Alleestraße: So sieht die Unfallstatistik aus

Nicole Donath

Unübersichtlich: Die querenden Radfahrer werden von den Kraftfahrern in den aufmündenden Straßen schnell übersehen. - © Nicole Donath
Unübersichtlich: Die querenden Radfahrer werden von den Kraftfahrern in den aufmündenden Straßen schnell übersehen. (© Nicole Donath)

Halle. 32 Verkehrsunfälle mit vier Schwer- und 20 Leichtverletzten hat der Beamte der Kreispolizeibehörde zwischen Januar 2014 und Juli 2017 registriert. „Und dabei fällt mir auf den ersten Blick Folgendes sofort auf: Im nördlichen Bereich der Alleestraße und der Bahnhofstraße häufen sich die Unfälle mit Radfahrern", erklärt Peisker auf Anfrage des HK.

Insgesamt gab es in den dreieinhalb Jahren elf verletzte Radfahrer, von denen nur drei den Unfall verursacht haben, zwei von ihnen waren betrunken. „Vielmehr waren die Verursacher überwiegend Autofahrer, die die Vorfahrt der Radfahrer missachteten."

Weiterhin wurden zehn Fußgänger verletzt – drei waren Verursacher, sieben Geschädigte: „Hier ist kein Schwerpunkt auszumachen. Die Unfallstellen der Fußgängerunfälle waren über den gesamten Straßenverlauf verteilt."

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Mit Blick auf den geplanten Umbau der Alleestraße, der ab dem 11. Oktober öffentlich im Bau- und Verkehrsausschuss diskutiert wird, hat der erfahrene Polizeibeamte übrigens auch eine persönliche Einschätzung: „Wenn dort ein Straßenausbau geplant ist, kann ich nur dringend raten, der Verkehrssicherheit der Radfahrer und Fußgänger oberste Priorität zuzuordnen." Konkret schlägt Peisker vor, Geh- und Radwege jeweils rechts für beide Fahrtrichtungen anzulegen. Die Radwege sollten barrierefrei sein, Laternen und Bäume gehörten dabei an den an den Rand.

Radwege könnten seiner Einschätzung zufolge auch auf der Fahrbahn markiert werden, wobei man Geh- und Radwege beispielsweise durch die Pflasterung kenntlich machen könnte, so dass eine zusätzliche Beschilderung der Sonderwege entfalle. „Das müssten Straßenplaner natürlich wissen. Trotzdem geht das manchmal noch schief", weiß Peisker und verweist auf die Ortsdurchfahrt Verl, wo man die Laternen mitten in den Weg gebaut hatte und diese nun nachträglich für viel Geld versetzen muss, weil die Bezirksregierung das so fordert.

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Auch die Haller Grünen haben diese Unfallstatistik von der Alleestraße vorliegen und fühlen sich in ihrer Auffassung bestätigt: „Nichts zu tun, ist unverantwortlich. Hier muss dringend gehandelt werden. Ziel ist dabei eine den gesetzlichen Vorgaben entsprechende und für alle Verkehrsteilnehmer sichere Umgestaltung des Straßenzuges Alleestraße und Bahnhofstraße vom Ortseingang bis zum Rathaus."

Mit Blick auf die Aussagen von CDU-Ratsherr Benedikt Freiherr Teuffel zu Birkensee, der im Vorfeld des Fachausschusses bereits öffentlich einen durchgängigen Rückbau der Alleestraße zur Tempo-30-Zone kritisiert hat, entgegnen Dieter Jung und Jochen Stop-penbrink: „Am 11. Oktober wird der von der Stadt beauftragte Verkehrsplaner verschiedene Varianten einer Umgestaltung und daraus resultierende Folgen vorstellen. Dann sollten sich die Haller Politik einbringen, ihre Vorstellungen begründen und sich anderen Meinungen stellen."

Dass sich CDU-Ratsherr Teuffel schon im Vorfeld zu Wort gemeldet habe und anderen Fraktionen „Aktionismus" vorwerfe, sei purer Wahlkampf und Stimmungsmache. „Von dem ungesetzlichen und gefährlichen Ausbauzustand der beiden Straßen scheint er nichts zu wissen oder wissen zu wollen. Seinen Vorschlag, mitten auf der Alleestraße vor dem Krankenhaus und dem KGH ein Stück Tempo-30-Strecke auszuschildern, kann er in die Beratungen einbringen. Allerdings spricht sich selbst der ADAC dann für Strecken von 400 bis 800 Metern aus, damit Tempo 30 Akzeptanz bei den Autofahren findet."

In diesem Zusammenhang erinnern die Grünen Benedikt Teuffel auch an das Abstimmungsverhalten „seiner CDU" im März. Damals wurde im Verkehrsausschuss beschlossen, auf dem Künsebecker Weg von der Neulehenstraße bis zur Alleestraße Tempo 30 einzuführen. „Die CDU hatte keine andere Idee, wie man die Sicherheit vor der neuen Kita und für die vielen kreuzenden Schüler gewährleisten und wie man am geplanten Neubaugebiet Gartnischkamp eine zweite hohe Lärmschutzwand gegenüber der bereits bestehenden verhindern könnte. Da haben sie sich in der Abstimmung mutig enthalten. Das führte zu einem einstimmigen Beschluss für Tempo 30."

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