So geht es den drei Kreis-Abgeordneten in Berlin

Nicole Donath

Das Reichstagsgebäude in Berlin: Hier befindet sich seit 1999 der Sitz des Deutschen Bundestages. In der nächsten Legislaturperiode gehören ihm drei Politiker aus dem Kreis Gütersloh an – von links: Udo Hemmelgarn (AfD), Elvan Korkmaz (SPD) und Ralph Brinkhaus (CDU). Montage: Sandra Neumann/Fotos: Niemann – stock.adobe; Tobias Koch; HK-Archiv - ©Maximilian Niemann - stock.adobe.com
Das Reichstagsgebäude in Berlin: Hier befindet sich seit 1999 der Sitz des Deutschen Bundestages. In der nächsten Legislaturperiode gehören ihm drei Politiker aus dem Kreis Gütersloh an – von links: Udo Hemmelgarn (AfD), Elvan Korkmaz (SPD) und Ralph Brinkhaus (CDU). Montage: Sandra Neumann/Fotos: Niemann – stock.adobe; Tobias Koch; HK-Archiv (©Maximilian Niemann - stock.adobe.com)

Kreis Gütersloh/Berlin. Mit deutlichem Abstand hat Ralph Brinkhaus (CDU) bei der Bundestagswahl am 24. September sein Direktmandat gewonnen und zieht damit automatisch in den Bundestag ein. Aber auch Elvan Korkmaz (SPD) und Udo Hemmelgarn (AfD) schafften den Sprung nach Berlin – über die Listen. Wenngleich die konstituierende Sitzung des neuen Bundestages erst am 24. Oktober stattfindet, waren alle drei Politiker bereits für erste Zusammenkünfte mit ihren Fraktionen in der Hauptstadt. Die Voraussetzungen waren denkbar unterschiedlich.

Ankunft in Berlin

Ralph Brinkhaus sitzt seit 2009 im Bundestag. Als er nach einem langen Montag in Düsseldorf am 26. September um 6.29 Uhr in den Zug nach Berlin stieg, wusste der Rheda-Wiedenbrücker deshalb genau, was ihn erwartet: sein bekanntes Büro, sein bekanntes Mitarbeiterteam und natürlich die Örtlichkeiten im Reichstagsgebäude. Weil er während der letzten Legislaturperiode dem Fraktionsvorstand angehörte, ist er aktuell Mitglied des kommissarischen Fraktionsvorstandes. Nicht zuletzt deshalb reiste er mit einem gültigen Abgeordnetenausweis zum Platz der Republik – die Arbeit konnte direkt beginnen.

Elvan Korkmaz ist zwar das erste Mal als Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertreten, trotzdem ist der Sozialdemokratin das Politikgeschäft in der Hauptstadt nicht fremd: Als stellvertretende SPD-Landesvorsitzende kennt die 32-Jährige die Parlamentsarbeit aus Düsseldorf, war bereits mehrfach im Bundestag zu Gast und nahm hier bereits an Fraktionssitzungen teil. Nicht zuletzt aufgrund ihrer guten Vernetzungen brauchte sie nicht lange zu suchen, sondern wurde von den etablierten Sozialdemokraten gleich in Empfang in genommen.

Anders sah es bei Udo Hemmelgarn aus, der bereits am Montagmittag nach der Wahl in die Hauptstadt fuhr: Der 58-Jährige musste erst noch mit der obligatorischen Bahnfahrkarte, die den Politikern einen Platz in der ersten Klasse sichert, und einem vorläufigen Abgeordnetenausweis ausgestattet werden. Und weil die AfD sowieso neu im Bundestag ist, fand der Harsewinkeler natürlich noch kein Büro vor, und vor November wird das offenbar auch nichts. Selbst dann müsse sich die Fraktion mit weniger Räumen bescheiden, als ihr eigentlich zustehen würde: „Wir hätten Anspruch auf 350 Büros", berichtet Hemmelgarn, „aber wir bekommen nur 73 plus weitere Fraktionsräume." Trotzdem hat er lobende Worte für die Mitarbeiter der Verwaltung: „Die geben sich große Mühe, waren sehr korrekt und höflich."

