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Ein Stück Lebensphilosophie am Plattenspieler

Musik spielt eine große Rolle

Tasja Klusmeyer

Von wegen schnell mal die Playlist durchskippen: Das Auflegen einer Schallplatte bedeutet für viele einen Akt der Entschleunigung im schnelllebigen Musikbusiness, eine besondere Wertschätzung von Musik. Das Magazin »Vinyl Stories«, die Idee eines Versmolders, ist ein Beitrag dazu. - © Foto: Tasja Klusmeyer
Von wegen schnell mal die Playlist durchskippen: Das Auflegen einer Schallplatte bedeutet für viele einen Akt der Entschleunigung im schnelllebigen Musikbusiness, eine besondere Wertschätzung von Musik. Das Magazin »Vinyl Stories«, die Idee eines Versmolders, ist ein Beitrag dazu. (© Foto: Tasja Klusmeyer)

Versmold. Als Kind stöberte er gerne in Papas Plattensammlung. Ein Jäger und Sammler, so der 34-Jährige, sei er aber nie gewesen. Einen Keller voller Schallplattenkisten hat er ebenso nicht. „Mir geht es um die Musik", sagt Guido Neuhaus, um dann doch ein paar Scheiben aus der Tasche zu holen.

Auf dem Markt: Die erste Ausgabe der »Vinyl Stories«. - © Foto: Birgit von Bally
Auf dem Markt: Die erste Ausgabe der »Vinyl Stories«. (© Foto: Birgit von Bally)

Der gebürtige Versmolder verfolgt privat seine ganz eigene Sammlerstrategie: pro Stadt eine Platte, bis die persönliche Top-100-Liste abgearbeitet ist. Alles in kleinem Rahmen also. Beruflich hingegen nimmt Vinyl momentan einen hohen Stellenwert bei ihm ein.

„Vinyl ist ein zeitloses Thema mit Zukunft"

Im November hat Guido Neuhaus die erste Ausgabe des Magazins »Vinyl Stories« auf den Markt gebracht. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem die Leute ihre Leidenschaft für Schallplatten ausleben können, an dem sie sich wiederfinden", beschreibt Neuhaus seine Philosophie, die er im Elegant-Verlag als Teil des großen Entertainmentgruppe Edel mit Sitz in Hamburg umsetzt.

Aufgewachsen im beschaulichen Peckeloh, nahe dem Golfplatz, fernab des Großstadtlebens – heute das Büro mit Blick auf Elbe-Ufer und Hafen in der Millionenstadt Hamburg. Das, was Guido Neuhaus, der vor seiner Hochzeit Hardieck hieß, in den vergangenen Jahren hingelegt hat, nennt man wohl eine klassische Karriere. Klassisch aber ist sein Weg nicht unbedingt und immer wieder schimmerte dabei eine große Leidenschaft des 34-Jährigen durch: die Liebe zur Musik.

Der Peckeloher spielt Klavier und Schlagzeug, gehörte dem Haller Gospelchor GAM sowie dem Männergesangverein Versmold-Loxten an, spielte in der Heaven-and-Earth-Gründungsband mit. „Ich wollte eigentlich immer was mit Musik und Film machen", sagt Guido Neuhaus, entschied sich dann aber nach dem Abitur für eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Etwas ganz Bodenständiges.

Der Macher des Magazins: Guido Neuhaus, gebürtig aus Peckeloh, heute in Hamburg lebend. - © Foto: Jennifer Picht, Edel Germany
Der Macher des Magazins: Guido Neuhaus, gebürtig aus Peckeloh, heute in Hamburg lebend. (© Foto: Jennifer Picht, Edel Germany)

Es folgte ein Studium der Philosophie und Kulturreflexion an Deutschlands ältester Privatuni in Witten/Herdecke. Dann doch lieber etwas Musisches. „Zu sehr auf der Metaebene", befand der junge Student aus Versmold und begann parallel dazu in Münster ein zweites Studium. Diesmal wieder eher klassisch-bodenständig. Volkswirtschaftslehre und Politik sollten es sein. Guido Neuhaus bezeichnet seine Ausbildung als „generalistischen Rundumschlag".

Die Suche nach dem richtigen Beruf

Unter Zielstrebigkeit und Ehrgeiz mischt sich auch im Beruf selbst immer die Suche nach dem, was ihm richtig liegt. Beim Abstecher zur Unternehmensberatung habe er schnell gemerkt, „dass das nichts für mich ist". Bei der Idee eines Start-up-Unternehmens in Berlin erfährt Guido Neuhaus, „dass es doch nicht so leicht ist, damit Millionär zu werden". Es verschlägt ihn des Jobs bei Endemol wegen von Berlin nach Köln, danach der Liebe wegen in die Hansestadt Hamburg, wohin seine Frau beruflich wechselt.

Seit drei Jahren lebt die junge Familie im hohen Norden, seit 2015 arbeitet Guido Neuhaus beim Edelkonzern als Head of New Business Development, zeichnet also dafür verantwortlich, neue Ideen zu entwickeln. »Vinyl Stories« ist eine davon. Konzernchef Michael Haentjes war es, der mit dem Vorschlag, das Thema Vinyl stärker zu besetzen, auf Guido Neuhaus zugegangen war. Schließlich erfährt die Platte derzeit ihr Revival, ist längst nicht nur das Relikt vergangener Musikzeiten, verpackt in staubigen Kartons auf dem Dachboden. Nicht nur was für Freaks. Die Platte steht als Deko in der Ausstellung großer Möbelhäuser oder als Kaufartikel im Modehaus neben trendigen Klamotten.

Der Versmolder entwickelte die Idee eines Buches weiter zum Bookazine. Im Sommer stellte er sich ein schlagkräftiges Team von Experten aus ganz Deutschland für die Redaktion zusammen; Mitte November ging die erste Ausgabe mit einer Auflage von 6000 Stück in den Handel. »Vinyl Stories« enthält, wie der Titel besagt, Geschichte über Menschen, die Vinyl lieben, die dafür leben, über Orte, an denen Platten eine besondere Rolle spielen. „Wir wollten etwas anderes machen, das es auf dem Markt nicht gibt – weg von der reinen Plattenkritik", sagt Neuhaus. Die Herausforderung sei gewesen, die „eingeschworene Community" der Plattenfreunde genauso anzusprechen wie diejenigen, die das Thema Vinyl erst jetzt für sich entdeckt haben, die dem Trend folgen.

Vinyl ist zeitlos

Das Haptische beim Platteneinlegen, das Gefühl von Wertigkeit für Musik und die Entschleunigung beim Durchlaufen der Platte anstelle des schnellen Durchskippens einer Playlist schätzt Neuhaus selbst besonders. Vom Hype um die Platte will der Peckeloher nicht sprechen. „Vinyl ist ein zeitloses Thema, das Zukunft hat", sagt Neuhaus und rechnet damit, dass sich die Zahl verkaufter Platten bei jährlich 100 Millionen Stück einpendeln wird.

Was die Edel AG freuen dürfte. Als drittes Standbein neben eigenem Musiklabel und der Verlagsspalte gehört eine eigene Produktionsstätte samt Presswerk im mecklenburgischen Röbel an der Müritz – laut Neuhaus die größte Schalplattenproduktion weltweit – zum Unternehmen. „Solange Vinyl Top ist, bestellen Musiklabel bei uns auch Platten", sagt Neuhaus. Da spricht wieder der Unternehmer in ihm.

Weitere Infos unter: www.vinyl.tv

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