geschäfte in der Mittagszeit pausiert, passt sich das Schuhhaus dieser Entwicklung an. Reduzierte Öffnungszeiten gibt es auch im benachbarten Laden »Bags & More« von Claudia Lepper. Seit Jahresbeginn ist der Mittwochnachmittag nun geschlossen.

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann verfolgt die Veränderungen aufmerksam. Schließlich hat die Stadt die Innenstadtentwicklung zu einem ihrer Hauptanliegen auserkoren. Doch die Bestrebungen in diesem Bereich sind nur dann besonders wirkungsvoll, wenn sie auch von einer gesunden Einzelhandelslandschaft flankiert werden. „Das hängt natürlich zusammen", sagt Meyer-Hermann. Deshalb ist die Stadt bestrebt, die Kooperation mit der IGEV zu intensivieren. Gemeinsame Projekte sollen verstärkt auf der Agenda stehen.

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