50 Jahre Kultur von unten

28.11.12
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von Detlef Hans Serowy     Halle. Eine „kleine Stelle” suchte Burghard Schloemann, als er 1961 als Kantor nach Halle kam. „Ich hatte einen Lehrauftrag an der Kirchenmusikhochschule in Herford und wollte im Umland tätig sein”, erinnerte sich der Gründer der Haller Bach-Tage am Dienstagmorgen in Bielefeld. Die 50. Auflage des renommierten Klassikfestivals steht vom 1. bis 17. Februar 2013 auf dem Programm. Gestern blickten die Verantwortlichen mit Schloemann aber zunächst zurück. „Ich hatte nichts weniger im Sinn, als ein solches Festival zu gründen”, erklärte der emeritierte Professor im Landeskirchenamt auf der Bach-Tage-Pressekonferenz.

Schloemann ging es damals und in den folgenden 22 Jahren in Halle nach eigenem Bekunden darum, „die richtige Arbeit eines Kantors zu machen und mit Kindern zu arbeiten”. Befremden erntete der 26-jährige Kirchenmusiker damals an der Hochschule, als er seinen Wechsel mit diesem Motiv begründete. „Alle großen Kantoren wie Bach waren Lehrer und haben mit Kindern gearbeitet”, betonte der Bach-Tage-Gründer und erinnerte daran, dass kurze Zeit nach seinem Start in Halle „400 Kinder wöchentlich zweimal zum Singen kamen”.

Auf diesem Fundament baute Schloemann seine erfolgreiche Arbeit auf. „Kultur wächst von unten nach oben, jedenfalls in Westfalen”, meinte der Kirchenmusikdirektor zwar launig im Ton, aber ernst im Inhalt. Vom Stichwort »Event« und von Superlativen hält er im Zusammenhang mit den Bach-Tagen überhaupt nichts. „Beim Event gibt es ein kurzes Aufflackern und dann kommt nichts nach”, kritisierte er. Ihm sei es dagegen immer um Nachhaltigkeit gegangen und darum, dass die Konzertreihe von der Kantorei getragen werde.

„Auch Sie werden hier nichts ändern können”, hatte ihm ein Haller 1961 zur Begrüßung gesagt. Burghard Schloemann sprach vom „schweren westfälischen Acker”, von „Musik auf der grünen Wiese” und davon, dass die Pastorenehepaare Domke und Schmeling für seine Arbeit von größter Wichtigkeit gewesen seien. „Es gab eine große Willigkeit in der Gemeinde, sich bei der Kirchenmusik zu engagieren”, fügte Schloemann hinzu.

Diese Willigkeit hatte am Anfang ihre Grenzen. Bei der ersten Probe im Januar 1962 war plötzlich nur noch die Hälfte des Chores zur Stelle und Schloemann musste feststellen, „dass ohne den Anziehungspunkt Weihnachten alles erst einmal viel schwieriger wurde”. Aus dieser Not machte der junge Kirchenmusiker eine Tugend und plante gleich für den Januar im folgenden Jahr 1963 eine »Geistliche Abendmusik« und damit den Vorläufer der Bach-Tage.

50 Jahre später hat sich zwar viel verändert, der Zuspruch von Menschen aus Halle und Umgebung für die Bach-Tage ist aber unverändert groß. „Bei den Bach-Tagen gab und gibt es ein Publikum quer durch die Soziologie”, betonte Burghard Schloemann. Diese Einschätzung teilt auch Martin Rieker. Der Kirchenmusikdirektor betonte weitere Gemeinsamkeiten mit Schloemann. Beiden gehe es um „die Botschaft des Musikmachens für die Seele”, so Rieker. Im Chor spreche er immer mit allerhöchster Hochachtung von dem Kollegen.

Der Blick in die Geschichte nahm zwar viel Raum in der Pressekonferenz ein, trotzdem präsentierte Martin Rieker das Jubiläumsfestval unter dem Thema »Lob-Preis - Dank - Te Deum« mit großer Begeisterung. Alle Förderer und Sponsoren haben ihre Zuwendungen zur 50. Auflage verdoppelt, die Bach-Tage 2013 sind mit einem Etat von 180 000 Euro ausgestattet. Das Programm beginnt mit drei Themengottesdiensten im Januar und endet mit einem Gesprächskonzert in der Kreissparkasse Halle im September.

Im Mittelpunkt der Bach-Tage stehen aber die zwei Konzertwochen vom 1. bis 17. Februar 2013. Den Auftakt bildet das Chorkonzert I am 1. Februar mit dem Magnificat in D und der Messe in G von Johann Sebastian Bach. Ein »Historisches Orgelkonzert« von Albert Schweitzer spielt Professor Martin Lücker am 2. Februar. Präses Annette Kurschus predigt am 3. Februar im Bach-Tage-Festgottesdienst, die Kantorei singt dazu die Bach-Kantate »Gott, der Herr, ist Sonn und Schild«.

»Von Bach bis Jazz« lautet am 3. Februar das Motto der Soiree,, »Das Wohltemperierte Klavier I« erklingt im Nachtkonzert am 7. Februar und Werke von Dvo¹ák, Schloemann, Bach und Bruckner werden im Chorkonzert II am 9. und 10. Februar gesungen. Werke von Bach erklingen am 13. Februar im Orchesterkonzert, zwei Kinderkonzerte gibt es am 14. Februar und »Germann Brass« gestaltet am 15. Februar ein »Programm mit Werken von Bach und mehr«. Der Knabenchor Hannover singt Motetten in der Abschluss-Soiree am 17. Februar.

Der Kartenvorverkauf beginnt am 3. Dezember im Bürgerbüro von

Halle.
Außerdem ist es wieder möglich, sich die Bach-Tage-Karten über Bestellkarten zu sichern.

 

 

 
 
 
 
 


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