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Kneipen haben Rauchverbot überlebt

Der Niedergang der Gaststätten ist ausgeblieben

Jan Herrmann

Bleibt nun leer: Der Aschenbecker gehört bei Dietrich "Dixi" Ellerbrock drinnen nicht mehr zum Inventar. - © Foto: Jan Herrmann
Bleibt nun leer: Der Aschenbecker gehört bei Dietrich "Dixi" Ellerbrock drinnen nicht mehr zum Inventar. (© Foto: Jan Herrmann)

Versmold. Als in Versmold das strikte Nichtraucherschutzgesetz vor gut dreieinhalb Jahren in Kraft trat, war der Aufschrei in der heimischen Kneipenszene groß. Viele Gastwirte befürchteten, dass sich das Verbot von Zigarette und Co. negativ auf die Gästezahlen und damit auch auf den
Umsatz auswirkt. Mit der Stigmatisierung des Rauchers – so die Annahme – würde die gemütliche Atmosphäre und damit die kommunikative Qualität der Kneipen den Bach runtergehen. Einige Wirte fürchteten sogar um ihre Existenz. Wer der Szene nun einen Besuch abstattet, merkt, dass sich die Unkenrufe nicht bewahrheitet haben – zumindest nicht in Versmold. Die klassische Kneipe existiert auch zehn Jahre nach der Einführung des Rauchverbots.

Zwar hatte es in Nordrhein-Westfalen aufgrund des Verbots erst den Kompromiss von abgetrennten Raucherräumen gegeben, aber auch nachdem diese dreieinhalb Jahre später ebenfalls verboten worden sind, freut sich die Branche immer noch über den Besucherzuspruch. Ob junge Menschen oder Stammkunden – die Kneipe ist aus dem lokalen Geselligkeitsangebot nicht wegzudenken.

„Wir hatten damals alle Angst vor dem Rauchverbot", sagt Dietrich »Dixi« Ellerbrock. Wenn er nun hinter der Theke steht, wundert er sich fast ein wenig darüber, wie klaglos sich weite Teile des Publikums mit der Neuregelung arrangiert haben. „Ich habe ganz selten jemanden mit einer Zigarette erwischt", sagt er. „Außer mich selbst."

Kneipen haben Rauchverbot überlebt

Auch über Umsatzeinbußen kann sich »Dixi« nicht beklagen. Klar, die Kosten, die im Zuge der Umgestaltung des Außenbereichs angefallen sind, haben die Ausgabenseite etwas erhöht. Auch die Kosten für Gasflaschen in Zusammenhang mit der Beheizung draußen hat es früher nicht gegeben. Aber ansonsten gibt es keinen Grund zur Klage.

Natürlich hat sich im Zuge des Rauchverbots einiges verändert: Anhänger des gepflegten Tabakkonsums können nicht mehr stundenlang auf ihrem Barhocker ausharren, regelmäßiges Aufstehen und vor die Tür gehen gehören längst zum Alltag. Da kommt es mitunter zur kuriosen Situation, dass sich draußen im Raucherbereich mehr Gäste aufhalten als drinnen. „Auch die Nichtraucher schließen sich dann der Clique an und gehen mit vor die Tür", hat Ellerbrock beobachtet.

Einzig die Tatsache, dass das Rauchverbot nicht deutschlandweit in der gleichen Form umgesetzt worden ist, mag der Wirt kritisieren. „Es kann eigentlich nicht sein, dass zehn Kilometer weiter in Bad Laer geraucht werden darf nur weil es zu Niedersachsen gehört", sagt er.

Dieser Meinung kann Javier Bello Docampo nur zustimmen. Der Versmolder mit spanischen Wurzeln betreibt die Diskothek Maxim sowie die benachbarte Bar Scala. Er findet es unglücklich, dass die Diskotheken im angrenzenden Bundesland nicht vom Rauchverbot betroffen sind. „Manche Gäste sprechen uns explizit darauf an", erzählt er.

Als Nichtraucher kann er sich aber grundsätzlich gut mit dem Rauchverbot identifizieren. Weil Maxim und Scala aber erst seit etwa eineinhalb Jahren existieren, fehlen Docampo die Vergleichsmöglichkeiten zu früher. „Wir kennen es ja nur so", sagt er.

Im Maxim hat er beobachtet, dass der extra eingerichtete Raucherbereich draußen mitunter aus allen Nähten platzt. „Da kann man die Leute manchmal stapeln", sagt er. Deshalb ist er der Überzeugung, dass die Besucherzahlen in der Diskothek höher wären, wenn das Rauchen erlaubt wäre.

Wolfgang Sander von der Gaststätte »Zur Tulpe« hat zwar einen Rückgang der klassischen Kneipen beobachtet, führt das aber nicht auf das Rauchverbot zurück. „Weil die Lebenshaltungskosten steigen, haben die Menschen immer weniger Geld zur Verfügung, das sie nebenher ausgeben können", sagt er. Das Rauchverbot betrachtet er differenziert: Für die Angestellten ist die Abwesenheit des Qualms ohne Zweifel von Vorteil. „Für manchen Raucher nach dem fünften Pils aber nicht unbedingt", sagt Sander lachend. Obwohl: Auch die qualmen weniger, seit sie dafür in den Biergarten müssen.

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