Primarstufe ist zu 90 Prozent weiblich

Für die Berufswahl ist oft ein zentraler Aspekt entscheidend

Jonas Damme

Grundschule ist weiblich: Männeranteile am Lehrpersonal in NRW - © Grafik: IT NRW
Grundschule ist weiblich: Männeranteile am Lehrpersonal in NRW (© Grafik: IT NRW)

Steinhagen. Je jünger die Schülerinnen und Schüler an Bildungseinrichtung sind, desto weniger männliches Personal betreut sie. Das ist Fakt. Auch an zwei Steinhagener Grundschulen arbeitet jeweils nur ein Mann: der Hausmeister. Und an den anderen drei Grundschulen der Gemeinde arbeiten nur insgesamt fünf männliche Lehrer, aber 65 weibliche. Damit liegen sie zwar leicht unter dem Landesdurchschnitt, grundsätzlich spiegelt der niedrige Männeranteil an Grundschulen aber den allgemeinen Trend wider. Die Realschule ist da erheblich ausgeglichener, 19 Männer unterrichten zusammen mit 33 Frauen.

Realschulrektor Frank Kahrau - © Foto: HK
Realschulrektor Frank Kahrau (© Foto: HK)

Die Gründe dafür lassen sich zum Teil benennen: Der erste ist, dass Grundschullehrer weniger verdienen, als ihre Kollegen der Sekundarstufe – zwischen 3400 und 4600 Euro monatlich brutto. „Aus den Erfahrungen im meinem persönlichen Bekanntenkreis glaube ich auch: Das liegt oft erst mal an der Bezahlung“, vermutet Frank Kahrau, Leiter der Realschule. Im Studium habe er den Eindruck gewonnen, dass Männer sich eher von dem niedrigen Einstiegsgehalt der Grundschulen abschrecken lassen. „Viele Frauen wollen bewusst an die Grundschule, da ist das Gehalt dann sekundär.“

Gymnasiallehrer liegen automatisch etwa eine Gehaltsstufe höher und verdienen damit etwa so viel, wie der Leiter einer Grundschule. Dazu passt, dass NRW-weit an Gymnasien der Männeranteil am höchsten ist. In Steinhagen liegt er bei 38 Prozent (gegenüber rund 7 Prozent an den Grundschulen). Etwa 60 Frauen unterrichten am SteinGy zusammen mit etwas mehr als 30 Männern (die Teilzeitstellen sind prozentual nicht einkalkuliert). Trotzdem fällt auch an den Gymnasien landesweit gesehen der Männeranteil: Lag er vor zehn Jahren noch bei mehr als 50 Prozent (siehe Grafik) ist er mittlerweile rapide gesunken.

Die Steinhagener Realschule liegt mit 36 Prozent etwas niedriger. Frank Kahrau ist mit dem Verhältnis an seiner Schule grundsätzlich zufrieden, „Ich wünsche mir eine gute Durchmischung“, sagt er. Den extrem niedrigen Männeranteil an Grundschulen sieht er aber durchaus kritisch. „Männer sind ein Vorbild für die Jungs. Ihre Vorgehensweise ist doch manchmal einfach anders.“ Solange die Arbeit von Grundschullehrkräften aber finanziell nicht entsprechend gewürdigt werde, werde sich das Problem wohl nicht auflösen. „Grundschullehrer und -lehrerinnen sind unterbezahlt, genauso wie auch Kindergärtner.“ Deshalb müsse man sich auch nicht wundern, dass an Grundschulen so viele Stellen unbesetzt seien. „Um Grundschulrektor zu werden, muss man schon Idealist sein.“

All dieses Eindrücke seien natürlich nur bedingt verallgemeinerbar. „Ich wollte ganz bewusst in den Sek-1-Bereich“, sagt Frank Kahrau, „und habe damals an das Gehalt gar nicht gedacht.“

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