Hamburgs Star-Gastronom kommt aus Halle

Nicole Donath

Das Ausrufezeichen: Nachdem Christoph Strenger mit großem Erfolg rund 30 Hotels, Bars und Restaurants betrieben hatte, übernahm er jetzt noch die Gastronomie in der Elbphilharmonie. - © Foto: Nicole Donath
Das Ausrufezeichen: Nachdem Christoph Strenger mit großem Erfolg rund 30 Hotels, Bars und Restaurants betrieben hatte, übernahm er jetzt noch die Gastronomie in der Elbphilharmonie. (© Foto: Nicole Donath)

Hamburg/Halle. Jahrelang wurde sie zumeist beschimpft – zu hohe Kosten, zu lange Bauzeit. Und tatsächlich ist die Elbphilharmonie mit 789 Millionen Euro für den Moment das teuerste Konzerthaus der Welt. Aber seit ihrer Einweihung spielt das von Alster und Elbe umspülte Gebäude mit seinem Backsteinsockel und dem glasverspiegelten Aufbau, der so eindrucksvoll die Bewegungen von Meer und Wellen simuliert, die erste Geige. Bei den Musikern. Und bei den Touristen sowieso.

Die Konzerte sind auf Monate hin ausverkauft, allein für eine Besichtigung des neuen Kulturdenkmals in der Hafencity stehen die Besucher manchmal stundenlang Schlan-ge – Christoph Strenger hat freien Zugang. Im Schritttempo fährt er an diesem Mittag an den vielen Menschen mit ihren Kameras vor dem Bauch vorbei ins Parkhaus und nimmt von dort aus den Lieferanteneingang zum Aufzug. Erster Stopp: die 5.

Bereits voll im Metal-Modus, trägt der Szene-Gastronom heute robuste Cargoshorts und das aktuelle Shirt des Wacken-Festivals. Verschiedene Armbänder, Tattoos und eine Lederbandkette gehören indes zum Standardprogramm. Die Jungs aus der Küche werden im Vorbeigehen abgeklatscht, die Servicekraft fragt den Chef nach einem Getränkewunsch, aber gerade drängt die Zeit.

Christoph Strenger, der in Halle aufgewachsen ist und hier auch sein Abitur gemacht hat, präsentiert in der »Elphie« zusammen mit seinem Geschäftspartner Jürgen Nordmann auf drei Etagen ein außergewöhnliches Gastro-Konzept: Im Westteil des Kai-Speichers befindet sich auf der fünften, sechsten und achten Ebene die Gastronomie »Störtebeker« bestehend aus einem Restaurant mit Bar für insgesamt 220 Gäste, einem Souvenirshop mit Bierverkostungsbereich sowie einem Deli mit Snacks und Getränken – fantastische Ausblicke auf den Hafen und die Stadt inbegriffen.

Schauen und genießen: Auf drei Ebenen präsentiert sich in der Hamburger Elbphilharmonie das »Störtebeker«, das Christoph Strenger mit Geschäftspartner Jürgen Nordmann betreibt. - © Foto: Störtebeker
Schauen und genießen: Auf drei Ebenen präsentiert sich in der Hamburger Elbphilharmonie das »Störtebeker«, das Christoph Strenger mit Geschäftspartner Jürgen Nordmann betreibt. (© Foto: Störtebeker)

Gemeinsam mit dem Baukonzern Hochtief hatte sich Strengers Kompagnon Nordmann bereits vor zehn Jahren an der Ausschreibung beteiligt und am Ende den Zuschlag erhalten. Heute ist das »Störtebeker« das Ausrufezeichen von rund 30 Bars, Restaurants und Hotels, die unter dem Dach seiner Gastro Consulting vereint sind.

Von der Plaza aus weist Strenger auf die »Tanzenden Türme«, zwei einander zugeneigte Hochhäuser am Rande der Reeperbahn: „Da betreiben wir auf drei Etagen neben Konferenzräumen das »clouds«, ein Restaurant mit Bar. Inklusive der Dachterrasse gibt es Platz für 350 Gäste." Zum »east cosmos« gehören neben dem weltbekannten Design-Hotel »east« im Herzen von St. Pauli unter anderem das »coast by east« in Hamburg und auf Mallorca oder das Langnese-Café in der Hafencity. Dann gibt es auch noch das »Bolero«, das »El Mundo«, das »Herzblut«, das »Paulaner’s« – die lange Lis-te ließe sich locker erweitern.

