Bernhard Seeger zieht mit seinen Teppichen ins Fachwerkhaus Brune

Nicole Donath

Neuanfang: "Teppich-Doktor" Bernhard Seeger (rechts) und Udo Weber haben viele Geschäftsideen für das historische Fachwerkhaus Brune. - © Nicole Donath
Neuanfang: "Teppich-Doktor" Bernhard Seeger (rechts) und Udo Weber haben viele Geschäftsideen für das historische Fachwerkhaus Brune. (© Nicole Donath)

Halle. Viereinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass Familie Staeck in der Bahnhofstraße 10 den Schlüssel umdrehen musste und Halle um einen besonderen kulinarischen Treffpunkt ärmer ist. Seit über drei Jahren hat das denkmalgeschützte Gebäude nun einen neuen Besitzer, doch seitdem stand es auch leer: Allein die hohen Brand- und Denkmalschutzauflagen machten es nicht einfach, eine Nachnutzung zu finden. Aber das ändert sich jetzt.

Am Donnerstag ist Bernhard Seeger, Inhaber des Fachgeschäftes für Knüpfhandwerk, aus der Bahnhofstraße 7 ausgezogen und hat seine wertvollen Teppiche auf die gegenüberliegende Straßenseite geschafft – ins ehemalige Restaurant Brune. Den früheren Speiseraum, dessen Wände und Böden holzvertäfelt sind und von wo aus man durch Butzenscheiben nach draußen schaut, hat er bereits mit seinen Teppichen ausgelegt. Auch seinen Schreibtisch sowie die Besprechungsecke für die Kunden mitsamt den weinrot bezogenen Sesseln hat er hier postiert.

In der Eingangshalle und der ehemaligen Bierstube mit dem großen Kamin, wo sich früher unter anderem die Stammtische versammelten und von Marianne, Bernd und MathiasStaeck bewirtet wurden, wartet indes noch viel Arbeit. „Aber bis Ende Oktober sind wir soweit, dass wir eröffnen können", sagt Bernhard Seeger. Die entsprechende Genehmigung der Stadt Halle, auch für die Werbung in den Fenstern, liegt laut Seeger bereits vor.

Steht jetzt leer: Der „schlechte bauliche Zustand“ bewog Bernhard Seeger zum vorzeitigen Auszug aus der Bahnhofstraße 7. - © Nicole Donath
Steht jetzt leer: Der „schlechte bauliche Zustand“ bewog Bernhard Seeger zum vorzeitigen Auszug aus der Bahnhofstraße 7. (© Nicole Donath)

Doch das Fachwerkhaus Brune soll nicht nur Anlaufstelle in Sachen Verkauf, Reparatur und Reinigung rund um Orientteppiche sein. „Nein, wir werden auch Antiquitäten und Bilder zum Verkauf anbieten", ergänzt Udo Weber, der gemeinsam mit dem "Teppich-Doktor" an dieser Stelle neues Leben in die Innenstadt bringen will.

Als Inhaber der Business Consulting vertreibt er auch Taschen und Schals, die ein weiterer Bestandteil der neuen Geschäftsidee für das Fachwerkhaus sein könnten. „Außerdem würde ich das Haus gerne als Galerie für Bilder und Skulpturen nutzen." Kontakte zu Künstlern hat er bereits geknüpft. Ideen und Möglichkeiten sehen Seeger und Weber viele, aber alle Ideen sollen in Ruhe und mit Bedacht entwickelt, die entsprechenden Behörden einbezogen werden.

Den überraschenden Auszug aus der Bahnhofstraße 7 nach dreieinhalb Jahren begründet Bernhard Seeger mit dem schlechten Zustand des Hauses: „Bereits im vergangenen Winter war die Heizungsanlage öfter ausgefallen, der versprochene neue Einbau ist bislang nicht erfolgt. Weil auch die Wände feucht sind, wollte ich mit den hochwertigen Teppichen keinen zweiten Winter unter diesen Umständen in den Räumlichkeiten verweilen und auch meine Gesundheit ist mir wichtig." Sein Gutachter hätte von einem „Totalschaden" gesprochen. Umso glücklicher sei er, dass sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine neue Möglichkeit aufgetan habe.

Das Fachwerkhaus Brune wurde im 17. Jahrhundert gebaut und diente der Stadt zunächst als Speicher. 1813 übernahm Franz Brune das Haus, gab ihm seinen Namen und eröffnete hier eine Bäckerei. Rechts neben dem Eingang wurden die Backwaren produziert und verkauft. Abends öffnete er seine Schankwirtschaft. Im ersten Obergeschoss war später das Landratsamt untergebracht.

Im Jahre 1882 gründeten hier 75 Männer die erste Haller Feuerwehr. Nicht zuletzt wurde im Hof das erste Eis in Halle verkauft. Meistens jedoch beherbergte das Fachwerkhaus, dessen Fundament auf Findlingen steht, ein Restaurant oder Hotel.

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