Borgholzhausener baut Winterquartier für Igelfamilie

Ekkehard Hufendiek

Vor dem Versteck: Die Igelmutter frisst Lindemanns Katzenfutter. Ihr Junges zögert noch. Schließlich wagt es sich weiter vor. Seine drei Geschwister folgen später. Der Igelmann ist währenddessen irgendwo in der Nähe allein unterwegs. Einen Tag später serviert Lindemann den Igeln spezielles Futter. - © Foto: Eckart Lindemann
Vor dem Versteck: Die Igelmutter frisst Lindemanns Katzenfutter. Ihr Junges zögert noch. Schließlich wagt es sich weiter vor. Seine drei Geschwister folgen später. Der Igelmann ist währenddessen irgendwo in der Nähe allein unterwegs. Einen Tag später serviert Lindemann den Igeln spezielles Futter. (© Foto: Eckart Lindemann)

Borgholzhausen. „Ich war immer schon ein Tierfreund", sagt Eckart Lindemann. Deswegen freute er sich, als er vor etwa zwei Wochen ein Igelkind über seinen Rasen laufen sah. Da habe er gedacht, hoffentlich geht der Kleine nicht verschütt.

Und wo ein Igelkind ist, da kann die Mutter nicht weit sein, schließlich müssen die Kleinen gesäugt werden. Deswegen forscht der 54-jährige Hobbyholzkunsthandwerker abends mit einer Taschenlampe hinter seinem Gartenhäuschen nach Spuren und entdeckt das Igelmännchen: „Das war so ein Brummer", sagt Lindemann und formt dabei seine Hände zu einem rugbyballgroßen Oval. Wie ein Dackel sei der mit seinen kurzen Beinen über den Rasen gewackelt.

Unter der Plane seiner Komposterde findet Eckart Lindemann schließlich die ganze Familie: Igelmutter und vier Igelkinder. Sie haben sich ein warmes Nest gebaut.

»Ich war froh, dass sie das Futter angenommen haben«

Eckart Lindemann habe schon öfter Igel im Garten gehabt, erzählt er. Aber noch nie seien Junge dabei gewesen. Kurzerhand fasst er den Entschluss, die Igelfamilie nicht zu stören, sich aber dennoch um die putzigen Gartenbesucher zu kümmern. Vorsorglich informiert er sich im Internet, um zu erfahren, was den Igeln guttut. Er legt etwas Stroh aus, stellt Katzenfutter in einer Schale vor das Igelversteck und kauft in Versmold spezielles Igelfutter. „Ich war froh, dass sie das Futter gut angenommen haben", berichtet Lindemann. Außerdem haben die Igel offensichtlich viel Durst gehabt.

Tierfreund: Eckart Lindemann hat ein Futter- und ein Winterhäuschen für Igel gebaut. - © Foto: Ekkehard Hufendiek
Tierfreund: Eckart Lindemann hat ein Futter- und ein Winterhäuschen für Igel gebaut. (© Foto: Ekkehard Hufendiek)

Auf keinen Fall aber sollen Igel mit Kuhmilch versorgt werden, weil die Tiere eine Laktoseintoleranz haben und an Durchfall sterben können. Das weiß der Elektromechatroniker im Ruhestand längst. Eine flache Schale mit Wasser reicht aus. Eineinhalb Wochen lang füttert er so die Igelfamilie – morgens und abends.

Irgendwann in der Nacht vom 11. auf den 12. September müssen die Igel dann weitergezogen sein, denn auf einmal sind sie weg. Eckart Lindemann vermutet, dass starker Wind und lautes Geklapper die Igel aus ihrem Versteck getrieben hat – die Kompostplane befindet sich auf der windzugewandten Seite. Vielleicht haben sie sich ein besseres Versteck gesucht. Wiederkommen wird die Igelfamilie indes vermutlich nicht. „Wenn sie weg ist, ist sie weg", sagt Lindemann.

Immerhin haben die Igel bei ihm viel Kraft tanken können. Und falls den Tieren dennoch Gefahr droht, dann rollen sich Igel zu einer Kugel zusammen und stellen ihre Stachel auf. Denn jedes Haar ihres Fellkleides besitzt einen eigenen Muskel zum Aufrichten und pikst Löcher in die Nasen übermütiger Angreifer – eine wirksame Verteidigungsstrategie in der Tierwelt.

Mit ihrer spitzen Schnauze, den kleinen schwarzen Knopfaugen und dem runden Körper sehen die kleinen Säuger zwar süß aus und sind die Lieblinge vieler Kinder, doch sind sie in der Natur nur schwer zu sehen. Denn ein Igel ist scheu und meist im Schutz der Dunkelheit unterwegs. „Igel sind Einzelgänger", sagt Eckart Lindemann.

Für die nächste Igelfamilie hat Eckart Lindemann jetzt ein besseres Zuhause geschaffen, mit Winterquartier und Futterhäuschen. „Ich hab im Internet geguckt, wie baut man die Dinger." Maße und Material sind dort ausführlich beschrieben und mit Holz kennt sich Lindemann aus, schließlich war sein Vater Tischler. Außerdem hat er sich einen Namen als Holzkunsthandwerker gemacht. Stolz klappt er den Deckel seines Futterhäuschens auf. Das hat zwei Eingänge und im Innenraum zwei Wände, damit sich die Igel geborgen fühlen. Rechts daneben steht das neue Winterquartier. Ein zweites soll folgen – die nächste Igelfamilie soll länger bleiben.

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