„Ich bin der Außenminister, bin der Reisekaiser"

„Mittlerweile beschäftigen wir rund 1200 Leute", gewährt Strenger einen Einblick in sein Imperium, das er gemeinsam mit seinem Haller Jugendfreund Roland Koch und Michael Maier als geschäftsführender Gesellschafter der Gastro Consulting GmbH führt. „Ich bin in diesem Trio der Außenminister, der Reisekaiser", fügt er an und lacht. „An der Spitze von allen Läden stehen natürlich überall Manager, die ich höchstens noch kontrolliere. Am liebsten wäre es mir, wenn ich dabei immer entbehrlicher werde – je mehr Zeit bleibt für mich."

Unter der Sonne: An der Spitze der Innenmole von Port Adriano im Südwesten Mallorcas befindet sich das Restaurantprojekt coast by east mit der Sansibar Wine in der oberen Etage. - © Foto: coast by east
Unter der Sonne: An der Spitze der Innenmole von Port Adriano im Südwesten Mallorcas befindet sich das Restaurantprojekt coast by east mit der Sansibar Wine in der oberen Etage. (© Foto: coast by east)

Und eben diese Zeit braucht der erfolgreiche Geschäftsmann, der auch privat im »east« wohnt und das Designhotel aktuell um 42 Zimmer auf 170 erweitert. Schließlich ist er etwa sechs Wochen im Jahr in Südafrika, noch mal so lange auf Mallorca sowie eine weitere Woche in New York. „Immer im Dezember", sagt Strenger, der seinen Jahresumsatz von aktuell rund 75 Millionen Euro nicht nur mit seinen Gastro-Projekten einspielt, sondern auch an Helium-Förderung in Kanada oder Biogasproduktion in Kenia beteiligt ist. Weinberge gehören ebenfalls zum erfolgreichen Geschäftsmodell, das der studierte Betriebswirt ursprünglich alleine gegründet hat. Dazu kommen noch TV-Auftritte mit Szene-Koch Tim Mälzer (»Mein Restaurant«) oder Auftritte in der Doku »Mein himmlisches Hotel«.

„Das Finale haben wir mit den Fans im hoteleigenen Kino geguckt", erzählt der Selfmade-Millionär, der dabei immer aufs Neue auch sehr großzügig agiert. Zuletzt beim G?20-Gipfel, als 30 Sonderbeamte vier Tage lang sein Hotel bewachten, weil hier die mexikanische Regierung untergebracht war: „Natürlich haben wir die Polizisten mit Essen und Getränken versorgt", sagt Strenger, der während des Gipfels einen Gesamtverlust von 300?000 Euro für seine Läden registriert hat. „Wir waren doch froh, dass die da waren." Im Gegenzug gab es jetzt ein förmliches Dankesschreiben des Polizeipräsidiums aus Frankfurt/Oder.

Geplant war diese Karriere nicht. Wie auch?! „Als ich während meiner Zeit beim Bund ein Mädel aus Hamburg kennen gelernt hatte, blieb ich da hängen und wollte einfach nur eine Kneipe aufmachen", erinnert sich Strenger. „Das war 1989. Ich hatte tatsächlich Glück und fand eine Brauerei, die mir das Geld zur Verfügung gestellt hatte, denn ich hatte definitiv keines." Und weil der Laden lief und schnell und dauerhaft mehr Bier verkauft wurde, als vorgegeben war, folgte bald der zweite, der dritte und so weiter.

„Wir sagen das nicht nur so – wir sind eine Familie"

Krisen gab es natürlich auch. „2001 nach dem Terroranschlag machten wir plötzlich heftige Verluste, das war neu für uns", räumt der Star-Gastronom offen ein. „Die Touristen blieben aus. Ausgerechnet in der Zeit, da das »east« in Planung war. Aber am Ende haben Roland und ich zusammengehalten und weitergemacht." Ihr Konzept funktioniert bis heute. „Wir sagen nicht nur, dass wir eine große Familie sind", erklärt Strenger. „Wir sind es tatsächlich auch. Ich interessiere mich ehrlich für die Anliegen meiner Mitarbeiter und höre ihnen zu. Denn nur, wenn du da, wo du die meiste Zeit verbringst, auch gerne bist, bringst du gute Leistungen. Das ist bei uns der Fall."

Wie holprig die Schulzeit auch verläuft, über den Erfolg im Erwachsenenleben sagt das noch nichts. Christoph Strenger hat es gezeigt und er ist ganz oben.

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