Fachsimpeln mit den "Harley Bobber Twins" aus Amshausen

Jonas Damme

Die Bobber-Twins: Peter Scholz (vorne) und sein Bruder Helmut Hahn auf ihren Harley Davidson Sofftail Springer. - © Jonas Damme
Die Bobber-Twins: Peter Scholz (vorne) und sein Bruder Helmut Hahn auf ihren Harley Davidson Sofftail Springer. (© Jonas Damme)

Steinhagen-Amshausen. Wenn Helmut Hahn und Peter Scholz auf ihren Harleys des Weges kommen, klingt das nicht nur brutal, es sieht auch martialisch aus.

Grimmige, bärtige Männer auf schweren Choppern in Lederkutten, könnte man denken – ist aber ganz falsch. Gleich in mehrfacher Hinsicht: Zuerst einmal sind die Zwillinge sehr auskömmliche Menschen und außerdem sind ihre Harley Davidsons keine Chopper – da legen sie Wert drauf – sondern »Bobber«. „Den Unterschied erkennt man schon am Vorderrad", erklärt Peter Scholz.

Während Chopper lange Federgabeln und dünne Vorderräder hätten, gehöre bei einem Bobber, „vorne ein dickes Rad rein". Auch sonst sucht der Bobber eher die historische Optik amerikanischer Nachkriegsmotorräder, die damals von jungen Leuten gerne zu Sportmaschinen umgebaut wurden.

Vor neun Jahren vom Bobber-Virus infiziert

Noch heute ist das vielleicht wichtigste Merkmal aller Bobber das fehlende vordere Schutzblech, das ursprünglich abgebaut wurde, um Gewicht einzusparen.

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Comeback im Sinkflug

Vor einigen Jahren schrieben Motorzeitschriften noch vom Comeback der Marke Harley Davidson. Mehrfach vermeldete der 1903 gegründete Motorradbauer im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends zweistellige Zuwächse bei den Verkäufen. Damit kämpfte sich Milwaukee langsam in den Japan-dominierten Markt zurück. Galten die Motorräder zuvor in Deutschland noch als Exoten, gehören die neueren Modelle hierzulande mittlerweile auch zum Straßenbild. Zwei von drei Harleys werden allerdings immer noch in den USA verkauft. Mittlerweile scheint sich das Comeback aber erschöpft zu haben. Auch wegen des relativ hohen Preises sinken die Verkaufszahlen weltweit.

Vor neun Jahren sind die Amshausener Zwillinge dem Bobber-Virus zum Opfer gefallen. „Motorrad fahren wir schon immer. Vorher waren es halt Brenner", so Scholz. „Brenner" meint japanische Rennmaschinen. Mit Mitte 30 wurde aber auch der Fahrstil der beiden ruhiger und die erste Harley zog in die Amshausener Garage ein. Warum gerade Harley? „So eine wollte ich immer schon", sagt Peter Scholz.

Schon damals war aber klar, dass Motorräder von der Stange ihre Sache nicht sind. Bereits als Jugendliche haben Peter und Helmut an ihren Mofas gelernt, worauf es beim Schrauben ankommt. Seitdem hat sich nicht nur das Material, sondern auch ihre Fähigkeiten weiterentwickelt. „Unsere erste Harley war eine Softtail, ein Komplettumbau", erinnert sich Helmut Hahn. Zwar sei deren Optik durchaus etwas besonderes gewesen, schnell reifte aber der Gedanke, selbstdesignte Motorräder zu fahren. Nachdem zwischendurch auch eine elegante, langgezogene Streetglide die kleine Garage bereicherte, sind die beiden 42-Jährigen nun vorerst endgültig bei ihrem Lieblingsmodell angekommen: zwei modifizierte Softtails aus den 1990ern mit altmodischen, gefederten Springergabeln.

Nur der Kenner erkennt bei den beiden Exemplaren die Peter und Helmut fahren aber noch das Original. Unzählige Umbauten machen ihre Lieblingsstücke einzig- oder besser »zweizigartig«. Denn wie ihre beiden Fahrer auch, ähneln sich die Maschinen in vielem.

Beide bekamen Federsattel verpasst, haben Lenker in Überbreite, sind individuell lackiert und pulverbeschichtet. Die radikalste Veränderung ist aber wohl der Umbau auf Handschaltung. Ursprünglich wurden die Softtails – wie fast alle anderen Motorräder auch – mit dem Fuß geschaltet. Bei den beiden Maßanfertigungen werden die Gänge aber nun, wie bei frühen amerikanischen Motorrädern, mit der Hand eingelegt. „Daran gewöhnt man sich", sagt Peter Scholz. Ganz ohne ist es aber nicht, während der Fahrt eine Hand vom überbreiten Lenker zu nehmen, um an den Schaltknüppel zu kommen.

Viele Abende und Samstage haben die hauptberuflichen Garten- und Landschaftsbauer in ihre beiden Maschinen investiert. Mittlerweile haben sie schon zwei weitere Projekte gestartet. Die Maschine von Peters Ehefrau ist bereits fertig und erntet viel Lob. Gegenwärtig soll außerdem eine Sportster für den Sohn der Familie umgebaut werden.

Dass ihre Umbauten Stil haben, wurde Peter und Helmut schon von vielen Harley-Fans bestätigt. Spätestens seit sie ihre Maschinen bei den Hamburger Harley Days gezeigt haben, ist es aber amtlich. „Paul senior von Orange County Choppers kam zu uns und war begeistert", erzählt Peter. Unter echten Harley-Fans ist Orange County Choppers (kurz OCC) eine Institution. Spätestens seit der eigenen Fernsehserie ist die U.S.-amerikanische Motorradwerkstatt ein Mekka der Chopper- und Bobber-Szene, weiß auch auch Bruder Helmut: „Wenn so jemand zwischen all den Profiumbauten unsere Garagenmotorräder lobt, ist das wirklich etwas Besonderes."

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