Kritik an Vorschlägen zum Markt: „Dann geht der Marktplatz unter“

Frank Jasper

Blick in die Straße Am Markt: Die Häuserzeile rechts, gegenüber vom Brinkhaus, soll komplett überplant werden. Ein Ärztehaus in direkter Nachbarschaft zur Marktapotheke (Bildmitte) ist eine Option, für die sich Lutz Heitland starkmacht. Drei Architekturbüros haben ihre Vorschläge präsentiert. - © Foto: Frank Jasper
Blick in die Straße Am Markt: Die Häuserzeile rechts, gegenüber vom Brinkhaus, soll komplett überplant werden. Ein Ärztehaus in direkter Nachbarschaft zur Marktapotheke (Bildmitte) ist eine Option, für die sich Lutz Heitland starkmacht. Drei Architekturbüros haben ihre Vorschläge präsentiert. (© Foto: Frank Jasper)
Äußert Kritik: Apotheker Lutz Heitland. - © Foto: Jonas Damme
Äußert Kritik: Apotheker Lutz Heitland. (© Foto: Jonas Damme)

Steinhagen. Eine Einigung auf einen Entwurf beim Architekturwettbewerb zum Markt war laut Bürgermeister Klaus Besser am Mittwochabend nicht möglich, weil es auch innerhalb der politischen Fraktionen unterschiedliche Auffassungen gab. Wie berichtet, war die Präsentation der Konzepte vorverlegt worden, um möglichst schnell Planungssicherheit zu garantieren.

Doch während der Sitzungsunterbrechung zeigte sich schnell, dass dieses Ziel nicht eingehalten würde. „Wir werden jetzt die Zeit bis zur nächsten Ausschusssitzung am 13. September nutzen, um mit allen Architekten und Investoren zu sprechen“, kündigte Besser an und betont: „Es geht hier schließlich um eine wichtige städtebauliche Frage.“

Eine Verzögerung des weiteren Planungsprozesses sieht er trotz der vertagten Entscheidung nicht. „Hätten wir jetzt einen Gewinner, würden wir mit dem ein Gespräch führen, wie es weitergeht. Jetzt sind es eben drei Gesprächsrunden“, erklärt der Bürgermeister. Schließlich handele es sich bei den Wettbewerbsbeiträgen um „Grobkonzepte“, die ohnehin verfeinert werden müssten.

Welchen der drei Vorschläge er favorisiert, wollte der Bürgermeister auf Nachfrage nicht verraten. Eine Kindertagesstätte am Markt, wie im Konzept von Architekt Hen-drik Nitschke vorgesehen, sieht er allerdings an diesem zen-tralen Standort kritisch.

Apotheker Lutz Heitland lässt hingegen keinen Zweifel daran, welches Konzept er sich am ehesten vorstellen kann. Heitland hatte wie mehrfach berichtet ein Ärztehaus vorgeschlagen und bereits zusammen mit dem Büro Nitschke Pläne dafür geschmiedet. An den konkurrierenden Wettbewerbsbeiträgen, die er am Mittwoch als Gast in der Ausschusssitzung präsentiert bekam, übt er teils harsche Kritik.

„Das war zum Teil völlig am Thema vorbei“, urteilt Heitland im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. „Der Marktplatz soll ein Ort der Begegnung sein und das Büro Hauer plant dort ein Wohngebiet.“ Tatsächlich stellte Hauer ein kleinteiliges zusammenhängendes Quartier mit innenliegenden Wohnhöfen vor, in dessen Erdgeschossen aber durchaus Handel und Dienstleistungen vorstellbar sind. „Unfug“, urteilt Lutz Heitland, „in so einem langen Schlauch kann man keine Großpraxis mit 400 Quadratmetern unterbringen.“

Seiner Meinung nach vernachlässigen alle Wettbewerbsbeiträge den Bedarf an Parkraum. „Die Kunden müssen die Dienstleister mit dem Auto erreichen können. Warum haben wir am Einkaufszentrum an der Mühlenstraße Erfolg und am Marktplatz nicht?“, fragt Heitland und liefert die Antwort gleich hinterher: „Weil die Kunden uns an der Mühlenstraße bequem mit dem Auto erreichen können.“ Heitland prophezeit: „Werden diese Pläne realisiert, dann geht alles unter am Markt.“

Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Marktapotheke seiner Tochter vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung am Markt – dazu zählt auch der Weggang von Dr. Peter Fischer aus dem dort ansässigen MVZ – bedroht sieht. „Die Apotheke ist einer der wenigen Frequenzbringer, die es am Marktplatz noch gibt. Sie ist hochgradig gefährdet.“ Daneben befürchtet er, dass Mediziner, die sich für das Ärztehaus am Markt interessieren, abspringen, wenn nicht zeitnah eine Entscheidung zur Gestaltung der Straße Am Markt getroffen wird.

Copyright © Haller Kreisblatt 2017
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

captcha