Komiker beamt Publikum zurück in ferne Gag-Galaxien

Edwin Rekate

Steinhagen-Amshausen. Einer für alle, alle auf einmal: Stimmenimitator Andreas Neumann bringt bei den Steinhagener Kulturtagen Heinz Erhardt plus ein weiteres Dutzend Comedystars und Entertainer auf die Bodelschwingh-Bühne.

Verschmitzt verschmolzen: Parodist Andreas Neumann hat im Erhardt’schen Kosmos Platz für die Darstellung eines agilen Louis de Funès. - © Edwin Rekate
Verschmitzt verschmolzen: Parodist Andreas Neumann hat im Erhardt’schen Kosmos Platz für die Darstellung eines agilen Louis de Funès. (© Edwin Rekate)

„Was würde wohl Heinz Erhardt dazu sagen?", lautet Andreas Neumanns rhetorisch gestellte Frage – und exakt in diesem Moment verschmilzt er verschmitzt mit seiner Figur und antwortet prompt im Erhardt’schen Duktus: „Ja, das woll’n se wohl gern wissen, ne, hah! Ja, da sehen se mal, so schlecht kann man antworten. Wenn se mich erkannt haben, könn’se an dieser Stelle schon mal applaudieren!"

Rund 140 Besucher belohnten die fixe Metamorphose dann auch mit explodierendem Gelächter und stürmischem Applaus. Wie in einem Science-Fiction-Thriller beamte der Parodist das komplette Publikum im Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus zurück in die Atmosphäre des Wirtschaftswunders, der heiteren Kinokomödien und der noch relativ frischen, kurzweiligen Fernsehprogramme. Dieser Zeitsprung ermöglicht Neumann, seine Heroen alle wieder auferstehen zu lassen.

Theo Lingen trifft Ekel Alfred trifft Loriot

Da gibt es ein heiteres Wiederhören mit Jürgen von Manger, alias Adolf Tegtmeier, Heinz Rühmann, Theo Lingen, Loriot, Didi Hallervorden, Ekel Alfred, Louis de Funès, Marcel Reich-Ranicki, Hans Moser, Johannes Heesters, ja sogar Inge Meysel ist mit von der Partie. Der Stimmenimitator aus Hannover bringt alle zuvor genannten Stars zum Reden, und das in einer derart komplexen Vielfalt, dass ihre Dialoge im nächsten Atemzug Trialoge, ja Quadrologe werden.

Die auf seine Protagonisten in Sprache und Körperlichkeit original zugeschnittenen altbekannten oder nagelneuen Gags krümmen mit Lichtgeschwindigkeit den imaginierten Pfeiffer’schen Feuerzangen-Raum, jeder der aufgezählten Akteure kommt im richtigen Ton, in Gestik, Mimik und Sprache perfekt zur Geltung und löst im Kulturtage-Publikum beinahe in jedem Moment Begeisterung aus.

Bei aller Vielfalt – Meister Erhardt bildet an diesem Abend im Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus das Zentrum der humorvollen Galaxie. Fast jeder kennt seine Handschrift, festgehalten und abgedruckt in Limericks, in vierzeiligen Gedichten und knappen Scherzballaden.

Auch Adolf Tegtmeier hat seine Spuren hinterlassen

Da durfte auch »Die polyglotte Katze« nicht fehlen, die der Entertainer mit Leidenschaft rezitiert. Und genauso wie der »bellende« Stubentiger die Maus erhascht, erwischt Andreas Neumann mit seinem Repertoire die Aufmerksamkeit auf allen Rängen. Frei nach Karl May agieren darin – topaktuell verpackt – Old Shatterhandy und Winne-O2 recht mobil.

„Als Kind habe ich im Urlaub auf Langeoog mit den Eltern den »Tegtmeier« in der allerersten Reihe sitzend erlebt. Jürgen von Manger hat mir nach der Show noch über den Kopf gestreichelt", erinnert sich Neumann im Interview mit dem Haller Kreisblatt an seine Initiationserlebnisse, die ihn bereits im Kindergartenalter mit Parodien über Willi und der Biene Maja prägten. Zudem war sein Vater bereits Erhardt-Parodist, das Talent dazu sei ihm also in die Wiege gelegt worden.

Als Andreas Neumann 20 Jahre später dieselbe Insel-Bühne wie sein Idol betrat, erfasste ihn die Wehmut. Davon war am Freitagabend nichts mehr zu spüren, als er den begeisterten Zuschauern mit der grotesken Komik eines Louis de Funès Freudentränen entlockte und als finale Zugabe zur Freude aller lyrisch anhob: „Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde ..."

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