Bericht aus Benin: Von der Deutschen Botschaft zum Vodoofestival

Jonas Damme

Benin - © Jonas Damme
Benin (© Jonas Damme)
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Steinhagen/Cotounou. Für die Entwicklungshelfer aus Deutschland reiht sich während ihres zweiwöchigen Beninaufenthalts ein Empfang an den nächsten. Eine besondere Ehre war der Besuch beim deutschen Botschafter, den eine Freundin des Bürgerkomitees, die deutsche Botschaftsmitarbeiterin Gabi Gbegnonvi ermöglicht hatte. Der erst kürzlich angetretene Botschafter Achim Tröster erklärte eineinhalb Stunden lang, wie die Bundesrepublik zu Westafrika steht.

Grundsätzlich erkenne man an, dass das Land unter Präsident Patrice Talon große Fortschritte macht und sich zum Primus in der Entwicklungszusammenarbeit mausere. Bildungsprojekte, wie sie auch das Bürgerkomitee seit langem fördert, seien wichtig, aber auch die Entwicklung der Infrastruktur und die Stärkung der Demokratie müssen vorangebracht werden.

„Das Land macht Fortschritte“

Ein Budget von 85 Millionen Euro hat die Bundesregierung von 2016 bis 2019 für diese Entwicklungszusammenarbeit eingeplant. Konkrete Unterstützung konnte der Botschafter den Ehrenamtlichen aus Steinhagen allerdings nicht bieten, schon der Versuch, einen Überblick über die deutschen Hilfsorganisationen in Benin zu bekommen, überschreite die Möglichkeiten seiner Einrichtung, teilte Achim Tröster mit.

Weit weniger bürokratisch, dafür umso ehrgeiziger, geht es an der Universität von Abomey-Calavi zu. Dort zeigte Germanistikprofessor und Komiteefreund Dr. Mensah Tokponto den Gästen, mit wie viel Begeisterung er seine Studenten mit Deutschland vertraut macht. Allein 1350 Germanistikstudenten werden dort gegenwärtig ausgebildet, insgesamt sollen es sogar 90 000 in ganz Benin sein.

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Da an der größten Uni des Landes Platz chronisch knapp ist, soll ein neues Gebäude für die Germanistik gebaut werden. Dafür konnte glücklicherweise ein ehemaliger Akademiker aus München gefunden werden, der sich bereiterklärt hat, das große Gebäude privat zu finanzieren.

Während die Universität einen geradezu überfüllten Eindruck macht, ging es beim Besuch der schon lange von Steinhagen unterstützten Kinder- und Säuglingsklinik in der Stadt Ouidah extrem ruhig zu. So ruhig, dass Bügerkomiteechefin Heike Kunter nicht umhin konnte, nachzufragen, wo sich denn die Babys und Mütter befänden, die dort versorgt werden sollen.

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Schwester Annique berichtete, dass es eigentlich gut laufe, im Moment nur keine staatlichen Zuweisungen stattfänden, weshalb man aktuell nur eine einzige Patientin habe. Eine Erklärung, die die Gäste aus Deutschland nicht zufrieden stellen konnte. Deshalb planten die Komiteemitglieder vor Ort, die erbetene Unterstützung des Labors, das tatsächlich dringend grundlegende Untersuchungsgeräte braucht, vorläufig auszusetzen. Lokale Freunde in Benin sollen die Einrichtung in den kommenden Monaten erstmal im Auge behalten und feststellen, ob die Auslastung wieder steigt. Schließlich sollen die Spendengelder aus Deutschland effektiv eingesetzt werden.

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Eine Auflockerung sollte am Folgetag eigentlich das riesige Vodoofestival, das ebenfalls in Ouidah stattfindet, darstellen. Das zeigte sich allerdings auf ganz andere Weise benintypisch. Statt authentischer Kultur gab es ein Touristenprogramm. Statt seltener Einblicke selbstverliebte Politiker. Ohne Frage spielt Vodoo in Benin noch eine wichtige Rolle, die Naturreligion ist hier im Alltag so wichtig, dass es ein Deutscher kaum ermessen kann. Wer sich davon ein Bild machen wollte, war auf der Großveranstaltung allerdings falsch. Wer Vodoo sucht, muss an den Straßenrand schauen.

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