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Kirche bleibt Weihnachten zu

Renovierung von St. Michael verzögert sich

Silke Derkum

Versmold. Bei der Sanierung von St. Michael sind Probleme mit der Deckenkonstruktion zutage getreten. Nun müssen die Kirchenbesucher an den Festtagen ins Pfarrheim und auf andere Gemeinden ausweichen.

Arbeiten auf Hochtouren: Vikar Michael Krischer( links) nimmt die Verzögerung gelassen. Maler Sebastian Klaus (rechts) und Heinz-Dieter Hartmann geben ihr Bestes, damit die Kirche bald wieder allen offen steht. Die neue Deckenkonstruktion ist bereits komplett fertig. - © Foto: Silke Derkum
Arbeiten auf Hochtouren: Vikar Michael Krischer( links) nimmt die Verzögerung gelassen. Maler Sebastian Klaus (rechts) und Heinz-Dieter Hartmann geben ihr Bestes, damit die Kirche bald wieder allen offen steht. Die neue Deckenkonstruktion ist bereits komplett fertig. (© Foto: Silke Derkum)

Eigentlich sollte das Weihnachtsfest der katholischen Kirchengemeinde in der frisch renovierten St-Michaelskirche gefeiert werden. Doch daraus wird nun nichts. Seit Ende Juni wird das Gotteshaus optisch auf Vordermann gebracht und sollte eigentlich nach vier bis fünf Monaten fertig sein. „Aber es kann immer etwas Unvorgesehenes eintreten", sagt Vikar Michael Krischer, der von Kirchenseite für die Baustelle die Verantwortung trägt. Und so ist man mit der Kirchenbaustelle tatsächlich in Verzug geraten.

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Holzdecke, die sich durch das ganze Kirchenschiff zieht, nur abgeschliffen und neu gestrichen wird. Doch bei den Arbeiten stellte sich heraus, dass die gesamte Konstruktion nicht mehr so verankert war, wie es sein sollte. Nachdem die Decke der 1961 geweihten Kirche abgenommen worden war, wurde zudem offensichtlich, dass das Dämmmaterial darunter Schadstoffe enthielt und vollständig ausgetauscht werden musste. „Es war kein Asbest, aber eine Schadstoffsanierung war trotzdem nötig", sagt Michael Krischer.

Die Kosten sind nun um 60 000 Euro gestiegen

Auch die Decke musste vollständig neu angefertigt und aufgehängt werden. „Das Ganze hat uns etwa um vier Wochen zurückgeworfen und auch die Kosten sind dadurch gestiegen", so Krischer. Mit etwa 60 000 Euro zusätzlich kalkuliert die Gemeinde nun. „30 Prozent davon müssen wir selber tragen", sagt der Vikar. 70 Prozent übernimmt das Erzbistum. Trotzdem sind die zusätzlichen 18 000 Euro für die Gemeinde eine große Summe. Denn von den nun auf 540 000 Euro gestiegenen Renovierungskosten müssen somit 233 000 Euro aus der Gemeindekasse finanziert werden. „Dafür hatten wir natürlich Rücklagen, aber die sind inzwischen komplett aufgebraucht", sagt Vikar Krischer und hofft, dass sich eventuell Spender finden, die die Gemeinde unterstützen.

Aktuell sind in der leer geräumten Kirche die Malerarbeiten im Gange. Etwa 1000 Quadratmeter Wandfläche mussten zunächst vom Ruß befreit, dann grundiert und nun weiß gestrichen werden. Die Säulen sind mit einem ganz zarten Grau abgesetzt. „Die Kirchenbänke werden im Moment in einer Schreinerei abgeschliffen und neu lackiert. Dies sei auch dringend nötig gewesen, so Krischer. Denn die Kirchenbesucher haben in den vergangenen Jahrzehnten ihre Spuren auf den Bänken hinterlassen. Und nicht nur die; ganz offensichtlich gab es auch ungebetene Gäste, die sich auf den Bänken verewigt haben. Sogar eingeritzte Hakenkreuze habe man beim Abschleifen gefunden, so Krischer. Bevor die Bänke wieder aufgestellt werden, bekommt auch der Holzboden darunter einen neuen Schliff. Und auch die Elektroarbeiten stünden noch an, so Krischer.

Wann nun die Kirche wieder vollständig in neuem Glanz erstrahlen wird, da will Michael Krischer sich nicht festlegen. Denn durch die Verzögerung aufgrund der Deckenarbeiten seien auch die Terminpläne der Handwerker ins Wanken geraten, so dass die Baustelle hin und wieder ruhe.

„Aber ich sehe das ganz gelassen", sagt der Vikar. Dazu trägt vielleicht auch bei, dass die Gottesdienste im Ausweichquartier – dem Saal im benachbarten Pfarrheim – bei den Gemeindemitgliedern gut ankommen. „Es wirkt dort immer voller und gemütlich", sagt Krischer.

Heilig Abend werden nicht alle in das Pfarrheim passen

Doch an Heilig Abend könnte sich das ins Gegenteil verkehren. Denn die 100 Plätze, die bisher für die Messen ausreichten, werden spätestens beim Krippenspiel deutlich zu wenig sein. „In der Kirche haben wir 220 Sitzplätze und an Weihnachten müssen trotzdem immer noch viele Leute stehen", verdeutlicht Michael Krischer das drohende Platzproblem, das spätestens beim Familiengottesdienst auftreten wird. Deshalb bittet er die Familien, ausnahmsweise einmal in Erwägung zu ziehen, ob sie den Weihnachtsgottesdienst nicht in einer anderen Kirche im Pastoralverbund besuchen wollen. Denn in St. Michael werden sonst unweigerlich einige den Weihnachtsgottesdienst vor der Tür verbringen müssen.

Auch das Internationale Weihnachtssingen, das sich inzwischen zu einer festen Tradition am zweiten Weihnachtsfeiertag entwickelt hat, muss dieses Mal ausfallen. „Die Band könnte ihre Instrumente auf dem engen Altar im Pfarrheim nicht aufbauen", erklärt Krischer.

Ein wenig eng dürfte es auch für die Krippenfiguren werden. „Die Krippe erstreckt sich ja sonst immer gefühlt über vier Meter", sagt Krischer lachend. Da werde man wohl dieses Jahr ein bisschen ausdünnen müssen. Aber keine Angst: Hirten und die Weisen aus dem Morgenland werden natürlich ihren Platz an der Krippe bekommen. „Vielleicht verzichten wir auf das ein oder andere Schaf", sagt Michael Krischer.

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