Vortrag in Borgholzhausen: Sind Facebook-Freunde wahre Freunde?

Ekkehard Hufendiek

Beliebt: Facebook lädt jeden ein. - © REUTERS
Beliebt: Facebook lädt jeden ein. (© REUTERS)
In der Aula: Dr. Björn Vedder trägt mit fröhlichem Engagement vor. Die Oberstufenschüler erfahren von ihm philosophische Gedanken zum Thema Freundschaft. - © Ekkehard Hufendiek
In der Aula: Dr. Björn Vedder trägt mit fröhlichem Engagement vor. Die Oberstufenschüler erfahren von ihm philosophische Gedanken zum Thema Freundschaft. (© Ekkehard Hufendiek)

Borgholzhausen. „Ich glaube tatsächlich, dass Facebook-Freunde echte Freunde sind", sagt Björn Vedder. Damit stellt der Referent aus München vor den 70 Philosophieoberstufenschülern der PAB-Gesamtschule eine steile These auf. Die stößt vermutlich viele Kritiker der sozialen Netzwerke vor den Kopf.

Vedder hat seine Erkenntnis im Buch »Neue Freunde: Über Freundschaft in Zeiten von facebook« veröffentlicht. Einige Erkenntnisse daraus stellte er am vergangenen Mittwoch den Gästen vor. So charakterisiert er die Freundschaft nicht wie ein Moralverständnis sondern wie ein gutes Geschäft zum gegenseitigen Lebensglück.

Dabei gehe er aber nicht so weit wie Mark Zuckerberg, den Gründer von facebook. Der habe nämlich gesagt, dass soziale Netzwerke ein Motor des Weltfriedens seien. Björn Vedder hingegen hält die Internetdienstleister nurmehr für einen „Lieferanten von Bestätigung". Ein Hinweis darauf sei, dass es zwar eine Gefallen-Taste – Like-Button – gebe, nicht aber eine Nichtgefallen-Taste. Freunde sind liebenswert auf Knopfdruck.

Das Bedürfnis nach gegenseitiger Wertschätzung werde bei den sozialen Netzwerken zumindest auf quantitativer Ebene erfüllt. Häufige Bestätigungen seien genauso wichtig wie intensive. Echte Freundschaften bedingen sowohl gegenseitige Bestätigung als auch gegenseitige Freundschaftsdienste. „Es gibt keine Freundschaften, die interesselos funktionieren", sagt Björn Vedder.

Die Intimität des Verständnisses werde allerdings permanent bedroht vom Missverständnis. Freunde bildeten deswegen häufig eine eigene Sprache aus. Die große Chance in der Freundschaft sieht Vedder darin „größer, schöner und besser zu sein, als ich eigentlich bin". Freunde idealisierten sich ein Stück weit, fügte er hinzu. „Der Mensch, der wir sein möchten, konstituiert sich in der Beziehung, die wir führen."

Moral und Wahrheit seien dabei nicht so wichtig. Immerhin gestand Björn Vedder Freunden Folgendes zu: „Sie zwingen uns dazu, kein Arschloch zu sein."

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