Ponderosa 2.0 dreht voll auf

Open-Air-Festival: Kultevent mit 16 Bands erntet Rekord-Applaus

Edwin Rekate

King in Kölkebeck: Elvis-Interpret Carsten Keber rockt »live« das Poderosa-Festival. Seine Mega-Rock-‘n‘-Roll-Show lässt die Fans vor der Bühne komplett ausflippen. - © Foto: Edwin Rekate
King in Kölkebeck: Elvis-Interpret Carsten Keber rockt »live« das Poderosa-Festival. Seine Mega-Rock-‘n‘-Roll-Show lässt die Fans vor der Bühne komplett ausflippen. (© Foto: Edwin Rekate)

Halle-Kölkebeck. Im letzten Jahr hob nach zehnjähriger Pause die Testrakete erfolgreich ab, am vergangenen Wochenende startete auf Elke und Didi Kellers Farm am Settelweg die Neuauflage des legendären, dreitägigen Festivals mit beeindruckendem Schub. Das Ponderosa 2.0 bot auf grasgrüner Wiese bei angenehm milden Temperaturen ein erfrischendes Programm mit Stars und Musikern aus der Region und feierte sein 30. Wiegenfest.

„Wir sind das Ponderosa – und unser Saxophonist spielt so lange diese Melodie, bis alle vor der Bühne tanzen." Der »Homebrass«-Posaunist und Frontmann Frederik Jennen forderte expressiv ein fetziges Entree. »Ain’t nobody« von Rufus ertönte salvenweise aus den Kannen und dann generierte das Bläser-Nonett aus Harsewinkel geballte Windkraft. Tanzflächenstürmer von Chaka Khan, Lady Gaga und Roberta Flag hallten nonstop durch die Luft und gaben den Takt für die Bewegungsoffensive vor.

Ponderosa 2.0 dreht voll auf

„Wir versuchen mit möglichst wenig möglichst viel zu machen", Michael Tucker, der einzigartige Stehschlagzeuger und Multifunktionsrhythmiker, fokussierte die Philosophie der »Dizzy Dudes«, dem absolut fett klingenden Dreigestirn des neu aufgelegten Ponderosa-Festivals. Mit Kontrabassist Maik Trossehl, der musikalisch wie alpin kletternd den Gipfel seines Instruments erstürmte, und E-Gitarrist Oliver Sperber, Sprössling des mythischen Ponderosa-Kurators »Frankie Old Man«, pflasterte das Trio schon am ersten Abend den Weg für die ultimativ anhaltende Festivalstimmung.

„Yeah, yeah, yeah", Punkt zwölf Uhr mittags eröffnete am Samstag die Harsewinkeler Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide selbst singend das kolossale Line-up in Kölkebeck. Im Chor mit Frauke Majewski und Renate Bröskamp interpretierte sie unplugged den The-Ruscals-Song »Good Lovin‘«. „Es ist sehr schön, dass sich die lokale Musikszene immer weiter entwickelt", freute sich die Bürgermeisterin, die herausstellte, dass die Kultur in und um Harsewinkel ein außergewöhnliches Spektrum bietet.

„Insgesamt haben wir 16 Bands mit mehr als 80 Musikern, davon über 40 Akteure allein aus Harsewinkel aufgeboten", summierte Event-Manager Michael »Micky« Grohe das enorme Aufgebot. Die vielen Künstler standen Backstage bereit und fieberten ihrem Gig entgegen. Den Auftakt machte Aram Koshgerian, Solist aus Syrien, dessen Gitarrensounds eine Oud imitierten und arabische Klänge ins Ponderosa integrierten.

Nach dieser Deutschland-Premiere betraten mit »Rena’s Akustik Band« die »Größten« die Bühne. Keyboarder Rainer Hohmeyer misst 2,07 Meter und bevorzugt zusammen mit Renate Bröskamp und seinem großen Bruder Jürgen verhaltene Tempi. Im Anschluss an die melodiösen Balladen enterten die »Jüngsten« die Szenerie. »Second Order« heißt das coole Sextett, dessen Mitglieder 17 bis 19 Lenze zählen und die sich aus Kirchenmusikern bis Hardrockern rekrutieren. Die Youngsters verbindet eine gemeinsame Vergangenheit bei der Musikschule Brokamp und sie lieben rasante BossHoss-Klangwelten.

Philipp Göhring ist der unumstrittene Superstar

Unumstrittener Superstar ist der Harsewinkeler Hip-Hopper Philipp Göhring, der es 2014 in der KIKA-Staffel »Dein Song« bis auf Platz zwei schaffte. Er und seine Schwester Eileen, feminine Schlagzeugerin voll viriler Dynamik, und der Bassist Marvin Mumm ließen es gnadenlos krachen. Ihr Bandname »Phätte Zeiten« ist Programm, der Pogo-Effekt beim Abtanzen zu dem aktuellen »Schluss mit Ernst-Album« erfordert hohe Triebwerksleistungen in den Beinen. Und die mobilisiert auch Special-Guest, die 18-jährige Frontfrau Carlotta Truman, die als Supertalent- und The-Voice-Kids-Finalistin die Ponderosa-Show massiv aufpeppte.

Peppig auch die Reinkarnation des »Kings«, die – en Detail verkörpert vom Paderborner Carsten Keber – ein 500-köpfiges Publikum, darunter 200 Freikartenempfänger, nächtens zur Elvis-Ekstase hinriss. Der spektakuläre Auftritt, begleitetet von dichten Nebelschwaden, bunten Knicklichtern und funkelnden Wunderkerzen, ließ alle Fans vor der Bühne komplett ausflippen. Die Megahitliste, gespickt mit »Jailhouse Rock«, »Love me Tender« und »Blues Suede Shoes«, bot bei milden Temperaturen ein Retro-Tanzvergnügen der besonderen Art.

Besonders auch der Auftritt von »Upright, featuring White Coffee«. Hinter dem Pseudonym steckt die Herforderin Jenny Grove, die, an der Seite ihres Gitarristen und Ehemannes Andreas, um Mitternacht die afrikanische Sonne in Kölkebeck aufgehen lassen kann. Titel wie »Sunrise« und »Celine« vermitteln zärtliche Liebeslyrik im authentischen Reggae-Vibration-Stil und bieten eine Plattform, die am Sonntagmittag der Harsewinkler Gitarren-Guru Ansgar Specht mit seiner Fusionband groovig, peppig und popig auflöste.

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