Unternehmen in Valmiera finden nicht mehr genügend Arbeitskräfte

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Valmiera Glasfaser - in dem Werk werden textile Glasfaser gefertigt, die zum Beispiel im Automobilbau zum Einsatz kommen - ist der größte Arbeitgeber in Valmiera. - © Archivfoto Kreis Gütersloh 2016
Valmiera Glasfaser - in dem Werk werden textile Glasfaser gefertigt, die zum Beispiel im Automobilbau zum Einsatz kommen - ist der größte Arbeitgeber in Valmiera. (© Archivfoto Kreis Gütersloh 2016)

Valmiera/Gütersloh (HK). Doloresa Volkopa, Personalreferentin des Glasfaserwerks in Valmiera, hat ein Problem: Sie findet nicht mehr genügend Arbeitskräfte. Die Stadt Valmiera, wirtschaftliches Zentrum der gleichnamigen Region, zieht schon jetzt aus einem weiten Umfeld Arbeitskräfte an: Auf 1000 Einwohner der Stadt kommen über 1000 Arbeitsplätze, die Arbeitslosenquote beträgt 4,2 Prozent. Bürgermeister Janis Baiks habe ihr gegenüber mal gesagt, er kenne jeden Einzelnen ohne Job in der Stadt. Womit er wohl ausdrücken wollte, dass die meisten von ihnen keine potenziellen Fachkräfte mehr darstellen.

Die gewaltige Anziehungskraft Valmieras hat zu einem steigenden Preisniveau auf dem Immobilienmarkt geführt, das Angebot ist nicht ausreichend. Die Stadt will jetzt gegensteuern und für die Schaffung von 700 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2020 sorgen, 150 davon sollen bereits Ende dieses Jahres bezugsfertig sein. Während zahlreiche ländlichen Großgemeinden Einwohner verlieren, wächst Valmiera: Offiziell leben knapp 25.000 in der Stadt, inoffiziellen Angaben zufolge sollen es 30.000 sein. Da auch in Lettland viele staatliche Zuschüsse von der Höhe der Einwohner abhängen, will man die Zugezogenen animieren, sich auch in der zweitgrößten Stadt des Landes anzumelden.

Die Besonderheit des neuen Industriegebiets von Valmiera: Es liegt in der Nachbargemeinde Beverina. Das Industriegebiet wird nach deutschen Maßstäben interkommunal und schließt sich räumlich direkt an den Bereich an, in dem das Glasfaserwerk Valmieras liegt. Wie auch Koceni und Burtnieki, zwei weitere angrenzende Großgemeinden, liegt Beverina im Speckgürtel Valmieras, 64 Prozent der arbeitenden Bevölkerung Beverinas ist in Valmiera beschäftigt.

Wer in Valmiera ein Haus bauen will, verwirklicht das in jüngerer Zeit häufig jenseits der Stadtgrenze in den drei Nachbargemeinden. Denn mit gut 19 Quadratkilometern ist die ehemalige Kreisstadt Valmiera relativ klein und es bietet wenig Platz für neue Industrie- oder Wohngebiete. Zum Vergleich: Halle mit rund 22.000 Einwohnern ist knapp 70 Quadratkilometer groß.

Zum Pendeln zu weit, zum Wohnen zu teuer

Personalreferentin Volkopa zieht die Kreise, innerhalb derer sie nach Fachkräften sucht, immer weiter. Vor kurzem warb sie in einer rund 100 Kilometer entfernten Ortschaft für Valmiera Glasfaser, nachdem dort eine Näherei zugemacht hatte. Vergebens. Fürs Pendeln ist die Strecke zu weit, zum Wohnen war den Arbeiterinnen der Ort zu teuer.

Seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 haben viele Letten ihr Glück woanders gesucht, sei es im Ausland, in der Hauptstadt Riga – dort lebt die Hälfte der zwei Millionen Letten – oder mitunter eben in Valmiera. Die Kehrseite der Entwicklung findet man in den Gemeinden im Norden der Region Valmiera, etwa in Naukseni (2300 Einwohner). In die Schule gehen dort Kinder von der ersten bis zur zwölften Klasse.

An den Flurwänden hängen die Fotos der Absolventen jahrgangsweise. Alle Rahmen sind gleich groß, in den vergangenen Jahren ist man dort dazu übergegangen, die Fotos etwas größer zu drucken, damit die Rahmen nicht so leer aussehen. Denn während 2006 und 2007 noch 33, beziehungsweise 39 junge Menschen hier ihre Hochschulreife machten, waren es 2016 und 2017 nur noch jeweils acht.

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