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Ein sechs Tonnen schweres Prunkstück

Säule des Kriegerdenkmals gestern vom Sockel gehoben.

Silke Derkum

Mit Fingerspitzengefühl: Ganz langsam, Zentimeter um Zentimeter – so dass sie nicht brechen kann – wird die etwa sieben Meter hohe Säule samt Adler durch den Kran herabgelassen und auf den Boden abgelegt. Von dort wird sie dann auf den Lkw gehoben. - © Foto: Silke Derkum
Mit Fingerspitzengefühl: Ganz langsam, Zentimeter um Zentimeter – so dass sie nicht brechen kann – wird die etwa sieben Meter hohe Säule samt Adler durch den Kran herabgelassen und auf den Boden abgelegt. Von dort wird sie dann auf den Lkw gehoben. (© Foto: Silke Derkum)

Versmold. Die Erleichterung ist Horst Mennecke anzusehen, als die riesige Sandsteinsäule samt dem gekrönten preußischen Adlers um 13.50 Uhr nahezu unversehrt auf dem Rasen vor der Petri-Kirche liegt. Damit ist einer der kritischen Momente der Sanierung des Kriegerdenkmals, die in den Händen des Versmolder Steinmetzes und Bildhauermeisters Mennecke liegt, gut über die Bühne gegangen.

Gut eineinhalb Stunden voll höchster Konzentration waren vergangen, seitdem das fünf bis sechs Tonnen schwere Denkmal – eingeschnürt und gesichert durch viele Gurte – sanft von einem Kran vom Sockel gehoben wurde.

Einfache Konstruktion: An der Unterseite der Säule ist das Loch zu erkennen, das auf die Eisenspitze im Sockel gestülpt wurde. - © Foto: Silke Derkum
Einfache Konstruktion: An der Unterseite der Säule ist das Loch zu erkennen, das auf die Eisenspitze im Sockel gestülpt wurde. (© Foto: Silke Derkum)

Die Sanierung war notwendig, weil das 140 Jahre alte Denkmal, wie berichtet, nicht mehr sicher auf seinem Sockel stand, sondern sich durch Druck bewegen ließ. Nun zeigte sich, dass die Vermutungen richtig waren, dass Sockel und Säule nicht in erster Linie durch Mörtel miteinander verbunden waren, sondern dass die Säule wie bei einem Kerzenständer auf einer Eisenstange steckte, die aus dem Sockel ragte. Daher ließ sich die Säule auch einfach durch den Kran anheben.

Insgesamt, erklärt Horst Mennecke, besteht das Denkmal aus fünf Teilen, die offenbar damals bei der Errichtung einzeln aufeinandergesetzt wurden: der Adler sowie der obere und untere steinerne Girlandenkranz, die geriefte Säule und der quadratische Fuß, der zunächst auf dem Sockel verblieben ist.

Nachdem die sieben Meter lange Säule aus Obernkirchener Sandstein mit einem Lkw in den Steinmetzbetrieb Mennecke an der Vorbruchstraße transportiert wurde, wird sie dort mit einer Diamantseilsäge in die fünf Einzelteile zerlegt. Um die Standfestigkeit wiederherzustellen, werden die Eisenstangen im Inneren entfernt und durch Edelstahlstangen ersetzt. „Und damit sollte es auf jeden Fall für die nächsten 140 Jahre halten", sagt Horst Mennecke und schmunzelt.

Natürlich wird das mit Flechten bewachsene Denkmal dabei auch gesäubert und insgesamt restauriert. „Aber allzu viel darf man an der Oberfläche ohnehin nicht machen, das sehen die Denkmalschützer nicht gerne und in erster Linie soll es ja auch um die Standfestigkeit gehen", sagt Mennecke, der als Experte für die Restaurierung historischer Steinmonumente gilt.

Kosten der Restaurierung sind noch nicht absehbar

Die Kosten für die Restaurierung, die die Stadt trägt, seien noch nicht absehbar, sagt Fachbereichsleiterin Nina Herrling. Voraussichtlich werden sie sich auf einige tausend Euro belaufen. Etwa vier bis sechs Wochen, so rechnet Mennecke, dürfte es dauern, bis das Denkmal, mit dem an die Kriege zwischen Preußen und Dänemark (1864), gegen Hannover und Österreich (1866) sowie gegen Frankreich (1870/71) erinnert werden sollte, wieder an seinen alten Platz kommt.

Mit dem Kran dürfte auch das wieder nur eine Sache von wenigen Stunden werden. „Viel interessanter ist doch aber, wie die Erbauer dieser Säule sie vor 140 Jahren aufgerichtet haben, sagt Mennecke und vermutet, dass man eine Rampe aus Erde bis zur Höhe des Sockels aufgeschüttet hat, die dann mit Pferd und Wagen befahren wurde. Von dort aus sei das Ganze dann vermutlich mit einer Seilwinde aufgerichtet worden. „Deshalb war auch die Eisenstange auf dem Sockel nur so kurz", sagt Mennecke und gibt zu, dass sein Steinmetzherz beim Anblick der historischen Säule schon ein bisschen höherschlage. „Das ist auf jeden Fall eine ganz besondere Säule", sagt er, „davon gibt es nicht sehr viele."

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Adler auf dem Rücken: Der königliche Adler ist das Prunkstück der Säule. Horst Mennecke (Zweiter von links) nimmt die gut verschnürte Spitze des Kriegerdenkmals genau in Augenschein. - © Foto: Silke Derkum

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