Die Weichen sind gestellt

Alexander Grodzinski renoviert den alten Bahnhof

Jonas Damme

Früher Kohle, heute Klempnerwerkzeug: 300 Quadratmeter Lagerfläche bietet Alexander Grodzinski der großzügige Anbau des alten Bahnhofsgebäudes. Fotos: Jonas Damme - © Jonas Damme
Früher Kohle, heute Klempnerwerkzeug: 300 Quadratmeter Lagerfläche bietet Alexander Grodzinski der großzügige Anbau des alten Bahnhofsgebäudes. Fotos: Jonas Damme (© Jonas Damme)

Steinhagen. Der Bahnhof hat eine mehr als 100-jährige Geschichte. 1894 wurde mit dem Bau des markanten Backsteingebäudes begonnen – noch zwei Jahre vor der eigentlichen Streckeneröffnung des Haller Willems. Mehrere Erweiterungen folgten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in den 1940er Jahren entstand der prägante vordere Teil, der bis heute das Aussehen des großen Hauses prägt. Seit einigen Monaten wird im Stillen ein neues Kapitel der Bahnhofschronik geschrieben.

Bereits 2015 erwarb Alexander Grodzinski das Gebäude für nur 120 000 Euro. „Das war ein echter Glücksgriff", sagt er. Dafür hat er aber auch einen Berg Arbeit mitgekauft. Schon seit einigen Monaten renoviert Grodzinski unterstützt von lokalen Handwerkern die 800 Quadratmeter große Immobilie. „Ich rechne mit weiteren 200- bis 250 000 Euro Kosten, bis alles fertig ist."

Auf den ersten Blick sieht der Passant wenig von den Arbeiten. Das liegt daran, dass das meiste im Innenbereich geschieht. „Die Außenarbeiten sind erst mal noch nicht nötig", so der 39-Jährige. Zwar hätten besonders die Vibrationen des Haller Willems Spuren im 123 Jahre alten Mauerwerk hinterlassen. Die Architektenexpertise hat dem Gebäude trotzdem ein ordentliche Substanz attestiert.

Die Weichen sind gestellt

Für Grodzinskis Heizung- und Sanitär-Meisterbetrieb allein ist das Gebäude zu groß. Deswegen soll der vordere Teil ab Sommer an das Taxiunternehmen Weber vermietet werden (das HK berichtete). Gegenwärtig werden dafür die Räume der geschlossenen Bahnhofsgasstätte »Bei Elli« – deren Betreiberin zuletzt Zahlungsunfähig war – für Taxibetreiber Dirk Könemann und seine Fahrer umgebaut. Aus Tresen- und Schankbereich werden so Zentrale und Sozialräume.

In den eigentlichen historischen Bahnhofsräumen logiert bereits eine psychologische Praxis. Dort, wo vor einigen Jahren noch die massive Weichenstellanlage den Raum blockierte, laden nun gemütliche Sessel zum Gespräch ein. Außerdem hat Hauseigentümer Grodzinski zwei private Mieter.

Im hinteren Teil des Bahnhofsgebäudes sitzt Grodzinskis Betrieb selbst. Neben Büros und Besprechungsräumen hat er dort 300 Quadratmeter Lagerfläche. „Im alten Lagerhaus der Bahn wurde früher die Kohle für die Dampfloks gelagert", weiß der Klempner. „Außerdem soll hier auch Kohle für Steinhagen verkauft worden sein." Mit viel Eigeninitiative will Alexander Grodzinski seiner geschichtsträchtigen Immobilie neues Leben einhauchen. Sowohl im Obergeschoss, als auch in den vorderen Räumen ist noch einiges zu tun.

„Bis August wollen wir fertig sein", kündigt der tatkräftige Klempner an. Dann bringt das Taxiunternehmen weiteres Leben ins alte Gemäuer.

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