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Ärger um alten Getränkebon

Missverständnis im Discounter

Uwe Pollmeier

Keine Eintagsfliege: Pfandbons aus Pfandautomaten gelten laut Gesetz mindestens drei Jahre. Aufgedruckte Befristungen sind unwirksam. - © Foto: Jürgen Fälchle - Fotolia
Keine Eintagsfliege: Pfandbons aus Pfandautomaten gelten laut Gesetz mindestens drei Jahre. Aufgedruckte Befristungen sind unwirksam. (© Foto: Jürgen Fälchle - Fotolia)

Halle. Ein Kassierer zahlt einem Kunden Pfandguthaben in Höhe von 19,50 Euro nicht aus, weil der Beleg vier Monate alt ist. Doch das war falsch. Der Aldi-Bezirksleiter entschuldigt sich am nächsten Tag persönlich bei dem Kunden.

„Der Zettel ist schon zu alt und kaum noch lesbar", sagt der Kassierer der Haller Aldi-Filiale und zerreißt den Pfandbon in zwei Teile. HK-Leserin Anke S. aus Borgholzhausen steht verdutzt an der Kasse und muss auf ihr einst gezahltes Pfandgeld in Höhe von 19,50 Euro vermutlich für immer verzichten. Im Oktober hatte sie die Einwegflaschen in den Automaten gesteckt, aber beim Kassiervorgang die Abgabe des Bons vergessen. Gut vier Monate später war ihr der kleine Papierschnipsel wieder in die Hände geraten und sollte nun in Bares zurückverwandelt werden.

„Unserem Mitarbeiter ist hier leider ein dummer Fehler unterlaufen", sagt Pascal Hierth, Geschäftsführer der Aldi-Nord-Regionalniederlassung in Schloß Holte, zu der 86 Filialen im Raum Ostwestfalen gehören, nur einen Tag später im Gespräch mit dem HK. „Wir entschuldigen uns tausendmal bei Ihrer Leserin für die Unannehmlichkeiten", fährt Hierth fort. Selbstverständlich sei ein Pfandbon innerhalb der gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren jederzeit einlösbar. Es gebe keinerlei zeitliche Beschränkungen. Allerdings, so gesteht Hierth ein, sei der Kunde gezwungen, den Pfandbon in der Filiale einzulösen, in der er ihn einst aus dem Leergutautomaten gezogen hat.

"Kundenzufriedenheit hat Priorität"

Es sei ein Versehen des Mitarbeiters gewesen, der noch relativ neu im Unternehmen sei und eine Anweisung falsch verstanden habe. Die Kundenzufriedenheit habe oberste Priorität, so Hierth, in dessen Bereich 1200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Alle Märkte werden mindestens einmal täglich mit Ware beliefert, die auf 36 000 Quadratmetern Lagerfläche im Osten des Kreises Gütersloh lagern.

Kurz darauf klingelt Bezirksleiter Klaus Scholz an der Tür von Anke S. in Borgholzhausen, überreicht ihr neben den 19,50 Euro auch noch einen bunten Blumenstrauß als Entschuldigung. Mit dabei ist auch der Mitarbeiter der Aldi-Filiale am Künsebecker Weg, der sich ebenfalls bei der Kundin entschuldigt.

Ort des Geschehens: In der Aldi-Filiale am Künsebecker Weg wurde einer Kundin ein altes Pfandguthaben nicht ausgezahlt. - © Foto: Uwe Pollmeier
Ort des Geschehens: In der Aldi-Filiale am Künsebecker Weg wurde einer Kundin ein altes Pfandguthaben nicht ausgezahlt. (© Foto: Uwe Pollmeier)

Die schnelle Reaktion der Aldi-Verantwortlichen ist sicherlich vorbildlich, jedoch hätte Anke S. rein rechtlich gesehen schon in der Filiale Anspruch auf die Auszahlung des Pfandbetrages gehabt. „Einige Geschäfte haben in der Vergangenheit Fristen auf ihre Pfandbons gedruckt. Diese sind nicht rechtskräftig", sagt Georg Trüber von der Pressestelle der Verbraucherzen-trale NRW in Düsseldorf. Hinweise wie »Nur am selben Tag einlösbar« oder »Einlösbar innerhalb von zehn Tagen« hätten auf Pfandbons nichts verloren. „Es gilt die gesetzliche Verjährungsfrist laut Paragraf 195 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Demnach beginnt die dreijährige Frist am Ende des Jahres, in dem der Beleg ausgestellt wurde", sagt Trüber. Hat jemand etwa einen Kassenbon aus der ersten Januarwoche, so hat er fast vier Jahre lang Anspruch auf Auszahlung seines Pfandgeldes. Voraussetzung ist jedoch stets, dass der Pfandbon nicht gefälscht, noch nicht eingelöst worden ist und dass er noch lesbar ist, was angesichts der heutigen Ausdrucke auf Thermopapier durchaus ein Problem darstellen kann. Zur Vorschrift, diesen auch wieder in derselben Filiale einzulösen, gibt es derzeit noch keine eindeutige Rechtssprechung. „Das scheint eine etwas diffizile Frage zu sein. Dazu gibt es noch keine juristische Aussage", sagt Trüber.

Kundenfreundlich bei der Einlösung der Pfandbons zeigt sich auch der Marktkauf-Getränkemarkt. „Wir lösen die Bons immer ein", sagt Inhaber Oliver Speicher. Zwar finde man im Verkaufsraum den Hinweis an den Kunden, dass dieser den Bon noch am selben Tag einlösen solle, jedoch seien dies eher ein „erzieherischer Hinweis und eine Erinnerungshilfe". Allerdings sei es nicht möglich, den Bon in anderen Marktkauffilialen einzulösen. Zudem weist Speicher auf die geringe Haltbarkeit des Thermoausdrucks hin und rät daher zum sofortigen Umtausch in Bargeld.

Dirk Margenau, Verwaltungsleider der in Spenge ansässigen Getränkemarktkette »Prost!«, die auch eine Filiale in Halle betreibt, verweist ebenfalls auf die gesetzliche Verjährungsfrist. Es sei jedoch manchmal schwierig, noch nicht eingelöste Pfandbons von bereits gebrauchten zu unterscheiden, da die Kasse diese nicht erkenne. Gerade bei höheren Summen sei dann schon einmal eine genauere Überprüfung notwendig. Generell seien die Bons aber in jeder Prost-Filiale einlösbar.

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