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Dissen kämpft um Homann

Versmold und Borgholzhausen wollen die Chance beim Schopfe packen

Andreas Großpietsch,Marc Uthmann

Hier ist kein Platz mehr: Zwar sind noch 17 Hektar im zweiten Bauabschnitt des Interkommunalen Gewerbegebietes nicht verkauft. Davon gehören aber nur rund zehn Hektar dem Zweckverband. Und die sind zum Teil reserviert für andere Betriebe. - © Grafik: Stadt Borgholzhausen
Hier ist kein Platz mehr: Zwar sind noch 17 Hektar im zweiten Bauabschnitt des Interkommunalen Gewerbegebietes nicht verkauft. Davon gehören aber nur rund zehn Hektar dem Zweckverband. Und die sind zum Teil reserviert für andere Betriebe. (© Grafik: Stadt Borgholzhausen)

Borgholzhausen/Versmold/Dissen. Man merkt, wie sich Hartmut Nümann auf diese Aussagen vorbereitet hat. Der Bürgermeister von Borgholzhausens niedersächsischer Nachbarstadt schaltet sofort auf kämpferisch: „Dissen ist Homann und Homann ist Dissen", verkündet Nümann mit fast trotziger Inbrunst. Der Kampf um einen der wichtigsten Arbeitgeber der Region ist offiziell eröffnet.

Kurzer Weg: Über die Autobahn 33 ist es nur ein Katzensprung von Dissen in das interkommunale Gewerbegebiet direkt an der Autobahnabfahrt. Letzteres hat offenbar gute Chancen, die neue Heimat des traditionsreichen Feinkostherstellers Homann zu werden, der mehr Platz braucht. - © Foto: Andreas Großpietsch
Kurzer Weg: Über die Autobahn 33 ist es nur ein Katzensprung von Dissen in das interkommunale Gewerbegebiet direkt an der Autobahnabfahrt. Letzteres hat offenbar gute Chancen, die neue Heimat des traditionsreichen Feinkostherstellers Homann zu werden, der mehr Platz braucht. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Wie exklusiv berichtet, verhandelt Homann auch über einen Umzug in das Interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold. Fest steht: Am bisherigen Standort ist das Unternehmen mittlerweile eingeengt, er hat keine Zukunft mehr. Doch eine Abwanderung aus Dissen will Hartmut Nümann mit aller Macht verhindern: „Wir sind auf gutem Wege, einen Standort in Dissen baureif zu machen", sagte Nümann auf HK-Anfrage. Zehn bis zwölf Hektar südlich der Autobahn 33 könne man kurzfristig zur Verfügung stellen. „Das wäre der erste Schritt – dann gäbe es Optionen auf eine Erweiterung", sagt Dissens Verwaltungschef.

Er geht davon aus, dass Homann am neuen Standort mittelfristig bis zu 25 Hektar benötigen wird – und Dissen werde alles dazu tun, um dem Feinkosthersteller diesen Platz zu verschaffen. Mit Blick auf die 17 Hektar, die im Interkom in Borgholzhausen zur Verfügung stünden, sagte Nümann: „Da kommen wir auch hin." Er sei „optimistisch, dass wir Homann hier halten können. Wir sind auf einem guten Weg". Dass die Verantwortlichen von Homann auch in andere Richtungen verhandelten, sei für ihn nichts Neues: „Wir führen ja auch schon seit Anfang Dezember Gespräche, zuletzt bereits auf Fachebene. Wir diskutieren also bereits technische Fragen." Die Politik habe er erst jüngst informiert – „auch um eine Verunsicherung in der Bevölkerung zu vermeiden".

„Dass solche Unternehmen erst mal sondieren, ist üblich"

Konkurrenten, die sich gut verstehen: Hier sprechen Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (links) und der damalige Borgholzhausener Bürgermeisterkandidat Dirk Speckmann im August 2015 über Gewerbeentwicklung. Jetzt konkurrieren sie um die Gunst des Feinkostherstellers Homann. - © Foto: Andreas Großpietsch
Konkurrenten, die sich gut verstehen: Hier sprechen Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (links) und der damalige Borgholzhausener Bürgermeisterkandidat Dirk Speckmann im August 2015 über Gewerbeentwicklung. Jetzt konkurrieren sie um die Gunst des Feinkostherstellers Homann. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Dissens Bürgermeister ist hörbar bemüht, Optimismus zu verbreiten. „Dass Unternehmen dieser Kategorie erst mal viele Optionen sondieren, ist doch üblich. Schließlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man ihnen ein Angebot machen muss." Es habe sogar eine bundesweite Ausschreibung gegeben. Nach seinen Informationen werde Konzernchef Theo Müller – Homann gehört zur Müller-Gruppe (Müllermilch, Nordsee) – Ende März oder Anfang April über den Standort für ein neues Werk entscheiden.

