Unruhe in der Führung der Gerry Weber AG

Martin Krause

Gerry Weber - © Foto: Nicole Donath
Gerry Weber (© Foto: Nicole Donath)

Halle. Kurz und rätselhaft ist die Mitteilung, die der Aufsichtsrat der Gerry Weber AG gestern abend als „Insiderinformation" veröffentlichte: Das Kontrollgremium des Modekonzerns will demnach „kurzfristig über ein Ausscheiden des Vorstandsmitglieds Dr. David Frink und die künftige Vorstandsstruktur der Gesellschaft beraten und entscheiden".

Die naheliegende Schlussfolgerung, dass Frink bald die Gerry Weber AG verlässt, wollten die Konzernsprecherinnen aber nicht bestätigen. Zunächst müsse die Sitzung des zwölfköpfigen Aufsichtsrats, dem auch die Großaktionäre und Firmengründer Gerhard Weber und Udo Hardieck angehören, abgewartet werden, hieß es.

Es wäre innerhalb weniger Monate der zweite Abgang in Gerry Webers Vorstand: Erst Ende Juni 2017 hatte Retail–Vorstand und Hallhuber-Chef Norbert Steinke das Unternehmen verlassen. An seine Stelle soll 2018 der Ernsting’s-Family-Manager Johannes Ehling rücken.

Finanzchef Frink war 2009 vom Unterwäschehersteller Schiesser nach Halle gekommen – er galt als Wunschkandidat des damaligen Vorstandschefs Gerhard Weber. Ein paar Monate lang – nach Webers Wechsel in den Aufsichtsrat im Herbst 2014 – war Frink sogar Vorstandschef. Im Februar 2015 wurde Weber-Sohn Ralf Weber zum Vorstandsvorsitzenden berufen.

Wie viele andere Modekonzerne muss Gerry Weber derzeit saniert werden, mehr als 700 Stellen sollten abgebaut und mehr als 100 Filialen geschlossen werden. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2016/17 wurden erneut Verluste geschrieben. Der Aktienkurs liegt seit Januar 2016 nur knapp oberhalb der 10-Euro-Marke. Er ist am heutigen Mittwoch, 15. November, bis 13.30 Uhr um gut fünf Prozent auf 9,55 Euro gesunken.

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