Planungsnebel soll sich 2018 lichten: Amprion holt Bürger mit ins Boot

Andreas Großpietsch

Planungsnebel: Wie es mit der Höchstspannungsleitung hinter der Umspannungsanlage Hesseln weitergehen soll, ist nicht klar. Amprion lädt ein zur Teilnahme an einem sehr transparenten Planungsverfahren. - © Andreas Großpietsch
Planungsnebel: Wie es mit der Höchstspannungsleitung hinter der Umspannungsanlage Hesseln weitergehen soll, ist nicht klar. Amprion lädt ein zur Teilnahme an einem sehr transparenten Planungsverfahren. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Lautstark und mit großer Heftigkeit wurde beim offiziellen Anhörungstermin für die geplante 380?kV-Höchstspannungstras-se der Firma Amprion beklagt, dass offenbar zwischen Gütersloh und der Umspannanlage Hesseln andere Maßstäbe angelegt werden sollen als im anschließenden Abschnitt bis zur Landesgrenze in Niedersachsen. Man kann es natürlich nur vermuten, doch hätten die Akteure schon da gewusst, was Amprion für dieses Teilstück plant, wäre die Kritik sicher noch heftiger ausgefallen.

Denn auf der einen Seite gibt es den Hinweis auf unverrückbare Gesetzeslagen und dürre Worte zur Rechtmäßigkeit der vorgelegten Pläne sowie die Unverhältnismäßigkeit der Forderung nach einer Erdverkabelung. Und auf der anderen will Amprion jetzt in Borgholzhausen auf eine zumindest in der Region noch völlig unbekannte Form der Bürgerbeteiligung setzen, mit der eine optimale Lösung für die Probleme gefunden werden soll.

„Für uns ist das Verfahren auch absolut neu", sagt Katrin Schirrmacher, die Kommunikationsleiterin des Kabelnetzbetreibers. Amprion will Fachleute und ganz normale Bürger an einen Tisch bringen. Dieses Gremium mit 20 Mitgliedern soll sich ausreichend sachkundig machen, um einen Vorschlag für den Piumer Abschnitt zu machen. Der dann natürlich noch das ganz normale Genehmigungsverfahren durchlaufen muss.

In der 20-köpfigen Planungsgruppe werden Vertreter der Stadt Borgholzhausen, der Land- und Forstwirtschaft sowie des Umweltschutzes sitzen. 14 Plätze sind für sie vorgesehen. Sechs weitere Plätze sollen von ganz normalen Bürgern besetzt werden, die Interesse am Mitplanen gezeigt haben. Sie werden ausgelost.

Von dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise verspricht sich Amprion wertvolle Information über das Gebiet, in dem geplant wird. „Ich bin selbst total gespannt", sagt Katrin Schirrmacher. Das Verfahren wird im Übrigen nicht von Amprion allein durchgeführt, sondern vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) begleitet. Es wurde 1973 gegründet und begleitet zum Beispiel Kommunen bei der Umsetzung schwieriger Aufgaben.

Stark vertreten sein wird beim Planungsdialog natürlich auch eine Gruppe von Menschen, die sehr großen Anteil daran hat, dass es ein solches Verfahren überhaupt gibt: die Bürgerinitiative. Sprecher Hartmut Halden, Dierk Bollin und Heinz Schlüter werden drei der 20 Plätze besetzen.

Die Initiative hatte neben ihren vielen Aktivitäten gegen die Errichtung von „Monstermasten" direkt neben den Wohnbereichen immer die Forderung nach einem Dialog auf Augenhöhe gestellt. Hartmut Halden freut sich natürlich, dass es diesen Dialog jetzt geben soll. Von Triumphgefühlen ist er weit entfernt, wenn er feststellt: „Eine Prognose, was am Ende dabei herauskommt, kann man jetzt noch nicht erstellen."

Denn es sind viele Fragen, mit denen sich die Arbeitsgruppe beschäftigen muss. Nicht alle werden sich lösen lassen. Die Skepsis der Landwirte gegenüber Erdkabeln wird nicht so einfach auszuräumen sein.

Auch von Seiten der Techniker gibt es nicht wenige Stimmen, die Skepsis an der praktischen Machbarkeit anmelden. Noch immer ist durch Amprions Versuchserdkabel im Münsterland keine Kilowattstunde Strom geflossen. Doch wer nie etwas Neues wagt, wird beim Fortschritt immer Zuschauer bleiben.

Kommentar

Ein ganz großer Schritt

Weihnachten ist die Zeit der Wunschzettel. Immer ist sie verbunden mit der Erfahrung, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden. So wird es auch beim Planungsdialog für die Erdverkabelung der Höchstspannungsleitung sein. Irgendwo werden sie stehen müssen, die Anlagen, in denen Kabel in die Erde hinein- und wieder hinausgehen.

Und eine Zierde der Nachbarschaft werden die-
se Kabelübergangsstationen nicht sein. Und längst nicht alle Vorschläge werden sich verwirklichen lassen. Zum Beispiel hat die Idee, die Kabel im Bereich neben der A 33 zu verbuddeln, auch deutliche Nachteile.

Naturschutz- und Wassergewinnungsgebiete werden Einschränkungen bringen.
Doch bei allen Wassertropfen, die in den Wein fallen mögen: Der Ansatz von Amprion, zusammen mit den Betroffenen ganz neue Planungswege beschreiten zu wollen, verdient mehr als Respekt. Man kann nur hoffen, dass er erfolgreich ist und dass das Beispiel Schule macht. Die übliche »Von-oben-he-rab-Planung« wirkt immer weniger zeitgemäß.

Info
Neue Pläne mitgestalten

Wenn in den nächsten Tagen Post von der Firma Amprion ins Haus flattert, so ist das keine Angebot zum Stromanbieterwechsel. Sondern die Einladung zur Mitplanung an der neuen Trasse für die Höchstspannungsleitung.

Zu diesem Planungsdialog genannten Verfahren sollen zunächst einmal alle volljährigen Borgholzhausener eingeladen werden. In dem Anschreiben wird die Vorgehensweise erläutert. Außerdem liegt eine Karte bei, mit der man sich bewerben kann.

Am Freitag, 19. Januar, findet ein sogenannter Bürgerinfomarkt statt. Und am Ende dieser Veranstaltung werden die Karten von sechs Interessenten aus einer Lostrommel gezogen.

Am 26. Januar soll sich die neue Arbeitsgruppe zum ersten Mal treffen. Bis zur Sommerpause sind fünf weitere Termine geplant, in denen eine Trasse erarbeitet wird.

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