Pastor Karl-Alfred Dautermann verlässt Halle

Rolf Uhlemeier

Mit Wehmut im Blick: Lange war das Gemeindehaus an der Rilkestraße die berufliche Heimstätte von Pastor Karl-Alfred Dautermann. Am 6. Mai findet dort der Abschiedsgottesdienst statt. - © Rolf Uhlemeier
Mit Wehmut im Blick: Lange war das Gemeindehaus an der Rilkestraße die berufliche Heimstätte von Pastor Karl-Alfred Dautermann. Am 6. Mai findet dort der Abschiedsgottesdienst statt. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Schmucke Einfamilienhäuser säumen zu beiden Seiten die schmale Rilkestraße. Wenn sich zwei Autos begegnen, wird es eng. Hier würde man kein Gemeindezentrum vermuten. An ihrem Ende weitet sich die Sackgasse zu einem kleinen Parkplatz, der vielleicht zehn Autos Platz bietet. Hier ist sie zuhause, die Freie evangelischen Gemeinde Halle – kurz FeG . Einladend steht die Eingangstür offen und lässt die wärmenden Strahlen der Februarsonne herein. Hier hat Pastor Karl-Alfred Dautermann mehr als zwölf Jahre gewirkt, hat das Gemeindeleben geprägt.

Am 1. Oktober 2005 hat er seinen Dienst in der Haller Freikirche begonnen und nun neigt sich dieser seinem Ende entgegen. „Der 6. Mai wird mein letzter Arbeitstag hier in Halle sein", sagt er und fügt noch kurz an, dass es am Nachmittag eine kleine Abschiedsfeier geben werde. Für die letzten zehn Jahre seines Berufslebens sucht der Pastor noch einmal eine neue Herausforderung. Zusammen mit seiner Frau Sabine und seinen Eltern wird Karl-Alfred Dautermann „ins schöne Waldecker Land gehen", wie er sagt. Dort übernimmt er zwei kleine Gemeinden – Bad Arolsen und Ippinghausen , ein Stadtteil von Wolfhagen .

„Das war damals eine schwierige Gemeindesituation"

Für den Pastor wird es ein Neubeginn, ähnlich wie 2005, als er mit seiner Frau Sabine und den beiden Kindern im August an den Südhang des Teutoburger Waldes kam. „Das war damals eine schwierige Gemeindesituation", erinnert sich der Familienvater und ergänzt: „Sowohl inhaltlich als auch finanziell." Mit „mutigen und fleißigen Gemeindeleitern, vielen treuen und eifrigen Mitarbeitern und Gottes Segen" sei es gelungen, die FeG in eine neue Zeit zu führen. „Die Gemeinden müssen sich aus eigener Kraft finanziell, inhaltlich und in Bezug auf ihre Mitarbeiter selbst tragen – es gibt keinen Support von außen", erklärt der Pastor und verweist darauf, dass die FeG eine Freiwilligkeitskirche und jedes Gemeindeglied ein Überzeugungstäter sei: „Wenn nicht alle mitarbeiten, dann funktioniert es nicht."

Besonderen Wert legt Karl-Alfred Dautermann darauf, dass es von Anfang an ein großes Anliegen der Gemeinde war, „die christliche Botschaft denen näher zu bringen, die wenig bis nichts damit anfangen können. Wir sind kein christlicher Kuschelclub ".

An der Rilkestraße geht es dennoch sehr familiär zu. „Wenn Sie hier hereinkommen, dann führt nichts an einer Begrüßung vorbei. Wer das nicht mag, der kommt so schnell nicht wieder." Der erste Höhepunkt in der Ära des neuen Pastors ließ nicht lange auf sich warten: Die Kampagne mit den drei Slogans »er kommt – er kommt bald – er ist da« und den finalen Zelttagen auf dem alten Busbahnhof war im April 2006 ein voller Erfolg. Danach wurden die Starterkurse – inhaltlich und formell ähnlich den Alphakursen der evangelischen Kirche – sehr gut besucht. Mittlerweile läuft die neunte Veranstaltung und insgesamt sind es mehr als 100 Teilnehmer.

Vom sonnendurchfluteten Eingangsbereich geht Karl-Alfred Dautermann weiter in das Herz des Gemeindezentrums, den großen Raum mit der hohen Decke und dem Taufbecken, in dem die Gottesdienste abgehalten werden. „Wenn wir hier Hochzeiten feiern, dann stehen die Menschen schon mal bis draußen vor dem Eingang", sagt der Pastor und lässt den Blick über die Stuhlreihen mit ihren 100 Sitzplätzen schweifen: „Wir haben 74 feste Gemeindeglieder, 50 regelmäßige Gäste und die Kinder kommen noch obendrauf – da kann es schon mal eng werden."

Deshalb bemüht sich die Gemeinde auch um den Bau eines neuen Gebäudes ganz in der Nähe auf dem Borgers-Gelände. Dank eines größeren Erbes im vergangenen Jahr verfügt die Haller Freikirche über die nötigen Mittel, um das Projekt zu realisieren. Daran war 2009 bei den Festlichkeiten zum 75-jährigen Gemeindejubiläum im Forum des Schulzentrums Masch noch nicht zu denken. „Das war der Abschluss mit unserer schwierigen Vergangenheit. Da war uns das Bekenntnis, dass wir vielen Menschen weh getan haben und dass manche nicht gut für uns waren, sehr wichtig", sagt Dautermann .

Ein weiterer Höhepunkt des Gemeindelebens war 2015 die » ProChrist «-Veranstaltung in Borgholzhausen mit der FeG aus Dissen und der LKG aus Werther. Viele junge Familien haben sich laut Karl-Alfred Dautermann in den vergangenen Jahren der Gemeinschaft angeschlossen. Die Arbeit mit Gefangenen, die Aktion »Pakete zum Leben«, die Open-Air-Gottesdienste im Skulpturenpark sowie die Arbeit mit Flüchtlingen sind fester Bestandteil der Freikirche.

„Pastoren, besonders freikirchliche, sind auch Vagabunden"

Das alles wird Karl-Alfred Dautermann in einigen Wochen hinter sich lassen und eine neue Aufgabe beginnen: „Ich habe noch zehn Jahre zu arbeiten und das ist eine gute Zeit, um etwas zu verändern. In seiner künftigen Wahlheimat hat die Familie ein neues Domizil gefunden, in dem auch die Eltern von Karl-Alfred Dautermann leben werden: „Meine Frau ist Krankenschwester und arbeitet in der Tagespflege des Marienheims . Sie wird ihren Beruf aufgeben und meine Eltern pflegen." Auch das gehört für Karl-Alfred Dautermann dazu, wenn man den christlichen Glauben lebt. Gemeinsam wollen sie sich dieser Herausforderung stellen.

Ein bisschen wehmütig spricht der Pastor über seine Gemeinde und über die Möglichkeiten, die ein neues Gemeindehaus bieten würde. Doch da ist auch diese Aufbruchstimmung, der Wunsch, noch einmal den Zauber des Neuanfangs zu spüren: „Das wird dann meine vierte Dienststelle – überall gab es Schönes und auch Schweres. Pastoren, besonders freikirchliche, sind halt auch Vagabunden ..."

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