Die Satire: Einen Schritt voraus mit der Relativitäts-App

HK-Redakteur Heiko Kaiser nimmt das Geschehen im Altkreis aufs Korn.

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Der Kaiserschmarrn - © Foto: Heiko Kaiser
Der Kaiserschmarrn (© Foto: Heiko Kaiser)

Verwundert stellte sich Bauamtsleiter Jürgen Keil im Haller Haupt- und Finanzausschusses die Frage, wie diese Zeitung von den Plänen über die Storck-Erweiterung erfahren habe. „Von uns jedenfalls nicht“, erklärte er den ratlosen Ausschussmitgliedern. Der Kaiserschmarrn ist dem Mysterium nachgegangen und dabei auf den Kölkebecker Physiker Dr. Hauke Hasselbaum gestoßen. „Ja, wir forschen derzeit an einer so genannten Relativitäts-App, die die Einsteinschen Erkenntnisse von der Veränderbarkeit der Zeit nutzt.

Mit Hilfe von hochfrequenten Lichtstrahlen aus der Taschenlampe des Smartphones und unter gleichzeitigen kräftigen Schüttelbewegungen können die Nutzer Raum-Zeit-Phänomene erzeugen“, erklärt Hasselbaum. Damit seien sie in der Lage, für etwa 97 Sekunden, das neue iPhone 8 schafft sogar eine Minute und 37 Sekunden, mit Hilfe der eingebauten Kamera in die Zukunft zu blicken. Das genaue Landedatum kann zuvor bequem über den Touchscreen festgelegt werden. „Ja, wir haben dem Haller-Kreisblatt-Mitarbeiter einen Prototyp dieser App auf seinem Smartphone installiert“, gibt Hasselbaum auf Nachfrage zu.

Heiko Kaiser - © N. Donath
Heiko Kaiser (© N. Donath)

Der Kaiserschmarrn ist dem nachgegangen und hat

HK

-Redakteur Heinrich König bei der Arbeit mit der neuen App beobachtet. „Ok., Gerry Weber plant im Oktober 2018 den Gartnischer Weg zu kaufen, Brockmeyer will nach dem
A33-Lückenschluss
über die
B68
expandieren und Baxter stellt 2021 den Antrag, wegen besserer Forschungsbedingungen, ganz Künsebeck zu überdachen. Ah ja, alle sind damit einverstanden. Auch die Grünen“, murmelt König, während er auf sein Smartphone blickt und dabei eifrig Notizen macht. „Das Ding hat den investigativen Journalismus revolutioniert“, sagt er und fügt hinzu: „Ab sofort recherchieren wir bequem vom Schreibtisch aus und sind damit den Mitbewerbern immer einen Schritt voraus.“

Dann wird er blass: „Mein Gott, hier, 13. Juni 2018. Drei Mitglieder des Umweltausschusses, die die Schwimmmöglichkeiten im Sandforther See testen, sind verschwunden. Zu starke Strömungen, vermuten die herbeigerufenen Rettungskräfte.“ König denkt kurz nach, dann lächelt er verschmitzt. „Kein Problem, dann bestellen wir den Rettungsdienst eben zu einer Zeit an den Ort kurz bevor die Ausschussmitglieder in den See steigen“, sagt er und setzt mit Hilfe der neuen App einen Notruf in der Zukunft ab.

„Das wird auch das Rettungswesen im Kreis völlig verändern“, ist sich der Redakteur sicher. Das bisherige Ziel, bei 95 Prozent der Einsätze in zwölf Minuten am Einsatzort zu sein, so ist König überzeugt, wird bald schon überholt sein. „Wenn erst in der Gütersloher Leitzentrale diese App aktiviert ist, werden die Helfer in 100 Prozent der Notfälle fünf Minuten vor dem Eintritt des Ereignisses bereitstehen. Am Anfang wird es für die Betroffenen sicher etwas ungewohnt sein, wenn sie mitten in der Nacht geweckt werden und ein Notarzt über den bevorstehenden Herzinfarkt informiert.“

Dann kündigt ein Signal den Eingang einer Mail auf Königs Computer an. „Die Stadt Halle dementiert unseren Bericht im April 2019 von den Planungen eines Ravenna Parks III am Südhang des Teutoburger Waldes“, sagt er kopfschüttelnd. „Wir haben den aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht“, murmelt er nachdenklich. „Wie haben die nur ....?“ König wird erneut blass. „Mist, jetzt haben auch sie die neue App.“

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