AWO macht das Rennen um die neue Kita in Borgholzhausen

Andreas Großpietsch

Personalschlüssel: 1,5 Stellen mehr als gesetzlich vorgeschrieben verspricht die AWO für die neue Kita. - © Arbeiterwohlfahrt OWL
Personalschlüssel: 1,5 Stellen mehr als gesetzlich vorgeschrieben verspricht die AWO für die neue Kita. (© Arbeiterwohlfahrt OWL)

Borgholzhausen. Offener als die Frage nach dem Träger ist derzeit noch die Frage nach dem Standort der neuen, fünften Kindertagesstätte in Borgholzhausen. Obwohl die lokale Politik auch da einen eindeutigen Favoriten hat: Der beste unter drei sehr guten Standorten wäre nach Meinung der Parteien der auf dem Gelände der Firma Dübber am Berghauser Weg. Doch in diesem Punkt konnte der Ausschuss für Bildung, Soziales und Sport am Mittwochabend keinen bindenden Beschluss fassen, sondern nur eine Einschätzung formulieren.

Die Tendenz geht zum Dübber-Gelände, aber viele Fragen sind offen

Übergangslösung: Bis die neue Kita fertiggestellt ist, könnte auf dem Parkplatzgelände vorn ein Container mit direktem Zugang zu Freigelände und Gebäude der Kita Flohkiste aufgestellt werden. - © Andreas Großpietsch
Übergangslösung: Bis die neue Kita fertiggestellt ist, könnte auf dem Parkplatzgelände vorn ein Container mit direktem Zugang zu Freigelände und Gebäude der Kita Flohkiste aufgestellt werden. (© Andreas Großpietsch)

Immerhin gibt es viele Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass die neue Kita dort entstehen wird. Denn das Unternehmen baut seinen neuen Firmensitz im Gewerbegebiet am Bahnhof und ist ohnehin auf der Suche nach einem neuen Verwendungszweck für das Grundstück in der Stadt, das wegen der Wohnbebauung ringsum und der sich daraus ergebenden Pflichten nur sehr begrenzt einer neuen gewerblichen Nutzung zuzuführen wäre.

Bislang sei der Plan gewesen, dort nach dem Umzug und dem Abbruch der Hallen Wohnhäuser zu errichten. Einen Kindergarten können die Experten der Firma Dübber aber auch bauen, als Investor betreiben und an die AWO vermieten. In der Sitzung am Mittwochabend hatten sowohl die drei Mitbewerber Kirchenkreis Halle, Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Gütersloh, und Johanniter-Unfalle-Hilfe, Regionalverband OWL, als auch die AWO erklärt, mit Standort und Investor grundsätzlich einverstanden zu sein.

Doch vor jeder neuen Nutzung müssen auf dem seit 1948 von Dübber und seinen Vorgängern gewerblich genutzten Grundstück Untersuchungen durchgeführt werden, um Gefahren durch Altlasten ausschließen zu können. „Das müssen wir auch machen, wenn wir Häuser bauen", sagt Gerald Dübber. Nach dem Abriss und der Sanierung muss auch noch gebaut werden. „Der Bedarf für eine neue Kita ist da, aber bis zum 1. August wird es sicher noch keine geben", erklärte Ralf Vieweg, der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. Die Frage nach einer Übergangslösung war deshalb auch ein besonders wichtiges Anliegen in der Diskussion.

Bei vier interessanten Bewerbern gaben Details den Ausschlag

Entscheidungen: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) macht das Rennen um die Trägerschaft. Standort wird wahrscheinlich das Gelände der Firma Dübber (im Hintergrund). Doch viele Details müssen noch in privatrechtlichen Verträgen festgelegt werden. - © Andreas Großpietsch
Entscheidungen: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) macht das Rennen um die Trägerschaft. Standort wird wahrscheinlich das Gelände der Firma Dübber (im Hintergrund). Doch viele Details müssen noch in privatrechtlichen Verträgen festgelegt werden. (© Andreas Großpietsch)

Und auch da hatte die AWO eine gute Antwort: Je nach Alter und Zahl der Kinder findet eine neue Gruppe übergangsweise ihren Platz in der Kita Flohkiste. Entweder in der Turnhalle oder in einem Container auf dem Parkplatz, der direkt an das Spielgelände angrenzt. So ist für Essen und die Teilnahme an allen Angeboten einer Kita gesorgt, bis der Neubau fertig ist.

In jeweils 20-minütigen Präsentationen und anschließenden zehn Minuten Frage und Antwort hatten die vier Bewerber angesichts des Themas ein knappes Zeitfenster, um sich und ihr Angebot darzustellen. Als Eindruck bleibt, dass vieles in den Konzepten ähnlich klingt. Der Satz »Das Kind steht bei uns im Mittelpunkt« fehlte bei keiner der Vorstellungen.

Vieles ist vom Kinderbildungsgesetz vorgegeben, vieles ergibt sich aus den langen Zeiten, die Kinder heute getrennt von ihren Eltern verbringen. Die Kitas sollen das Elternhaus ein Stück weit ersetzen und haben auch den Anspruch, das gut zu machen. Dazu gehört, dem Tag feste Strukturen zu geben, die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen, gesunde, frisch vor Ort zubereitete Speisen anzubieten. Dazu gehört eine professionelle Bindung an mehrere erwachsene Bezugspersonen in der Kita aufzubauen, um dem Kind Sicherheit zu geben. Zugleich aber die Eltern so mit einzubeziehen, dass sie weiterhin die wichtigste Rolle im Leben ihrer Kinder spielen.

Rolf Syassen, der Ausschussvorsitzende, mahnte zu Beginn, sich die Entscheidung nicht leicht zu machen und gab dem Abend das Motto: »Auf den Anfang kommt es an«. Die Parteienvertreter hielten sich an diese Empfehlung, hörten konzentriert zu, stellten viele Fragen und diskutierten anschließend noch ausführlich im nichtöffentlichen Teil über pädagogische Konzepte, Jahresöffnungszeiten, die Verfügbarkeit von Personal und Vertretungen. Sowie um die Vorzüge einzelner Standorte, die Vor- und Nachteile von Trägervielfalt in einer Stadt und vieles mehr. Am Ende stand der einstimmige Beschluss zugunsten der AWO, die damit Kita Nr. 22 im Kreis Gütersloh und Nr. 117 im Bereich Ostwestfalen in Angriff nehmen kann.

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