Mehr Wohlfühlplätze für Jugendliche geplant

Heiko Kaiser

Treffpunkt Schulhof: Grundsätzlich dürfen Jugendliche hier zusammenkommen. Unter gewissen Voraussetzungen: Rauchen, Alkoholgenuss und ein zu hoher Lärmpegel rufen das Ordnungsamt auf den Plan. Foto: dpa - © Verwendung weltweit
Treffpunkt Schulhof: Grundsätzlich dürfen Jugendliche hier zusammenkommen. Unter gewissen Voraussetzungen: Rauchen, Alkoholgenuss und ein zu hoher Lärmpegel rufen das Ordnungsamt auf den Plan. Foto: dpa (© Verwendung weltweit)

Halle.Wachdienste sichern nachts die Schulhöfe, Kameras dokumentieren nach Einbruch der Dunkelheit das Geschehen. Viele Kommunen sind ratlos angesichts von Jugendlichen, die sich zu vorgerückter Stunde an öffentlichen Plätzen treffen und dabei nicht selten Müll oder auch Zerstörung hinterlassen.

Dieses Thema war jetzt auch Gegenstand der Beratungen im Haller Ausschuss für Jugend und Soziales. SPD-Fraktion und Jusos-AG hatten einen Antrag gestellt, die Verwaltung möge Vorschläge erarbeiten, um informelle Treffpunkte für Jugendliche in den Abendstunden einzurichten.

Hintergrund waren Beschwerden von Heranwachsenden darüber, dass sie vom Ordnungsamt regelmäßig von verschiedenen Orten, wie zum Beispiel der Halfpipe an der Masch, vertrieben würden und deshalb von Ort zu Ort durch die Stadt ziehen müssten, um sich zu treffen.

Regina Bresser von der Stadt Halle erklärte, dass vor allem an Wochenenden der Ordnungsdienst die Aufgabe habe, öffentliche Plätze zu überwachen. „Sie haben jedoch eindeutig den Auftrag, die Jugendlichen nicht zu vertreiben", betonte Regina Bresser. Dann fügte sie indes den entscheidenden Satz hinzu: „Wenn sie sich an die Regeln halten." Dazu gehöre beispielsweise, auf Schulhöfen nicht zu rauchen, keinen Alkohol zu trinken und den Lärm in erträglichem Maße zu halten. „Leider hatten wir große Probleme mit der Vermüllung dieser Plätze. Deshalb hat der Ordnungsdienst den Auftrag, die Personalien der Anwesenden aufzunehmen. Das, so glauben wir, setzt die Schwelle höher, den Ort vermüllt zu hinterlassen."

Offene Jugendarbeit statt Ordnungsamt

Renate Bölling (SPD) erinnerte daran, dass nach dem Brand des Bauwagens am Bahnhof vor zwei Jahren, den Jugendlichen ein Treffpunkt fehle. Sie riet dazu, statt mit dem Ordnungsamt besser mit Mitarbeitern der offenen Jugendarbeit auf die Jugendlichen zuzugehen.

„Das tun wir bereits. Wir sind dazu eigens mit einem Bulli unterwegs und sprechen die Jugendlichen an", erklärte Hermann Bußmeyer, verantwortlicher Abteilungsleiter bei der Stadt Halle. Bußmeyer betonte, man habe sich nach dem Brand des Bauwagens die Frage gestellt, ob es sinnvoll sei, einen neuen dort aufzustellen.

Entscheidung gegen neuen Bauwagen

„Wir haben uns dagegen entschieden, da die Gruppe, die sich dort getroffen hatte, auseinandergefallen war. Und wir wussten nicht, für wen wir einen neuen Bauwagen aufstellen sollten", so Bußmeyer. Damit sprach er ein zentrales Problem an. „Denn Erfahrungen in der Jugendarbeit haben immer wieder gezeigt, dass gerade Treffpunkte, die angeboten werden, nicht angenommen werden", heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Die Jugendlichen dabei mit ins Boot zu holen sei schwierig, erklärte auch Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Zwar habe sie mehrfach Anfragen bezüglich Treffpunkten bekommen. Immer dann aber, wenn es konkret darum ging, das Problem, unter anderem bei Ortsterminen, zu erörtern, hätten die Jugendlichen gefehlt. So auch in der Ausschusssitzung, zu der einige Betroffene ihr Kommen zugesagt hatten, aber nicht erschienen waren.

Doris Diekmann (Grüne) brachte das Problem schließlich auf den Punkt: „Es ist schade, dass sich die Jugendlichen an vielen Orten unerwünscht fühlen. Die Stadt hat zwar erklärt, dass das nicht so ist, falls sie sich an die Regeln halten. Aber genau das wollen sie eben nicht. Hier gibt es zunächst keine Lösungen", sagte sie und Bußmeyer fügte hinzu: „Jugendliche wollen nun einmal die Grenzen austesten und gehen dabei manchmal darüber hinaus. Eine Stadt wie Halle muss das aushalten und hier und dort auch mit einer Vermüllung leben."

Einstimmig wurde schließlich beschlossen, die städtische Jugendarbeit zu beauftragen, zusammen mit den Jugendlichen informelle Treffpunkte für die Abendstunden zu finden.

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