Heike Heidrich ist seit 19 Jahren Pflegekoordinatorin

Alexander Heim

Bei ihr laufen alle Fäden zusammen: Seit 1998 ist Heike Heidrich vom Fachbereich Bürgerdienste als Pflegeberaterin DIE Ansprechpartnerin rund ums Thema in der Lebkuchenstadt. [ Pflegeberatung ] [ Heike Heidrich ] [ Rathaus ] - © Alexander Heim
Bei ihr laufen alle Fäden zusammen: Seit 1998 ist Heike Heidrich vom Fachbereich Bürgerdienste als Pflegeberaterin DIE Ansprechpartnerin rund ums Thema in der Lebkuchenstadt. [ Pflegeberatung ] [ Heike Heidrich ] [ Rathaus ] (© Alexander Heim)
Heike Heidrich - © Alexander Heim
Heike Heidrich (© Alexander Heim)

Borgholzhausen. Manchmal kann sich das Leben schlagartig ändern. Durch einen Unfall. Eine Krankheit. Zuweilen aber auch, weil der Körper dem Alter Tribut zollt. Dann gilt es, innerhalb kürzester Zeit wichtige und wertvolle Informationen zu erhalten, um sich auf die neue Situation einzustellen und sie möglichst optimal gestalten zu können.

Welche ambulanten Pflegedienste kommen für mich in Frage? Wer versorgt mich oder den Angehörigen mit Mahlzeiten? Wer pflegt den Angehörigen, wenn ich verhindert bin? Wo gibt es Tages- oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen? Wer zahlt das alles? Fragen wie diese sind es, die die Piumer, die sich der Pflege eines Angehörigen gegenübersehen, zu Heike
Heidrich
führen.

»Der Umfang der Beratung hat zugenommen«

„Der Umfang der Beratung hat sich verändert – und zugenommen", hat sie in den vergangenen 19 Jahren beobachtet. Früher war das Sozialamt zuständig. Inzwischen ist ihre Stelle im Bereich »Bür-gerdienste« verortet. „Eine Hemmschwelle", hat sie festgestellt, „gibt es überhaupt nicht mehr."

Am Anfang, erzählt sie, sei es viel darum gegangen, Heimkosten zu berechnen oder Fehlbeträge zu gewähren. „Für die Leistungsansprüche ist heute der Kreis Gütersloh zuständig", sagt die Fachfrau in Sachen Pflege, die seit 37 Jahren bei der Stadt arbeitet. Doch auch die Angebote hätten sich verändert: „Es gibt inzwischen Geldleistungen und Betreuungsmöglichkeiten, die es früher so nicht gab." Gerade mit Blick auf demenziell Erkrankte habe das neue Pflegestärkungsgesetz einiges bewirkt. Dieses mit seinen verschiedenen Pflegegraden ist für sie kein Buch mit sieben Siegeln.

„Ich bin eine Anlaufstelle für die Belange älterer Menschen", beschreibt Heike
Heidrich
ihre Funktion. Und dabei seien es manchmal ganz einfache, alltägliche Dinge, die Menschen zum Aufsuchen ihres Büros im Rathaus führen. Ein schlicht unverständliches Schreiben der Krankenkasse etwa. ,„Es spricht sich rum, dass ich für alle Bereiche zuständig bin", erläutert Heike
Heidrich
. Das Finden und die Beantragung von Hilfsmitteln, eine etwaige Heimplatz-Suche oder die Pflege zu Hause – es sind nur vier Facetten ihres vielschichtigen Tätigkeitsspektrums. „Ich versuche, ein gutes Versorgungspaket zu schnüren", fasst sie die Aspekte zusammen.

Die meisten Gespräche finden in ihrem Büro im Rathaus statt. Wenn ältere Menschen aber nicht mehr gut zu Fuß sind, kommt Heike Heidrich auch auf Hausbesuche vorbei. „Ich sehe mich manchmal auch ein bisschen wie eine Sozialarbeiterin, die zu Hause guckt", verrät sie.

Dass Pflege nicht zum Nulltarif zu haben ist – dem widerspricht Heike Heidrich nicht. „Aber man muss nicht von vornherein Ängste haben. Besser ist es, erst einmal herzukommen, dann kann man Vieles klären." Jede Lebensgeschichte sei individuell. „Oft sind die Situationen nicht miteinander zu vergleichen."

„Ich merke bei den Angehörigen oft, dass es darum geht, den Betroffenen so lange wie möglich ein Leben zu Hause zu erhalten", erzählt Heike
Heidrich
. Doch Angehörige ebenso wie mobile Dienste können dabei an ihre Grenzen kommen, etwa wenn es um Nachtbereitschaften geht. Dennoch findet auch sie: „Solange es geht, ambulant vor stationär. Jedenfalls, solange es die Verhältnisse zulassen."

Wenn indes kein Weg mehr an einem Heimplatz vorbeiführt, kann es auch schnell teuer werden. 2126 Euro etwa kostet – bei Pflegegrad 2 – ein Platz im Haus Ravensberg. „Die Kosten variieren von Heim zu Heim", erläutert Heike Heidrich. Und führt aus: „Wenn Sie so viel haben, müssen Sie den Platz selbst finanzieren. Das ist aber häufig nicht der Fall." Dann lässt sich die »Hilfe zur Pflege in Einrichtungen« beantragen. Oder die »Hilfe in besonderen Lebenslagen«. Seit Kurzem ist das Pflege-Informations-System des Kreises Gütersloh (PFIO) online, mit dessen Hilfe Betroffene oder Angehörige Konkretes in Erfahrung bringen können.

Zuhören – das sei das A und O in ihrer Tätigkeit, weiß Heike Heidrich. „Sie müssen das Gegenüber erkennen. Manches muss man auch fühlen", hat sie gelernt. „Auf Rückmeldungen zu hören – das ist mir wichtig", erklärt sie.

»Unbürokratisch muss es manchmal sein. Und schnell gehen«

„Zum Glück konnte ich die Stelle so gestalten, wie sie heute ist." Dazu gehört auch die enge Vernetzung, etwa mit Ina Hirch vom Familienzentrum, mit dem DRK-Alten- und Pflegeheim Haus Ravensberg. „Unbürokratisch muss es manchmal sein. Und schnell gehen. Das ist der Vorteil der Größe unserer Kommune: Man kennt sich und kann das gut organisieren."

Wer mit Heike
Heidrich
in Kontakt treten möchte, kann das am besten zu den Öffnungszeiten des Rathauses tun. „Es lassen sich aber auch jederzeit zusätzliche Termine vereinbaren", sagt sie.

Und dann verrät Heike
Heidrich
, wann sie ihr Beruf besonders erfüllt: „Es ist für mich immer ein Highlight, wenn ich merke: Da habe ich wirklich helfen können."

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