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Zivilcourage: Flüchtling rettet Einnahmen

SPD bedankt sich bei Rekan Haje Hazm

Jan Herrmann

Vorbildlicher Einsatz: Patrick Schlüter (links) bedankt sich bei Rekan Haje Hazm (Dritter von links) für das entschlossene Auftreten während des Sankt-Petri-Marktes. Darüber freuen sich auch Knud Schmidt, Maike Wiggelinghoff, Corinna Lüker und Udo Brune. - © Foto: Jan Herrmann
Vorbildlicher Einsatz: Patrick Schlüter (links) bedankt sich bei Rekan Haje Hazm (Dritter von links) für das entschlossene Auftreten während des Sankt-Petri-Marktes. Darüber freuen sich auch Knud Schmidt, Maike Wiggelinghoff, Corinna Lüker und Udo Brune. (© Foto: Jan Herrmann)

Versmold. Anerkennend streckt Patrick Schlüter dem jungen Mann die Hand entgegen. „So ein couragierter Einsatz ist keine Selbstverständlichkeit", sagt der Vorsitzende des Versmolder SPD-Ortsvereins. „Das erlebe ich als Polizist selbst jeden Tag." Er bedankt sich bei Rekan Haje Hazm, überreicht ihm 50 Euro und eine übergroße Schokoladenpackung »Merci«. Der 17-jährige Iraker hatte während der Kirmes Sünne Peider mutig und entschlossen gehandelt, als ein Dieb die gesamten Einnahmen des Feuerzangenbowlestands der SPD gestohlen hatte.

Die Tat hatte sich wie berichtet in der Nacht von Samstag auf Sonntag ereignet. Corinna Lüker hat gegen 23.30 Uhr gemeinsam mit Wolfgang und Melanie Märländer Dienst am Stand. Die Tageseinnahmen von rund 1000 Euro hat sie in ihrer Handtasche im hinteren Teil des Wagens verstaut, als sie bemerkt, wie ein Jugendlicher sich plötzlich die Tasche schnappt. „Es hat zwei Sekunden gedauert, bis ich das realisiert habe", sagt sie. Sie schreit laut und versucht, den Dieb von der Tat abzubringen. Der lässt sich nicht beirren und flüchtet. „Alle haben geschrien und viele sind hinterhergelaufen", erinnert sie sich.

Unter ihnen befindet sich auch Rekan Haje Hazm. Er schlendert gerade alleine über die Kirmes, als er die Szene beobachtet. Er überlegt nicht lange und nimmt die Verfolgung auf. In dieser Situation nicht zu handeln und das Treiben gleichgültig zu verfolgen, sei für ihn keine Option gewesen. „So bin ich", sagt er.

Der Täter sucht das Weite und rennt von der Gartenstraße durch den kleinen Fußgängerweg in Richtung Petri-Kirche. Die Verfolger, neben Rekan Haje Hazm auch das Ehepaar Lüker sowie das Ehepaar Märländer, sind dem Täter auf den Fersen. Der Unbekannte läuft an der Petri-Kirche vorbei Richtung Berliner Straße und schüttelt immer mehr Menschen ab – nur den drahtigen Iraker nicht.

Er war der Einzige, der dem Dieb folgen konnte

Auf Höhe des Rewe-Marktes bekommt ihn der 17-Jährige zu fassen. Der Täter streift seine Jacke ab und lässt auch die Geldkassette fallen, die sich in der Tasche befand. Von der Handtasche hatte er sich schon vorher getrennt. Anschließend flüchtet der Täter unerkannt Richtung Ringallee. Mit dem Geld und der Jacke sucht Rekan Haje Hazm den nächsten Polizisten auf, als auch die anderen Verfolger eintreffen. „Er war der Einzige, der fit genug war, um es mit dem Dieb aufzunehmen", sagt Patrick Schlüter. Ob Rekan Haje Hazm Angst hatte? Der 17-Jährige schüttelt den Kopf. Sorgen habe ihm im Falle einer Ausein-andersetzung aber sein verletztes Handgelenk gemacht. Das hatte er sich beim Boxtraining im CJD-Jugenddorf verstaucht. Als minderjähriger Flüchtling lebt er in der Obhut des CJD. „Obwohl du in deiner Heimat viel Unrecht erlebt hast, hast du dich hier gegen das Unrecht eingesetzt", lobt Knud Schmidt, Einrichtungsleiter vom CJD. Der junge Iraker nickt und sagt einen Satz, der ihm wichtig ist: „Als Jeside muss sich hier niemand verstecken."

Patrick Schlüter ist froh, dass die Einnahmen dank des beherzten Eingreifens gerettet sind. Die Handtasche hatte der Täter schon vorher in ein Gebüsch geworfen. Sie enthielt 700 Euro, in der Geldkassette befanden sich rund 300 Euro. Das Geld soll soll dem Förderverein der CJD-Sekundarschule zugutekommen. Der Täter ist noch nicht gefasst.

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