IHK-Umfrage: Absturz in den Tabellenkeller

IHK befragt Steinhagener Unternehmer

Sonja Faulhaber

Die heimische Wirtschaft hat viel Vertrauen eingebüßt. Eine IHK-Umfrage unter Steinhagener Unternehmern ist ein weiterer Anlass zur Sorge. - © Foto: FDF/Jens Keßler
Die heimische Wirtschaft hat viel Vertrauen eingebüßt. Eine IHK-Umfrage unter Steinhagener Unternehmern ist ein weiterer Anlass zur Sorge. (© Foto: FDF/Jens Keßler)

Steinhagen. Lange Zeit galt Steinhagen als wirtschaftsfreundliche Kommune. Bei einer Umfrage der IHK im Jahr 2003 belegte die Gemeinde im Nordkreis den Spitzenplatz, nur die Südkreiskommunen waren noch beliebter bei Unternehmen. Doch das ist Vergangenheit. In diesem Jahr hat die IHK erneut 549 Unternehmen in Steinhagen angeschrieben. 81 davon haben geantwortet – und waren in vielen Punkten unzufrieden. Von zehn befragten Kreiskommunen landet Steinhagen auf Platz 8. Noch schlechter bewertetwerden nur Werther und Borgholzhausen. Am besten schneiden Schloß-Holte Stukenbrock, Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück ab.

Dr. Christoph von der Heiden von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld erklärt das schlechte Abschneiden der Gemeinde vor allem mit drei Faktoren: zum einen mit der Diskussion um Wahl & Co., zum zweiten mit der immer noch unzureichenden Versorgung mit schnellem Internet und zum dritten mit dem Mangel an qualifizierten Fachkräften.

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Die Meinung von 81 Unternehmen

• Im Jahr 2017 wurden kreisweit 7682 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Handel-, Hotel- und Gaststättengewerbe und dem Dienstleistungsgewerbe angeschrieben. Davon antworteten 1086. 81 Antworten kamen von Steinhagener Unternehmen. Das ist eine Rücklaufquote von 15 Prozent in der Gemeinde (14 Prozent kreisweit). Befragt wurden zehn von 13 Kommunen.Verl wurde bereits im vergangenen Jahr befragt, Rietberg und Langenberg werden 2018 befragt. Die durchschnittliche Zufriedenheit der zehn Teilnehmer lag bei einem Wert von 7,2. Die Zufriedenheit in Steinhagen liegt bei 6,6. Zum Vergleich: In Schloß Holte-Stukenbrock liegt die Zufriedenheitsquote bei 7,9.

Bei der allgemeinen Bewertung des Wirtschaftsstandortes ist Steinhagen sogar noch tiefer gerutscht. Sowohl bei der Frage nach der Wirtschaftsfreundlichkeit der Bevölkerung, der Kommunalpolitik als auch der Kommunalverwaltung fällt Steinhagen auf den zehnten und damit letzten Platz. Bei der Frage nach der Bewertung der längerfristigen Weichen für Wachstum und Beschäftigung vor Ort erreicht Steinhagen einen Durchschnittswert von 5,2 (kreisweit liegt dieser bei 6,3). „Die Ablehnung einer Ansiedlung von Wahl & Co. ist hier ausschlaggebend gewesen", betont Dr. Christoph von der Heiden. Und Burkhard Marcinkowski vom Unternehmerverband Gütersloh legt nach: „Das steckt den Unternehmen noch in den Knochen."

Trotz dieser Entwicklung scheinen die Firmen, die bereits in Steinhagen angesiedelt sind, zum Standort zu stehen. 87 Prozent würden sich wieder dafür entscheiden. 79 Prozent würden Steinhagen sogar als Wirtschaftsstandort weiterempfehlen. Sie schätzen die Nähe zu den Kunden, die gute Erreichbarkeit und die Nähe zu den Zulieferern.

Weniger bis gar nicht zufrieden sind die ansässigen Firmen mit der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, der Ausbildungsreife der Jugendlichen und der Verfügbarkeit von Auszubildenden. Vor allem mittelständische Unternehmen kämpfen in diesen Bereichen. „Wir dürfen als Schulträger in unseren Bemühungen, die Schüler fit für den Arbeitsmarkt zu machen, nicht nachlassen", kommentiert Bürgermeister Klaus Besser. „Und wir müssen weiter in Schulen investieren, aber auch im Bereich Umgang mit Medien mehr tun." Der Zuzug von Fachkräften könne nur dann gelingen, wenn das Umfeld stimme. So sei die gute Betreuungssituation in Kindergärten und Schulen ein Pluspunkt, die schlechter werdende ärztliche Versorgung ein Minuspunkt.

Südkreis lockt Unternehmen mit besseren Konditionen

War die Versorgung mit schnellem Internet im Jahr 2003 noch nicht so ausschlaggebend für Unternehmen, so ist dieser Bereich mittlerweile enorm wichtig. „Das ist ein Problem in allen Kommunen", so Dr. Christoph von der Heiden. Trotzdem liegt Steinhagen hier im Kreisdurchschnitt deutlich zurück. Auch wird die Verfügbarkeit von geeigneten Gewerbeflächen im Vergleich zum gesamten Kreis in Steinhagen als extrem schlecht bewertet.

Kritischer Blick auf Steinhagen: Vor dem Modell der Gemeinde stehen (von links) Dr. Christoph von der Heiden (IHK), Arne Potthoff (IHK), Bürgermeister Klaus Besser und Burkhard Marcinkowski (Unternehmerverband) mit den Ergebnissen der aktuellen Standortumfrage. - © Foto: Sonja Faulhaber
Kritischer Blick auf Steinhagen: Vor dem Modell der Gemeinde stehen (von links) Dr. Christoph von der Heiden (IHK), Arne Potthoff (IHK), Bürgermeister Klaus Besser und Burkhard Marcinkowski (Unternehmerverband) mit den Ergebnissen der aktuellen Standortumfrage. (© Foto: Sonja Faulhaber)


Unzufriedenheit herrscht bei den Unternehmen auch im Bereich Gewerbesteuer und Grundsteuer. Hier locken die Südkreiskommunen mit deutlich besseren Konditionen. Die Kaufpreise sowie Mieten für Gewerbeflächen werden in Steinhagen dagegen überdurchschnittlich gut bewertet.



Abschließend betont Bürgermeister Klaus Besser: „Dieses Ergebnis ist natürlich nicht zufriedenstellend. Da besteht deutlicher Handlungsbedarf. Ich hoffe, dass dieser Bericht der Politik aufzeigt, wo gehandelt werden muss."Auch er sieht eine der Hauptursachen für die schlechten Bewertungen in der Ablehnung von Wahl & Co.

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