Aufgaben zum Start

Ralph Brinkhaus hatte gleich Termine am laufenden Band und pendelt dafür zwischen Berlin und Gütersloh: Landesgruppenvorstand, konstituierende Sitzung der Landesgruppe, Fraktionssitzung, erste politische Gespräche, Sitzung des Kreisvorstandes in Gütersloh, am nächsten Morgen wieder Besuchergruppen in Berlin sowie ein Finanzkongress. Der Christdemokrat war bei der Eröffnung der Europäischen Kulturwoche in Gütersloh sowie beim Erntedankumzug in Clarholz dabei. Am Tag der Deutschen Einheit weilte er morgens bei einer Feierstunde in Herford, ehe er am Nachmittag als Festredner in Lüdenscheid mit einer selbstverfassten Rede auftrat. Hinzu kommen weitere Lokaltermine, und Brinkhaus war nach den Gesprächen zwischen CDU und CSU am Wochenende auch ein gefragter Interviewpartner: Schon um 7.45 Uhr stand er Montagmorgen via Skype den Journalisten von Bild Rede und Antwort.

Elvan Korkmaz und Udo Hemmelgarn hatten in Berlin ein ähnliches Programm zu absolvieren: Fraktions- und Landesgruppensitzungen inklusive Wahlen. Und während die Sozialdemokratin ebenso wie Brinkhaus diverse Termine im Wahlkreis auf dem Plan hat und auch Mitglied des Kreistages bleiben wird, „um die Themen vor Ort nach Berlin tragen zu können", stehen für Hemmelgarn zurzeit noch andere Doppelschichten an: Der gelernte Industriekaufmann war bislang auf dem Immobiliensektor tätig, kaufte Grundstücke an, überplante sie und verkaufte sie weiter. Und natürlich müssen die aktuellen Geschäfte in diesen Wochen noch zu Ende geführt werden. Zwölf-Stunden-Tage kennen die drei also alle. Manchmal sind es auch noch mehr.

Persönliche politische Ziele

Zuletzt war Ralph Brinkhaus stellvertretender Fraktionsvorsitzender für den Bereich Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik. Und wenngleich der Diplom-Ökonom seine Schwerpunkte auch weiterhin bei Finanzen, Steuern und Europa setzen will, gibt er sich zurückhaltend, wenn es um mögliche Posten oder gar die Übernahme von Verantwortung geht: „Ich schaue einfach, wo ich der Fraktion helfen kann. Für mich ist es bereits ein ziemliches Privileg, direkt gewählt worden zu sein."

Als Elvan Korkmaz im Vorfeld gefragt wurde, welche Präferenzen sie in Bezug auf künftige Ausschüsse hat, gab die Diplom-Verwaltungswirtin die Felder Verkehr, digitale Infrastruktur, Jugend/Familie sowie Arbeit/Soziales an. „Allerdings müssen wir ja erst mal abwarten, wie der Zuschnitt der neuen Ressorts aussehen wird", räumt die Gütersloherin nun ein.

Die Favoritenliste von Udo Hemmelgarn sieht derweil so aus: „Auswärtiges, Umwelt und Naturschutz sowie Verkehr und digitale Infrastruktur."

Die Rollen der Fraktionen

Während Brinkhaus bei den NRW-Koalitionsverhandlungen mit am Tisch saß, hat er die Gespräche zwischen Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer von außen verfolgt und ist danach mit Blick auf die Bildung einer Jamaika-Koalition „sehr zuversichtlich" – auch wenn es beim Thema Migration noch einmal haarig werden könnte: „Mit der FDP wird es keine Probleme geben, aber die Grünen müssen erkennen, dass wir die Waage halten müssen zwischen humanitären Ansprüchen und dem, was leistbar ist. Die Menschen erwarten zu Recht ein Konzept von uns und das legen wir jetzt vor. Die vereinbarte Obergrenze von 200?000 Flüchtlingen pro Jahr ist ja nicht in Stein gemeißelt. Wenn der 200?001. an der Grenze steht, dem in seiner Heimat Tod und Folter drohen, werden wir ihn kaum wegschicken." Grundsätzlich hofft er, dass die Regierung bis Ende des Jahres steht.

Während sich die SPD nicht an der Regierungsbildung beteiligen will, kommen andere Aufgaben auf sie zu: „Wir müssen einiges aufarbeiten und analysieren", sagt Elvan Korkmaz offen. Und die AfD? Die wird abwarten, was sie in der Opposition bewegen kann, wo sie von allen anderen Parteien, die nicht einmal neben den AfD-Abgeordneten sitzen mögen, scharf beäugt wird. „Wir werden ganz rechts im Bundestag sitzen", bestätigt Hemmelgarn. „Dass die FDP nicht neben uns sitzen will, ist hanebüchen. Wir haben doch auch frühere FDP-Wähler in unseren Reihen."

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