Zwei Ärztehäuser kommen auf den Marktplatz

Sonja Faulhaber

Viel Platz zum Parken: Der Entwurf von Architekt Hendrik Nitschke sieht zwischen Apotheke und erstem Ärztehaus (rechts) zusätzliche oberirdische Parkplätze vor, ebenso hinter dem Haus. Ein zweites Ärztehaus sowie ein Sanitätshaus sollen sich in Richtung Fivizzanoplatz (links im Bild) anschließen. Grafik: Architekturbüro Hendrik Nitschke - © Architekturbüro Hendrik Nitschke
Viel Platz zum Parken: Der Entwurf von Architekt Hendrik Nitschke sieht zwischen Apotheke und erstem Ärztehaus (rechts) zusätzliche oberirdische Parkplätze vor, ebenso hinter dem Haus. Ein zweites Ärztehaus sowie ein Sanitätshaus sollen sich in Richtung Fivizzanoplatz (links im Bild) anschließen. Grafik: Architekturbüro Hendrik Nitschke (© Architekturbüro Hendrik Nitschke)

Steinhagen. Nachdem die CDU bereits während ihrer öffentlichen Fraktionssitzung deutlich gemacht hatte, dass sie für die Neubauten am Markt den Entwurf von Architekt Hendrik Nitschke favorisieren, sprachen sich Mittwochabend auch die Vertreter von SPD und FDP geschlossen für diese Planungen aus. Es war das Ergebnis einer sechsmonatigen Planungsphase.

Mit der Idee, Alternativen zu einem Ärztehaus zu finden, hatten die Politiker aller Parteien im März beschlossen, einen Architektenwettbewerb auszurufen. Die Idee von Herbert Mikoteit (CDU), dort Einzelhandel anzusiedeln, fand ein jähes Ende, als es von keinem der zu diesem Thema angeschriebenen Büros eine Rückmeldung gab. Trotzdem wurde der Wettbewerb fortgesetzt – jetzt mit dem Ziel, eine gelungene Architektur für Ärztehäuser am Markt zu finden. Am Mittwochabend erläuterten CDU, SPD, Grüne und FDP im Haupt- und Finanzausschuss, warum sie welchen Vorschlag favorisieren.

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Hier finden Sie alle Berichte zur Bebauung am Markt in Steinhagen.

Die CDU lehnte dabei vor allem die Idee der Architekten Hauer aus Gütersloh und Streich aus Bielefeld ab, die Parkplätze hauptsächlich unter die Erde zu verlegen. Eines ihrer Argumente pro Nitschke-Entwurf: „Eine Tiefgarage wird nicht genutzt, gerade Kurzzeitparker parken lieber draußen", so Herbert Mikoteit. Damit blieb für ihn und seine Fraktion nur der Entwurf Nitschke über, der zusätzlich zur Tiefgarage auf oberirdische Parkplätze setzt.

„Der Markt wird mit Parkplätzen zugepflastert"

Dass das gerade eben umgesetzte Verkehrskonzept, das die Autos vom Markt wegholen soll, um die Aufenthaltsqualität zu steigern, damit hinfällig wird, bewegte an diesem Abend vor allem die Grünen. Sie favorisierten daher auch den Vorschlag des Architekten Walter Hauer. „Hier fügen sich die Gebäude kleinteilig in die Bebauung ein und die Aufenthaltsqualität am Markt ist am höchsten", betonte Detlef Gohr (Grüne). Seine Kritik am Nitschke-Entwurf. „Der Marktplatz wird mit Parkplätzen zugepflastert. Wir holen uns den Verkehr massiv in den Ort." Am Ende standen die zwei Stimmen der Grünen jedoch gegen die Mehrheit aus SPD, CDU, FDP und Bürgermeister.

Die SPD begründete ihre Entscheidung für den Entwurf von Hendrik Nitschke wie folgt: „Er ist am schnellsten realisierbar, um ein attraktives Angebot für Ärzte zu machen", so Sabine Godejohann. Aus ihrer Sicht seien auch Praxen Frequenzbringer für den Ort, außerdem „müssen wir uns am Notwendigen orientieren".

Architekt Hendrik Nitschke hatte für den Wettbewerb seine Pläne vom Januar, die er im Auftrag von Lutz Heitland entworfen hatte, noch einmal überarbeitet. Vor allem die Größe der Gebäude mit drei Geschossen war von allen Seiten kritisiert worden. Jetzt sind die Häuser nur noch zweigeschossig und die Optik ist luftiger mit breiteren Abständen zwischen den Gebäuden.

Neben zwei Häusern mit Arztpraxen und Wohnungen könnte es in Richtung Fivizzanoplatz noch ein drittes Gebäude mit einem Sanitätshaus geben. Dafür hat Hendrik Nitschke bereits einen Interessenten an der Hand. Dieses würde dann die neue Gesundheitsmeile von Steinhagen, eine Apotheke besteht dort bereits, komplettieren.

KOMMENTAR

Zeit und Geld verloren

Zehn Monate ist es jetzt her, dass Apotheker und Investor Lutz Heitland zum ersten Mal seine Idee öffentlich machte, ein Ärztehaus am Markt zu bauen. Im März entschied die Politik dann, 30 000 Euro für einen Architektenwettbewerb zu investieren und Alternativen zum Ärztehaus zu suchen. Sechs Monate später liegt das innovative Ergebnis auf dem Tisch: ein Ärztehaus. Gebaut nach den mittlerweile modifizierten Plänen von Nitschke. Die Gebäudekomplexe sind jetzt kleiner und gefälliger, ja.

Doch dieses Ergebnis hätte wahrscheinlich auch ein Gespräch mit dem Investor erbracht. Diesem Gewinn an Optik und dem Gefühl der Politik, die Zügel nicht aus der Hand gegeben zu haben, stehen zwei große Verluste entgegen: Zum einen Geld, denn der Architektenwettbewerb hat 30 000 Euro gekostet. Zum anderen, und das ist viel schlimmer, Zeit. Nicht nur, dass die ersten Mauern des Ärztehauses schon stehen könnten, hätte man im Frühjahr den Plänen von Investor Lutz Heitland zugestimmt.

Es hätte auch zwei Hausärzte gegeben, die dort eingezogen wären. Jetzt sind sie weg und die Suche beginnt von vorn. Und die Politik? Vertreter aller Parteien haben betont, die Pläne jetzt so schnell wie möglich umzusetzen. Besser spät als nie.

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