Eines macht Hartmut Nümann klar: Ein Wegzug von Homann „wäre für Dissen eine Katastrophe. Dieses Unternehmen ist ein Stück unserer Identität. Ohne die Größe Homanns hätten wir 1951 wohl keine Stadtrechte erhalten".

Dissen kämpft gegen Homanns Wegzug, Versmold und Borgholzhausen wollen das Traditionsunternehmen anlocken: „Das ist eine Riesenchance für das Interkommunale Gewerbegebiet" – da sind sich Borgholzhausens SPD-Bürgermeister Dirk Speckmann und sein Versmolder CDU-Amtskollege Michael Meyer-Hermann einig.

 „Wir werden Homann ein sehr gutes Angebot machen"

Info

Dritter Bauabschnitt müsste her

• Eines steht fest: Homann braucht viel Platz. Den müssten Borgholzhausen und Versmold erst einmal offerieren können.
• Piums Bürgermeister Dirk Speckmann nennt die Fakten: „17 Hektar im zweiten Bauabschnitt des Interkommunalen Gewerbegebietes Borgholzhausen-Versmold sind noch nicht verkauft. Und davon gehören derzeit nur rund zehn Hektar dem Zweckverband – die wiederum zum Teil für andere Unternehmen reserviert."
• Speckmann schlussfolgert: „Wir müssen jetzt sondieren, wo wir es hinbekommen."
• Damit ist klar: Ohne den dritten Bauabschnitt des Interkom wäre das Großprojekt nicht zu stemmen. Einen Beschluss für die Erweiterung hatten die Räte in Versmold und Borgholzhausen im März 2015 gefasst.
• Jetzt müsste die Erweiterung des Interkom schnell angegangen werden. Der Kampf um Homann wird auch ein Wettlauf gegen die Zeit.

Interessant für das Unternehmen ist vor allem die Tatsache, dass im Gewerbegebiet direkt an der Autobahnauffahrt fast keine Einschränkungen gelten. Flächen für eine industrielle Nutzung, auf denen an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr produziert werden darf und auch für den dazu nötigen Verkehr keine Einschränkungen bestehen, sind ein rares Gut.
Gut findet Dirk Speckmann auch die Tatsache, „dass die Firma Homann eine Entwicklung im Großraum Teutoburger Wald anstrebt", wie er es ausdrückt. Die Arbeitsplätze – in Dissen sind rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt – blieben auch am neuen Standort erhalten. „Wir werden Homann ein sehr gutes Angebot machen" – darin ist sich Speckmann mit Meyer-Hermann einig.

„Dass ein Unternehmen dieser Größenordnung den Standort wechselt, kommt nur alle 50 bis 100 Jahre vor", sagt der Versmolder Bürgermeister. Auch wenn die Entscheidung noch lange nicht gefallen sei, so rechnet er sich gute Chancen aus. Denn Homann sehe sicher auch die Nähe zu vielen wichtigen Zulieferbetrieben als Standortvorteil. Die Palette reiche da von der Logistik über Kühltechnik bis hin zu Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau.

Für Dirk Speckmann sind die Verhandlungen mit dem Lebensmittelriesen auch eine echte Herausforderung zu Beginn seiner Amtszeit, die heute exakt 101 Tage währt. „Es war eine sehr dynamische Entwicklung", erklärt er diplomatisch, dass er in diesem Fall nicht auf Vorarbeiten seines Vorgängers zurückgreifen konnte. Homanns Wille zur Veränderung ist offenbar ebenso radikal wie kurzentschlossen.

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Kurzer Weg: Über die Autobahn 33 ist es nur ein Katzensprung von Dissen in das interkommunale Gewerbegebiet direkt an der Autobahnabfahrt. Letzteres hat offenbar gute Chancen, die neue Heimat des traditionsreichen Feinkostherstellers Homann zu werden, der mehr Platz braucht. - © Foto: Andreas Großpietsch Konkurrenten, die sich gut verstehen: Hier sprechen Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (links) und der damalige Borgholzhausener Bürgermeisterkandidat Dirk Speckmann im August 2015 über Gewerbeentwicklung. Jetzt konkurrieren sie um die Gunst des Feinkostherstellers Homann. - © Foto: Andreas Großpietsch

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