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Spaß mit zischender Sprache

Steffen Möller weiß, was Polen und Deutsche unterscheidet

Silke Derkum

Steffen Möller ist überzeugter Warschauer - und hat eine Mission. - © Foto: Silke Derkum
Steffen Möller ist überzeugter Warschauer - und hat eine Mission. (© Foto: Silke Derkum)

Versmold. Für die einen war es das Treffen mit dem ehemaligen Star ihrer Lieblingsfernsehserie – für die anderen eine lehrreiche Stunde über die polnische Seele. Ein witziger Abend, bei dem deutsche wie polnische Besucher auf ihre Fähigkeit zur Selbstironie getestet wurden, war es für beide Seiten. Steffen Möller – Kabarettist, gebürtiger Wuppertaler, polnischer TV-Schauspieler und überzeugter Wahl-Warschauer – beherrschte am Samstagabend die Bühne der Hauptschulaula und lieferte eine zweisprachige Show, bei der die Versmolder und ihre Gäste aus Dobczyce etwas für beide Seiten Neues erfuhren: Warschau lässt sich mögen.

Zu ihrer Hauptstadt haben die Polen ein gespaltenes Verhältnis. Krakau heißt der polnische Sehnsuchtsort. Warschau gilt als grau und trist. „Das Verhältnis zwischen Warschau und Krakau ist ungefähr so wie das zwischen Griechenland und Wolfgang Schäuble“, bringt Steffen Möller es auf den Punkt. Um dann mit Fotos und blumigen Worten die Werbetrommel für seine Wahlheimat zu rühren, wie er es auch schon in seinem Buch »Viva Warszawa« getan hat, das er an diesem Abend im Gepäck hat.

Doch eigentlich ist sein Programm eine 165-minütige Liebeserklärung an die Polen und ihre Sprache. Und wer einem Volk so viel Zuneigung entgegenbringt, darf es auch auf den Arm nehmen.

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Die polnischen Gäste im Publikum lachen lauthals, wenn Möller den polnischen Hang zum Pessimismus erklärt. So lautet die Antwort auf die Frage »Wie geht’s?« nicht etwa »gut«, sondern »stara bieda«. Was übersetzt »das alte Elend« bedeutet und in einem Tonfall gesprochen wird, „in dem sich 1000 Jahre Frust darüber ausdrücken zwischen Russland und Deutschland“ eingeklemmt zu sein, erklärt Möller.

Bei den Witzen steht es 1:1

Überhaupt, das Verhältnis zu Deutschland. „Bei den Witzen steht es 1:1 – Autodiebe gegen Nazis“, sagt Möller und hat auch gleich einen auf Lager, in dem es um die deutsche Vorliebe geht, polnische Städte mit deutschen Namen zu bezeichnen. „Der Pole denkt: Wenn der Deutsche die Stadt Wroc?aw immer noch Breslau nennt, dann will der da auch wieder hin“, erklärt Möller und sorgt mit solchen Anspielungen auf die Nazizeit dafür, dass dem ein oder anderen Deutschen in der nicht ganz ausverkauften Hauptschulaula für eine halbe Sekunde das Lachen im Halse steckenbleibt. Bevor er sich dann von der Heiterkeit der polnischen Sitznachbarn beruhigen und anstecken lässt.

Aber auch auf Kosten der Polen wird gelacht. Alleine die Einblendung des Wortes »Przepraszam«, das schlicht »Verzeihung« heißt, löst Lachsalven aus. Bei den einen, weil sie sich beim besten Willen nicht vorstellen können, wie die Ansammlung von Zischlauten auszusprechen ist. Bei den anderen, weil sie vor Augen geführt bekommen, wie ihre Muttersprache auf andere wirkt.

Dabei haben beide Sprachen durchaus Gemeinsamkeiten: Platfus, Bruderszaft, Szyberdach oder Hochsztapler sind Beispiele für Lehnworte, die Steffen Möller zur Überraschung der Deutschen vorliest: Bevor er sich dann ausführlich der polnischen Vorliebe für Spitznamen widmet, bei der die Polen im Publikum zur Hochform auflaufen und für jeden Deutschen Vornamen mindestens fünf polnische Verniedlichungsformen finden.

Kosenamen - leicht gemacht

„Im einfachsten Fall wird bei Männern ein -ek und bei Frauen ein -ka an den Namen gehängt“, erläutert Möller. Ob das bei deutschen Namen immer den gewünschten Koseeffekt erzielt, bleibt anhand Möllers gewählter Beispiele Karl-Heinzek und Erikaka fraglich. Aber das ist an dieser Stelle des Kabarettabends schon egal. Deutsche wie Polen haben Spaß – und wieder einige Vorurteile abgebaut: über Warschau und übereinander.

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